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Unwetter: Die Nacht der stabilen Dröhner | Was wird denn jetzt aus dem alten Gefängnis? | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 12. September 2023
was war denn das gestern Abend schon wieder? Ein Gewitter, ja, aber was für eins. „Münster ist gleich wach“, twitterte Kachelmannwetter um kurz vor halb zwölf, und so war es dann auch. Zehn Minuten später schrieb Mike Schmitz auf seinem „Münster4Life“-Twitter-Account: „Jede Sekunde gefühlt ein Blitz.“ Das zeigte er in einem kleinen Video.
Aber was waren das für Blitze? Bei Kachelmannwetter haben sie sich je nach Stärke der Einschläge Wörter dafür ausgedacht, mit denen man auch das Schnapsregal im Supermarkt benennen könnte. Die eher leichte Variante ist zum Beispiel der „mittlere Roller“, dann kommt der „starke Knaller“, der „stabile Dröhner“ und – den spürt man vermutlich auch in den Knochen – der „wilde Hausrüttler“.
In Münster hörte man gestern unter anderem einen „stabilen Dröhner“, und zwar um 23:37 Uhr an der Umgehungsstraße in Höhe Agravis. Jörg Kachelmann nannte ihn bei Twitter den „lautesten Hammer”. Er hatte eine Stärke von etwa 65.000 Ampere. Um ein Gefühl für die Zahl zu geben: Wenn Sie zu Hause einen Finger in die Steckdose stecken (bitte nicht!), kommen Sie wahrscheinlich mit ungefähr 10 bis 20 Ampere in Kontakt.
Wie viele Blitze gestern Abend in der Stunde vor Mitternacht über Münster zu sehen waren, das zeigt diese Abbildung. Vage Schätzung: Es waren mehrere hundert.
Nach Mitternacht ging es weiter. Gegen 3:30 Uhr legte sich eine Gewitterfront über die Stadt, die schon als Grafik bedrohlich wirkt. Von fünf möglichen Stufen erreichte der Regen im Zentrum die vierte. Im Westen der Stadt kamen um diese Zeit zwischen 40 und 50 Liter pro Quadratmeter herunter. Von einem Unwetter spricht man laut dem Deutschen Wetterdienst schon ab 25 Litern.
Es blieb nicht bei Regen. Am Alten Schützenhof kippte ein Baumstamm auf ein Haus, berichten die Westfälischen Nachrichten. An der Sentruper Straße, am Zoo, stürzte ein Baum auf die Fahrbahn.
Heute Morgen ging es gleich weiter, und so ganz war es das immer noch nicht. Die Seite Wetter.com schreibt in einem grünen Balken über dem Ausblick für Münster (leichter Regen, ab 22 Uhr leichtes Gewitter): „Gute Nachrichten! Derzeit liegen keine Unwetterwarnungen vor.“ Nach dem Abend gestern ist das ja auch schon mal was. Wobei: Der deutsche Wetterdienst hat inzwischen für nach 22 Uhr eine Unwetterwarnung herausgegeben.
Googles künstliche Intelligenz Bard sieht in der Prognose offenbar noch lange keinen Grund, sich zu Hause aufs Sofa zu setzen. Sie schreibt auf Nachfrage: „Es wird ein gemütlicher Abend, der sich gut für einen Spaziergang eignet.“ Mein Tipp wäre trotzdem: Vor dem Spaziergang statt nur aufs Smartphone am besten auch noch mal in den Himmel schauen. (rhe)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Die Stadt muss mehr Geflüchtete unterbringen, geht dabei aber anders als andere Kommunen, zum Beispiel Telgte, noch nicht an seine Grenzen. (Westfälische Nachrichten, Tagesschau)
+++ An der Uni und der FH Münster arbeiten jetzt zwei Talentscouts, die Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien beim Aufstieg im Bildungssystem unterstützen sollen. (Antenne Münster)
+++ Die Villa ten Hompel hat eine neue Studie herausgebracht, in der es um die Rolle der Polizei im Holocaust geht. (Alles Münster)
+++ Obwohl die Stadtverwaltung schlanker werden wollte, kommen im neuen Jahr über hundert neue Stellen hinzu, genauer: hunderteins. (Westfälische Nachrichten)
+++ In das leerstehende Ladenlokal am Prinzipalmarkt 41 zieht im Frühjahr die skandinavisch klingende, aber in Münster verwurzelte Schuhmarke „Copenhagen Studios“ ein. (Pressemitteilung, nicht online)
+++ Im Artenschutzzentrum des Zoos Münster in Kambodscha ist eine seltene Flussschildkröte geschlüpft. (Westfälische Nachrichten)
Der Zoo unterhält übrigens nicht nur in Kambodscha ein Artenschutzzentrum für Schildkröten, sondern auch hier in Münster. Unser Fotograf Martin Schäfer war dort, wo Besucher:innen des Zoos normalerweise nicht hinkommen. Die RUMS-Fotoreportage ist im April erschienen, hier können Sie sich die Bilder ansehen.
Unbezahlte Werbung
Vor Kurzem haben wir Ihnen in der unbezahlten Werbung das Archäologiemuseum am Domplatz vorgestellt (RUMS-Brief). Ein paar Meter weiter befindet sich an der Pferdegasse 1 noch ein anderes interessantes Museum, das wir Ihnen heute empfehlen wollen. Das Bibelmuseum ist das älteste seiner Art in Deutschland und stellt über 1.500 Bibeln und Handschriften in rund 500 Sprachen aus. Darunter finden sich auch eine Bibel mit einer Widmung von Martin Luther und ein originalgetreuer Nachbau der Gutenbergpresse. In der aktuellen Ausstellung geht es übrigens noch bis zum 5. November um Pflanzen in der Bibel.
Geöffnet ist das Bibelmuseum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Sonntags wird um 15 Uhr eine kostenlose Führung angeboten, die man auch mit einer VR-Brille machen kann. Der Eintritt ist frei.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Deike Terhorst hat sich heute umgehört, was in den kommenden Tagen in Münster los ist. Diese Tipps hat sie für Sie aufgeschrieben:
+++ Am Mittwoch zeigt das Cinema an der Warendorfer Straße den Dokumentarfilm „Jonny Island“. Der Film porträtiert einen jungen Lehrer, der während der Coronapandemie nicht nur mit seiner Behinderung, sondern auch um Teilhabe kämpft. Die Regisseurin Petra Mäussnest wird anwesend sein und nach der Vorstellung ein paar Fragen über den Film beantworten. Eine Kinokarte kostet 9 Euro.
+++ Nach seinem Bachelor war Lukas Baumeister aus Münster sechs Monate mit dem Fahrrad unterwegs. Er fuhr nach Lissabon und wieder zurück. Im Weinhandel Olive & Meer am Inselbogen berichtet er am Donnerstag ab 19 Uhr von seiner Reise. Dazu gibt es spanische Häppchen und natürlich auch Wein. Der Eintritt kostet 15 Euro. Wer kommen möchte, sollte sich vorher per Mail kurz anmelden.
+++ Der israelische Historiker und Pädagoge Meron Mendel ist am Donnerstag zu Gast in Münster. Er stellt sein neues Buch „Über Israel reden“ vor, in dem es um die Bedeutung seines Heimatlandes in Deutschland geht. Hierbei thematisiert er unter anderem die in der NS-Vergangenheit begründete „Freundschaftspflicht“ und die Frage, wie Deutschland auf den derzeitigen Rechtsruck der israelischen Regierung reagieren soll. Los geht’s um 19 Uhr in der Villa ten Hompel oder bei Zoom. Vorab können wir Ihnen diese Folge des Dissens-Podcasts mit Meron Mendel empfehlen.
+++ Am vergangenen Wochenende konnten Sie sich beim ersten Tag der offenen Clubs Ihr DJ-Talent in einigen Workshops erproben. Wenn Sie die Gelegenheit verpasst haben oder jetzt mehr wollen, können wir Ihnen diesen kostenlosen Workshop empfehlen: Das Label „Trust in Wax“ aus Münster bringt Ihnen bei, wie Sie eigene Sounds in einem Minimusikstudio mixen können. Der Kurs findet am Freitag ab 19 Uhr in der Blackbox an der Achtermannstraße statt. Wenn Sie Lust haben mitzumachen, melden Sie sich einfach kurz per Mail an.
+++ Suchen Sie eher nach was Lustigem? Am Freitag tritt der Comedian David Kebekus im Bürgerhaus Kinderhaus auf. Los geht es um 20 Uhr. Tickets kosten 22 Euro im Online-Vorverkauf.
Und außerdem?
Voraussichtlich 2027 soll die JVA Münster auf das neue Gelände in Wolbeck umziehen (RUMS-Brief). Die Politik beschäftigt sich gerade damit, wie es danach mit dem denkmalgeschützten Bau an der Gartenstraße weitergehen könnte, in dem das Gefängnis jetzt untergebracht ist. Die Stadtverwaltung hat einen Grundsatzbeschluss formuliert, über den der Rat am 20. September abstimmen soll.
Eine Möglichkeit wäre ein neues Innenstadtquartier, das die Stadt selbst gestaltet. Allerdings ist noch gar nicht klar, ob sie das Gelände nach dem Gefängnis-Umzug überhaupt bekommen wird. Constanze Busch hat recherchiert und erklärt, warum eine politische Entscheidung trotzdem jetzt schon sinnvoll ist und wie es weitergehen soll. Acht Fragen und Antworten.
Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Constanze Busch (cbu), Jan Große Nobis (jgn), Sebastian Fobbe (sfo), Svenja Stühmeier (sst), Deike Terhorst (dte)
Lektorat: Antonia Strotmann
PS
Sie kennen natürlich Jogging, wahrscheinlich auch Camping, die luxuriöse Variante Glamping, möglicherweise haben Sie auch Planking schon mal gehört. Das ist, wenn man sich flach auf dem Boden liegend irgendwo fotografieren lässt – oder wenn man sich flach auf dem Boden liegend mithilfe der Ellenbogen hochwuchtet. Spinning dagegen ist ein Fitnesstrend, bei dem Menschen in Gruppen und meistens drinnen auf Crosstrainern (Standfahrräder) Kraft und Ausdauer trainieren. Streaming werden Sie ebenfalls schon mal gehört haben. Das ist, wenn man auf dem Sofa liegend weder Kraft noch Ausdauer trainiert und der Fernseher läuft. Ich erzähle Ihnen hier wahrscheinlich nichts Neues. Aber haben Sie schon mal Plogging gehört? Das ist eine Mischung aus dem schwedischen Wort „plocka“ (auf Deutsch: Aufheben) und Jogging. Wenn Sie joggen und dabei Müll aufheben, dann können Sie also sagen: „Ich war heute ploggen.“ (nicht zu verwechseln mit Bloggen). Und wenn Sie Lust haben, können Sie das, ploggen, am Samstag zusammen mit anderen ausprobieren. Da ist nämlich, was für ein Zufall, auch noch „Word Clean Up Day“ oder wie wir in Münster sagen: „Weltaufräumtag“ – und wenn das mal keine gute Gelegenheit ist. Um 11 Uhr geht es los. Treffpunkt ist der Recyclinghof an der Eulerstraße. Kleiner Spoiler: Den müssen Sie nicht aufräumen. (rhe)
PPS
Wenn ich ausländische Nachrichten lesen möchte, dann drücke ich an meinem Browser auf einen Knopf, und die Seite erscheint auf Deutsch. Als neulich jemand aus Polen an der Tür stand, der eine Adresse in der Nachbarschaft suchte, unterhielten wir uns mithilfe einer Übersetzungs-App. Ich sagte einen Satz auf Deutsch, die App las ihn auf Polnisch vor, dann ging es umgekehrt. Beides ist wirklich sehr nützlich, der Browserknopf und die App, aber das, was in diesem Video zu sehen ist, gibt einen Ausblick darauf, wie die Zukunft aussehen könnte. Ich hatte so etwas noch nicht gesehen: Wenn man ein mindestens 30 Sekunden langes Video an die App „HeyGen“ schickt, lässt sie die Person, die in dem Video zu sehen ist, fließend in einer anderen Sprache sprechen. Wenn man möchte, passt die Software sogar die Lippenbewegungen an. Natürlich etwas ärgerlich: Hat man die ganzen Vokabeln dann völlig umsonst gelernt? Nein, das nicht. Also noch nicht. Live geht das alles noch nicht. Da hilft weiterhin am besten ein langwieriger Sprachkurs. (rhe)