Wer läuft zuerst durchs Klimaziel? | Gut Kinderhaus | RUMS drei Monate lang zum halben Preis

Porträt von Svenja Stühmeier
von Svenja Stühmeier

Münster, 16. Juni 2023

manche Menschen sollen ja Spaß an Wettbewerben haben. Sie bereiten sich darauf vor mit dem Ziel, besser zu sein als die anderen Teilnehmenden. Wer das schafft, bekommt am Ende eine schöne Medaille und ein Pressefoto. Ob „besser als alle anderen“ aber objektiv betrachtet gut ist, rückt dabei manchmal in den Hintergrund oder wird vielleicht sogar durch möglichst hohe erbrachte Leistungen definiert. Zum Beispiel beim Sport in der Freizeit ist das auch unproblematisch. Wenn Wettbewerbe Menschen motivieren können, sich zu bewegen und Kontakte zu anderen Sportler:innen zu knüpfen, ist das doch eine gute Sache.

Anders ist das bei der Bekämpfung der Klimakrise. Da sind Motivation und Kontakte knüpfen zu Menschen, denen Klima- und Umweltschutz auch wichtig ist, natürlich auch super. Das reicht allerdings nicht aus, wie uns Wissenschaftler:innen sagen: Selbst das, was Menschen vielleicht als „hochambitioniert“ bezeichnen, ist oft nicht ausreichend, um die Erderhitzung in großem Stil aufzuhalten.

Den Gedanken hat Carolin Bohn gestern beim Stadtforum „Münster wird zur Klimastadt“ (RUMS-Kolumne) formuliert. „Es geht hier um Klimaneutralität, nicht um ihrer Selbst willen, sondern weil es die unbedingt notwendige Voraussetzung dafür ist, dass wir und alle heutigen und zukünftigen Generationen ein gutes Leben führen können und letztlich sogar überleben können“, hat die Wissenschaftlerin vom Zentrum für interdisziplinäre Nachhaltigungsforschung auf der Bühne gesagt.

Ehrgeizige Vorhaben

Dieses Forum fand im Rahmen einer EU-Mission statt. Die unterstützt einhundert Städte dabei, bis 2030 klimaneutral zu werden, Münster ist eine davon. Wiebke Pankauke ist in der EU-Kommission für dieses Projekt zuständig und war auch zu Gast. Sie hat etwa von der Vision gesprochen, dass Europa bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent sein wird. Oberbürgermeister Markus Lewe nennt das eine „Klima-Olympiade“ und einen „Wettbewerb mit den europäischen Städten“.

Und wie es sich für einen Wettbewerb gehört, gehe es nicht um Versprechen, hat Markus Lewe zur Klimaneutralität bis 2030 gesagt. Sondern um Ziele. Ob man die erreicht? Kommt drauf an, wie sehr man sich anstrengt. Lewe hat gestern noch einmal betont, dass Bürger:innen Verantwortung für eine ressourcenschonende Stadt übernehmen müssen. Ich halte das grundsätzlich für einen sehr guten Ansatz. Das Bestreben, in einer klimaneutralen Stadt zu leben, bedeutet Veränderungen für ihre Bewohner:innen, das muss klar sein.

Man würde ja, aber …

Zumindest diejenigen, die regelmäßig an diesen Veranstaltungen teilnehmen, zeigen jedoch die geforderte Bereitschaft längst. Mehr noch, sie ermutigen die Stadt, auch unpopuläre Entscheidungen im Sinne des Klima- und Umweltschutzes zu treffen und versichern ihre Unterstützung.

Nur: Dafür müsste es die auch geben. Oder wenigstens konkrete Ansätze. Wie eben den Maßnahmenplan, den Markus Lewe längst hätte vorlegen müssen (RUMS-Brief). Den hat er gestern jedoch kleingeredet: Ein festgelegter Plan sei zu eindimensional, um das vielschichtige Problem Klimakrise zu lösen.

In einer Pressemitteilung kritisieren Gruppen wie zum Beispiel der Klimaentscheid und Fridays for Future diese Haltung. Und verweisen außerdem auf die EU-Mission, in deren Rahmen jede Stadt einen Aktions- und einen Finanzierungsplan erstellen soll. Das wäre schließlich sowas ähnliches.

Jetzt soll allerdings erst einmal der sogenannte Klimastadtvertrag entstehen, und zwar in Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft. Auch den sollen alle einhundert Städte aus dem EU-Programm verfassen. Einen Platz auf dem Treppchen kann Münster hier zwar nicht mehr bekommen, denn laut Wiebke Pankauke haben schon zwölf Städte so einen Vertrag fertiggestellt. Mitmachen lohnt sich aber trotzdem. Hier können Sie Ihre Ideen einbringen. (sst)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Hallenbäder Kinderhaus und Mitte haben seit heute geschlossen, das Hallenbad Ost schließt morgen, weil Personal fehlt und die Leute bei dem schönen Wetter eh lieber ins Freibad gehen. (Stadt Münster)

+++ In Gievenbeck soll eine neue Erstaufnahmeeinrichtung für achtzig Geflüchtete auf dem Gelände der Oxford-Kaserne entstehen. (Stadt Münster)

+++ Aufgrund des Personalmangels fallen vor allem auf der Stadtwerke-Linie 4 und auf der Eurobahn-Linie RB 65 zahlreiche Fahrten aus. (Antenne Münster)

+++ Münsters Grundstücksvergabe soll künftig einfacher und digitaler vonstattengehen als bisher. (Stadt Münster)

+++: Die Stadt hat zwölf Belüftungsgeräte am Aasee installiert, damit genug Sauerstoff ins Wasser kommt. (Stadt Münster)

+++ Seit heute hat das Bürgerbüro Gievenbeck wieder geöffnet. (Stadt Münster)

+++ An der Sentruper Höhe gibt es eine schicke neue Boule-Anlage. (Klub für Kugelsport Münster)

+++ Der Rat hat Arno Minas zum neuen Beigeordneten für Wohnungsversorgung, Immobilien und Nachhaltigkeit gewählt. (Stadt Münster)

+++ Cordula Gladrow übernimmt wie geplant die Leitung der Stadtbücherei. (Stadt Münster)

+++ Dominik Baumann wird neuer Verwaltungsdirektor am Theater Münster. (Stadt Münster)

+++ Frank Gäfgen, Geschäftsführer der Stadtwerke, übernimmt die Leitung der Westfälischen Bauindustrie von Peter Todeskino. (Stadt Münster)

+++ Eine externe Beratungsfirma soll die digitale Kitaplatzvergabe wuppen, nachdem in diesem Jahr so ziemlich alles schiefgelaufen ist. (Stadt Münster)

+++ Die Stadt Münster richtet eine ehrenamtliche Ombudsstelle für Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen ein, die Streitfragen klären soll. (Stadt Münster)

+++ Vertreter:innen des Bistums Münster, Wissenschaftler:innen und Betroffene ziehen eine gemischte Zwischenbilanz unter die bisherige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. (Katholisch.de)

+++ Im Allwetterzoo ist ein Orang-Utan-Baby zur Welt gekommen. (Allwetterzoo Münster auf Instagram)

+++ Der Förderverein Münster-Lublin in Deutschland hat mehr als 620.000 Euro gesammelt, um Flüchtlingen aus der Ukraine in Polen zu helfen und dokumentiert die Spendenaktion ab Freitag um 17 Uhr in einer Ausstellung in der Stadtbücherei. (Förderverein Münster-Lublin)

Unbezahlte Werbung

Wenn Sie noch nach einem schönen Ausflugsziel am Wochenende Ausschau halten, hier wäre eines: das Gut Kinderhaus. Der Hof ist ein Inklusionsbetrieb von Westfalenfleiß, dort arbeiten rund vierzig Menschen mit Behinderung, die zum Beispiel Obst und Gemüse anbauen oder in Werkstätten tätig sind. Das Gut hat außerdem ein Café, das Kaffee und Kuchen serviert, und einen eigenen Hofladen, der selbstgemachte Marmelade, Fruchtsäfte und andere Mitbringsel anbietet. Wie es sich für einen Bauernhof gehört, leben dort auch ein paar Tiere. Im Sommer kann man dort übrigens auch eine Gartenparzelle pachten. Das wäre ein Grund mehr, öfter mal zum Gut zu kommen.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Luzia Arlinghaus hat heute in den Terminkalender geschaut und das hier für Sie herausgesucht:

+++ Heute findet ab 20 Uhr der Nachtflohmarkt an der Promenade statt. Im Juli ist erstmal Pause, den nächsten Flohmarkttermin können Sie sich aber schon mal notieren: Das ist der 19. August, dann aber wieder tagsüber.

+++ Am Samstag lädt die Ausländische Studierendenvertretung zum Sommerfest auf dem Schlossplatz ein. Es gibt Musik, Tanz und Speisen aus Ländern der ganzen Welt. Für Kinder ist ab 15 Uhr ein Sprungkissen aufgebaut, sie können sich schminken lassen und am bulgarischen Stand selber töpfern. Für Erwachsene, die sich für Frauenrechte und Nachhaltigkeit in anderen Ländern interessieren, gibt es Infostände.

+++ Heute Abend eröffnet um 20 Uhr eine Ausstellung über ukrainische Erinnerungskultur im Foyer des Philosophikums. Vorbereitet haben die Ausstellung Studierende des kunstgeschichtlichen Instituts der Uni Münster. Mit der Ausstellung wollen die Studierenden das Vorurteil widerlegen, „die Ukraine sei keine Nation mit längerer Geschichte“. Die Ausstellung können Sie unter der Woche besuchen. Vom 19. bis 23. Juni im Foyer des Philosophikums von 8 bis 20 Uhr und vom 26. Juni bis 7.Juli im Fürstenberghaus.

+++ Am Sonntag findet auf dem Emshof, an der Grenze von Münster und Telgte, ein Kompostfestival statt. Um 13:30 Uhr beginnt eine Hofführung, bei der gezeigt wird, wie Kompostieren funktioniert. Danach geht es weiter mit Bastelprogramm für Kinder, wer will kann eine Wurmbox selbst bauen, muss sich dafür aber vorher anmelden. Zwischendurch gibt es Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Falafel. Später findet eine Podiumsdiskussion statt und der Abend endet mit einem Freiluftkino am Lagerfeuer. Das gesamte Programm finden Sie hier.

Was steht sonst im RUMS-Brief?

Heute haben wir von der Ratssitzung am Mittwochabend berichtet. Dabei geht es zum Beispiel um die möglichen Auswirkungen des Urteils zum Anwohnerparken aus Freiburg und die beschlossene Videoüberwachung am Schulzentrum in Kinderhaus. Außerdem hat die Initiative zum Bürger:innenrat Neues verlauten lassen und Ralf Heimann hat eine weitere Position zum Musik-Campus aufgeschrieben.

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Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier

PS

Wir bei RUMS fühlen uns den Niederlanden ja sehr verbunden, das sieht man direkt am Firmenlogo im königlichen Orange. Redakteur Sebastian Fobbe hat da mal gelebt, und unsere Lektorin Lisa Mensing übersetzt niederländische Romane ins Deutsche. Zum Beispiel „Wir sind das Licht“ von Gerda Blees. Darin geht es um eine Wohngemeinschaft, die davon überzeugt ist, sich ausschließlich von Licht ernähren zu können. Bis eine der Bewohner:innen stirbt. Falls Sie mal reinschnuppern (und vielleicht sogar Ihr Niederländisch trainieren) möchten: Ausschnitte in beiden Sprachen können Sie kostenlos hier anhören. Und fürs niederländische Latin-Feeling schauen Sie sich doch Loonas Auftritt auf dem Hafenplatz an. Vergangenen Mittwoch hat sie den Besuch der niederländischen Sportler:innen begleitet, die ab morgen an den Special Olympics in Berlin teilnehmen und vorher in Münster vorbeigekommen sind.

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