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CSD-Angriff: Verdächtiger in Untersuchungshaft | Wasserstoff-Pläne für Münster | 3 Monate RUMS zum halben Preis


Münster, 6. September 2022
seit Samstag sitzt der 20-jährige Mann, der mutmaßlich eine Woche zuvor den 25-jährigen trans Mann Malte beim Christopher-Street-Day angegriffen und tödlich verletzt hatte, in Untersuchungshaft. Die Polizei hatte letzte Woche etliche Zeugenhinweise, Bilder und Videos ausgewertet und dabei ein Bild des Tatverdächtigen gefunden. Eine Polizistin erkannte ihn am Freitagnachmittag am Hauptbahnhof und nahm ihn fest. Bisher hat der Mann noch keine Aussage gemacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn wegen Körperverletzung mit Todesfolge.
Laut Oberstaatsanwalt Dirk Ollech ist der 20-Jährige schon mehrfach „strafrechtlich in Erscheinung getreten“, es gab mehrere Verfahren wegen Körperverletzung. In einem Fall wurde er verurteilt (und ist damit einschlägig vorbestraft), allerdings nicht zu einer Haftstrafe. Im Jugendstrafrecht sind auch andere Sanktionen möglich, erklärt Dirk Ollech, beispielhaft nennt er Geldstrafen, gemeinnützige Arbeit oder Anti-Aggressions-Trainings.
Kundgebungen in Münster und ganz Deutschland
Kurz nachdem die Polizei am Freitagabend in einer Pressemitteilung über die Festnahme des Tatverdächtigen informiert hatte, begann am Prinzipalmarkt eine Kundgebung gegen queerfeindliche Gewalt. Mehrere tausend Menschen hatten sich zum Gedenken an den verstorbenen Malte vor dem historischen Rathaus versammelt. Im Laufe der Kundgebung wurde die Nachricht von der Festnahme bekannt gegeben. Die Teilnehmenden applaudierten daraufhin. Hass oder Häme gegenüber dem Tatverdächtigen war allerdings nicht zu spüren. Viele Teilnehmende waren einfach erleichtert.
Auf der Kundgebung sprachen Vertreter:innen verschiedener queerer Vereine in Münster. Sie berichteten von der Diskriminierung, der Gewalt und den Aggressionen, die Frauen und nicht-heterosexuelle Menschen im Alltag erleben. Aber auch von Solidarität und Unterstützung. Felix Adrian Schäper vom Verein Trans*-Inter*-Münster freute sich, dass so viele Menschen zur Kundgebung gekommen sind. Er sagte: „Das zeigt, wir sind keine Minderheit. Wir sind keine Randgruppe. Die, die den Hass haben, sind eine Minderheit und eine Randgruppe.“
Auch in vielen anderen Städten in Deutschland gab es Kundgebungen, zum Beispiel in Bielefeld, Nürnberg und Kiel.
Begleiter war offenbar nicht beteiligt
Am Sonntag hat sich der Begleiter des Tatverdächtigen bei der Polizei gemeldet. Er war ebenfalls gesucht worden, um zu klären, ob er an dem Angriff beim Christopher-Street-Day beteiligt war. Das ist offenbar nicht der Fall, wie sich bei seiner Vernehmung am Montag herausgestellt hat. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln deshalb nicht mehr gegen ihn.
Das sind die Dinge, die wir bisher sicher wissen. Und jetzt kommt der schwierige Teil. Es sind längst Gerüchte über den Tatverdächtigen im Umlauf, die Bild-Zeitung hatte viele mutmaßliche Details seiner Identität, Nationalität und Familiengeschichte veröffentlicht. In diesem Brief sollen sie nicht vorkommen, weil zu vieles davon Vermutungen wären. Bei keinem Detail lässt sich jetzt schon sicher sagen, dass es in einem Zusammenhang zu dem Angriff steht, den der Tatverdächtige bisher noch gar nicht gestanden hat.
Es werden immer mehr queerfeindliche Taten registriert
Was sich sagen lässt: Dass der 20-Jährige die beiden Frauen am Rande des CSD als „lesbische Hure“ beschimpft und bedroht hat, war eine queerfeindliche Tat. Dass er anschließend den 25-jährigen Mann angriff und niederschlug, der die Frauen schützen wollte, ist eine unmittelbare Folge davon. Ob es eine Rolle spielte, dass der Verteidiger ein trans Mann war, ist bisher unklar.
Mit dem Begriff Queerfeindlichkeit sind Diskriminierung, verbale und körperliche Angriffe zum Beispiel gegen homo- und bisexuelle Menschen oder trans Personen gemeint. Seit Jahren werden immer mehr solcher Taten erfasst. Das kann daran liegen, dass es tatsächlich mehr Fälle gibt. Es kann auch daran liegen, dass sie inzwischen häufiger als queerfeindliche Taten in die Statistik eingehen, während früher das Motiv gar nicht erkannt oder erfasst wurde – auch jetzt gibt es etwa bei transfeindlichen Taten offenbar immer noch ein großes Dunkelfeld. Wenn es tatsächlich mehr Angriffe gibt, ist eine zunehmende Feindlichkeit die Ursache? Oder zeigen sich mehr queere Menschen öffentlich und werden deshalb auch häufiger angegriffen, einfach weil sie sichtbarer sind? Es kann auch eine Mischung aus allen Gründen sein. Tatsache ist aber, dass nach wie vor viele queere Menschen Angst vor Anfeindungen und Angriffen haben und ihre Sexualität oder Identität deshalb nicht offen leben; laut einer Studie sind es in Deutschland fast die Hälfte.
Auf dieser traurigen Tatsache sollte jetzt der Fokus liegen, nicht auf der Identität eines einzelnen Täters. Wie es queeren Menschen in unserer Gesellschaft geht, ist zu selten Thema – auch hier bei uns. Wir versuchen, das in Zukunft besser zu machen.
Das ist nötig. In Bremen wurde am vergangenen Samstag eine trans Frau von Jugendlichen beleidigt, körperlich angegriffen und schwer verletzt. (cbu/sfo)
Außerdem im RUMS-Brief: Münsters Wasserstoff-Pläne
In unserer Abonnent:innen-Ausgabe geht es heute um ein Thema, mit dem sich morgen Abend der Rat beschäftigen wird: Die Stadt will gezielt in die neu entstehende Wasserstoffwirtschaft einsteigen und soll dafür eine:n Koordinator:in bekommen, die oder der sich um alles kümmert. Ich habe mir angeschaut, was genau geplant ist, was das für Münster bringen kann und was nicht.
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Herzliche Grüße
Constanze Busch