Wie politisch ist eine Kreuzung? | Unbezahlte Werbung: Leibeslust | RUMS 6 Monate für 1 Euro

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

am Ziegenkreisel in Gievenbeck, dem großen Kreisverkehr an der Von-Esmarch-Straße, könnte etwas passieren, das man in Deutschland nur selten sieht. Dort könnte ein Kreisverkehr zu einer Ampelkreuzung werden.

Umgekehrt erlebt man das oft, denn durch Kreisverkehre fließt der Verkehr flüssiger, die Wartezeiten sind kürzer, und es gibt weniger schwere Unfälle. Eigentlich.

Am Ziegenkreisel sind zwischen 2018 und 2023 laut Stadt 60 Unfälle mit 29 Verletzten passiert, vor allem Radfahrer. Aus diesem Problem hat sich ein Lehrstück entwickelt, in dem es nicht nur um Verkehrssicherheit geht, sondern auch um einen Machtkampf auf der Straße und um Demokratie.

Die Idee mit der Ampelkreuzung kommt von der städtischen Unfallkommission, in der Vertreterinnen und Vertreter von Straßenverkehrs-, Straßenbau- und Polizeibehörden sitzen. Die Kommission sagt, es gehe um die Sicherheit des Radverkehrs. Aber muss der Preis dafür sein, dass sich wieder alles nach dem Auto richtet – und der Radverkehr länger warten muss?

Eine grundsätzliche Frage

Im vergangenen September teilte die Stadt in einem Bericht mit, sie werde der Empfehlung der Kommission folgen und für knapp zwei Millionen Euro eine Ampelkreuzung bauen. Ein Viertel davon trägt die Stadt.

Es gäbe auch eine günstigere Variante. Das Planungsbüro „Brilon Bondzio Weiser“ hat vor sechs Jahren in einem Gutachten Vorschläge dazu gemacht, wie man den Kreisverkehr für sehr viel weniger Geld sicher machen kann.

Das Büro empfahl, die Radwege am Kreisverkehr vier bis fünf Meter weiter von der Straße weg zu bauen. So könnten die Menschen im Auto und auf dem Rad sich besser sehen. Das Fahrrad hätte weiterhin Vorfahrt.

Die Variante mit der Ampel würde eine grundsätzliche Frage aufwerfen: Wenn man an dieser einen Stelle davon überzeugt ist, dass die Ampelkreuzung sicherer ist als der Kreisel, wieso gibt es so etwas in Deutschland so gut wie nie? Liegt es vielleicht gar nicht am Modell, sondern an ganz konkreten Schwächen dieses einen Kreisels? Und könnte man die nicht einfach ausbessern?

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub hat in einer Stellungnahme Vorschläge dazu gemacht, wie der Kreisverkehr sicherer werden könnte. Bessere Markierungen, geringeres Tempo, ein Mischmodell, in dem Autos und Fahrräder sich die Fahrbahn teilen.

Grüne und SPD würden es gern auf so eine Weise probieren – jedenfalls ohne Ampel. Anfang April haben die Parteien in der Bezirksvertretung West den Rat aufgefordert, den Umbau zu stoppen und stattdessen den Kreisverkehr umzubauen.

Große Fragen im Kleinen

Vor einer Woche diskutierte der Verkehrsausschuss die Frage, ob der städtische Rat sich über die Entscheidung der Unfallkommission hinwegsetzen darf. Stadt und CDU sagen Nein und berufen sich auf einen Erlass des NRW-Innenministeriums.

Darin steht unter anderem der Satz: „Die Unfallkommission hat die Verkehrsunfallentwicklung ständig zu beobachten, das Verkehrsunfallgeschehen auszuwerten und Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit zu beraten und zu beschließen.“

Tiefbauamtschef Gerd Rüller sagte vor einer Woche im Verkehrsausschuss, der Beschluss der Kommission sei bindend. Die Politik werde das nicht anders entscheiden können.

Der Rechtsanwalt und frühere Grünen-Kreisvorsitzende Wilhelm Achelpöhler schätzt den Fall etwas anders ein. Er schreibt in einer zweiseitigen Beurteilung: „Die Frage, ob eine Straße als Kreuzung oder als Kreisverkehr gebaut wird, ist (…) von den zuständigen Organen der Gemeinde zu treffen.“

Und was sagt die Stadt dazu? Man prüft zurzeit noch das Schreiben und die Rechtsauffassung, schreibt ein Sprecher.

Im Kleinen geht es hier also um eine große Frage: Wer bestimmt über den öffentlichen Raum? Oder: Wie politisch ist eine Kreuzung?

Es kann sein, dass die Antwort am Ende ein Gericht geben wird. Vorläufig wird in der nächsten Woche der Rat entscheiden. Nach unseren Informationen wird das Ratsbündnis den Umbau stoppen. (rhe)

Machen Sie mit!

Grafik mit dem Titel "Deine Stimme, Deine Themen", auf der ein Megafon, eine Wahlurne und ein Notizzettel zu sehen sind, auf dem etwas notiert wird

Im September ist Kommunalwahl. Was sind Ihre Themen und Ihre Fragen? Wir sammeln sie und sprechen darüber mit den Politiker:innen.

Das Projekt „Deine Stimme, deine Themen“ ist eine Kooperation zwischen RUMS und dem Netzwerk CORRECTIV.Lokal, das Recherchen und Dialog im Lokaljournalismus fördert.

Sie möchten dieses Thema mit anderen Leser:innen diskutieren oder uns Hinweise geben

Nutzen Sie einfach unsere Kommentarfunktion unterhalb dieses Textes. Wenn Sie diesen Kurzbrief gerade als E-Mail lesen, klicken Sie auf den folgenden Link, um den Text auf unserer Website aufzurufen:

diesen Kurzbrief kommentieren

Klima-Update

+++ Kennen Sie Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia? Wahrscheinlich sind Ihnen diese fünf besser bekannt als die Eisheiligen, die vom 11. bis 15. Mai ihre Namenstage feiern. Eine alte Bauernregel besagt, in diesem Zeitraum seien die letzten Frostnächte des Jahres möglich. Viele Medien berichten gerade darüber (zum Beispiel hier, hierund hier). Doof nur: Die Eisheiligen sind ein Mythos. Aus den Wetterdaten der vergangenen Jahrzehnte lässt sich nicht ablesen, dass es an den Eisheiligen auffällig oft kalt wird. Im Gegenteil, wenn es jetzt noch mal nachts friert, ist das ganz normales Maiwetter. Im Moment haben wir eher ein anderes Problem: Es ist viel zu heiß und zu trocken. Laut deutschem Wetterdienst besteht in Münster sogar mittlere Waldbrandgefahr. In Bielefeld hat der Wald im Stadtteil Sennestadt sogar pünktlich zu Beginn der Eisheiligen Feuer gefangen. (sfo)

Anonymer Briefkasten

Anonymer Briefkasten

Haben Sie eine Information für uns, von der Sie denken, sie sollte öffentlich werden? Und möchten Sie, dass sich nicht zurückverfolgen lässt, woher die Information stammt? Dann nutzen Sie unseren anonymen Briefkasten. Sie können uns über diesen Weg auch anonym Fotos oder Dokumente schicken.

zum anonymen Briefkasten

Ein-Satz-Zentrale

+++ Im Juli schließen die Restaurants „Aposto“ und „Besitos“ am Alten Steinweg. (Westfälische Nachrichten)

+++ Zum Jahreswechsel übernimmt „Krimphove“ die drei „Kisfeld“-Bäckereien in Albachten. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Arbeiten an der Handorfer Wersebrücke dauern länger als geplant und werden, wenn auf den letzten Metern nichts Unerwartetes passiert, bis nächsten Mittwoch abgeschlossen sein. (Stadt Münster)

+++ Mehr Firmen in Münster wollen sich an der freiwilligen Selbstverpflichtung Klimastadt-Vertrag beteiligen, darunter die Provinzialversicherung, das Factory-Hotel, die Uni Baskets und die Fachklinik Hornheide in Handorf. (Stadt Münster)

+++ Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ möchte, dass die Busumleitungen, die seit gestern für den Umbau des Martiniviertels bestehen, dauerhaft bleiben. (Ratsantrag „Pro Bahn“)

+++ Der Mann, der vor drei Jahren mehrere Tage lang einen Kran an der Hammer Straße besetzt hatte, hat den Schaden in Höhe von 250.000 Euro an die „Wohn- und Stadtbau”, wohl nicht ganz freiwillig, aus seinen Ersparnissen beglichen. (Westfälische Nachrichten, RUMS)

+++ Die Stadtwerke wollen bis zum Jahresende hundert Bushaltestellen mit digitalen Fahrplänen ausstatten und haben die gedruckten Aushänge aufgehübscht, damit sie besser zu lesen sind. (Stadtwerke Münster)

+++ Seit dem 1. Mai ist das Freibad Coburg geöffnet, am Sonntag dann auch die städtischen Freibäder in Hiltrup und Stapelskotten. (Stadt Münster)

+++ Weil Preußen gegen Magdeburg und Berlin gewonnen hat, reicht ein Sieg zum Klassenerhalt, unter Umständen aber auch ein Unentschieden, um nicht in die Relegation zu müssen. (WDR)

Unbezahlte Werbung

Seit das Wiener Bistro an der Neubrückenstraße Ende April renoviert wurde, hat es noch mehr Kaffeehausflair. Wenn Sie zwischendurch Lust auf einen kulinarischen Ausflug nach Österreich haben, schauen Sie am besten von Dienstag bis Samstag von 11:30 Uhr bis 22 Uhr vorbei. Dann kommen Wiener Spezialitäten wie Käsespätzle, Gulasch, Schnitzel, Kaiserschmarrn und Sachertorte auf den Tisch. Für den Mittagstisch gibt es eine gesonderte Karte.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Katja Angenent hat heute in den Veranstaltungskalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen.

+++ Am Mittwoch um 19 Uhr beginnt an den Aaseeparkplätzen an der Mecklenbecker Straße ein Spaziergang mit dem Thema: die Vogelwelt am Aasee. Erwachsene zahlen eine Teilnahmegebühr von 9 Euro, Kinder sind für 5 Euro mit dabei. Anmeldungen sind nicht nötig.

+++ Im Café der B-Side trifft sich ab 19 Uhr der „Silent Book Club“ zum gemeinsamen Lesen. Nehmen Sie einfach nur ein spannendes Buch mit und suchen Sie sich einen gemütlichen Platz zum Sitzen. Die Organisator:innen freuen sich am Ende über eine kleine Spende.

+++ Am Donnerstag findet ab 20 Uhr zum zweiten Mal ein Poetry Gathering in der B-Side statt. Menschen lesen ihre Texte vor. Andi Substanz führt durch den Abend. Wer mutig ist, kann spontan auch einen eigenen Text vorlesen. Der Eintritt ist frei, eine Spende von 10 Euro wird aber empfohlen.

+++ Von Freitag bis Sonntag wird im Krameramtshaus am Alten Steinweg gefeiert: Das dort ansässige Haus der Niederlande wird dreißig Jahre alt. Ab dem 16. Mai lädt die Ausstellung „Niederlande in 3D – 30 Jahre Haus der Niederlande“ dazu ein, die Einrichtung anhand von zehn verschiedenen Themen zu entdecken. Am selben Abend liest die niederländische Bestseller-Autorin Sacha Bronwasser um 19 Uhr aus ihrem Roman „Was du nie sehen wirst“, und am Samstag gibt es beim Tag der offenen Tür unter anderem Live-Musik, Gespräche und Sprachworkshops. Zu allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.

Und sonst?

Die städtische Kita Am Edelbach in Coerde wird zum 31. Juli schließen. Eine Initiative und Kita-Eltern kritisieren nicht nur die Schließung selbst, sondern auch das Verhalten der Stadt Münster als Trägerin. RUMS-Autorin Svenja Stühmeier hat sich auf die Suche nach Antworten auf einige offene Fragen gemacht. Die können Sie lesen, wenn Sie RUMS testen: 6 Monate lang für 1 Euro.

Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße

Ralf Heimann

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Anna Niere (ani), Svenja Stühmeier (sst), Katja Angenent (kat) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht. Lektorat: Maria Schubarth

PS

Wenn irgendwo die Polizei auftaucht, dann weiß man eigentlich: Möglichst unauffällig verhalten, dann wird schon nichts passieren. Heute um kurz nach Mitternacht hat ein Mann auf der Promenade in Höhe Zwinger, als er eine Polizeistreife sah, „ohne triftigen Grund“, so steht es in der Polizeimeldung, mit dem Rad gewendet und ist geflüchtet. Einen triftigen Grund hatte er schon, das stellte sich aber erst später raus, als die Polizisten ihn fanden. Das war nicht so schwer. Der Mann rief um Hilfe. Diesmal aus einem sehr offensichtlich triftigen Grund. Er war in die Aa gefallen. Und so kam heraus: Er hatte, so erzählte er es selbst, erst am Bahnhof ein Fahrrad geklaut, danach erledigte er in Münster-Nord mutmaßlich mehrere Kellereinbrüche und ließ dabei Werkzeug, Schuhe und Getränke mitgehen. Das alles führte er aber in der Aa liegend schon gar nicht mehr bei sich. Die Getränke hatte er möglicherweise zu sich genommen. Betrunken war er laut Polizeibericht nämlich auch noch. Und falls in Ihrem Keller etwas fehlt, hier finden Sie Fotos von seiner Beute. (rhe)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
Anmelden oder registrieren