Post von Leser:innen

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von Fabian Schatz

Joachim Harder, Dirigent der „EinKlang-Philharmonie“ und Gegner der Musik-Campus-Idee, hat uns zu unserer Meldung zum Musik-Campus (RUMS-Brief vom 13. Juni) einen Katalog aus fünf Fragen und fünf Antworten geschickt. In der Betreffzeile des Briefs stand: „Musik-Campus: Freie Szene jetzt auf Augenhöhe.“ Harder fragt:

Wirklich Augenhöhe?

Schon der Abstand zwischen dem Budget des Theaters Münster mit 24 Millionen Euro pro Jahr und dem der freien Szene in der Sparte Musik von jährlich etwa 180.000 € (gleich 0,75 Prozent) lässt daran Zweifel aufkommen. Gleiche Augenhöhe also zwischen reich und arm? Schon im Begriff „Ankermietende“ steckt der Hinweis auf die zur Verfügung stehenden Mittel. Also vielleicht doch eher weiterhin drei Ankermietende und ein Alibi-Anhängsel? Die politischen Gründe für die sehr späte Einbeziehung der „Freien Musikakteure“ in die Planung des Musik-Campus sind ja bestens bekannt.

Keine Hierarchie, Frau Wilkens?

Schon jede Institution für sich hat eine Hackordnung bei der Raumvergabe – im Theater Münster sogar noch auf fünf Sparten bezogen. Anders kann es auch gar nicht funktionieren. Fragt sich also: Wenn die Universität den MC für einen internationalen Kongress zwei Wochen belegen möchte, macht sie dann Platz, weil die Musikhochschule oder die Westfälische Schule für Musik Räume für Klassenvorspiele just in dieser Zeit braucht? Oder wer bekommt hier den Zuschlag: Das Sinfonieorchester für seine Probe oder das Neue-Musik-Ensemble für ein Konzert? Weitere Beispiele gäbe es zuhauf. In Erinnerung ist das Angebot des Hochschuldekans an die „Freie Szene“, die Räume der Hochschule doch in den Semesterferien zu nutzen. Keine Hierarchie? Man kann rätseln, ob Frau Wilkens das nicht besser weiß, oder wissend die „Freien“ nur hofiert, weil sie politisch gebraucht werden.

Wer ist die freie Musik-Szene eigentlich?

Die Initiative moNOkultur, versteht sich als Zusammenschluss der professionellen „Freien Kulturszene“. Die Sparte Musik ist allerdings völlig verwaist. Es gibt keine professionelle klassische Szene und damit keinen einzigen potenziellen Nutzer des MC aus diesem Musikbereich (eigentlich wohl ein Hauptadressat der Campus-Idee). Die circa 400 Bands, im Münster-Bandnetz zusammengeschlossen, bekunden seit langem ihr völliges Desinteresse am MC. Bleibt neben wenigen Einzelkünstler:innen ein Ensemble für zeitgenössische Musik, das genrebedingt große Mühe hat, überhaupt ein Publikum zu finden.

Bei den Amateuren gibt es einige Instrumentalensembles: neben den Unigruppen noch etwa eine Handvoll freier Laienorchester. Die vielen Kirchenchöre nutzen für ihre Proben und Konzerte normalerweise eigene Räume. Andere, wie der Philharmonische Chor, sind sicher an adäquaten Proben- und Konzerträumen interessiert. Allerdings kann man sich mit Blick auf die Anmietkosten bei anderen münsterschen Veranstaltungsräumen die zu erwartenden Tarife für die Räume des Musik-Campus vorstellen. Wie viele Gruppen werden das bezahlen können?

Wen vertreten die Mitglieder des „musikfachlichen Begleitgremiums“?

In der Theorie vertreten sie die Interessen der unterschiedlichen Musiksparten, bei Profis und Laien. Aber für wen sprechen sie konkret, außer für ihre eigenen Herkunftsensembles? Es wäre interessant, Namen und Zahlen zu erfahren.

Betreiberkonzept erneut vertagt – warum?

An der Erstellung eines Betriebskonzepts, eine wegen seiner Komplexität unlösbar scheinende Aufgabe, beißen sich die Vertreter:innen der Musikinstitutionen seit Jahren die Zähne aus, teils in wöchentlichen Sitzungen, bisher ohne ein einziges konkretes Ergebnis. In diesem erkennbaren Dilemma wurde vor einigen Monaten das „musikfachliche Begleitgremium“ erfunden. Die „Freien Musikakteure“ – ob Profis, ob Laien – sollen nicht nur helfen, ein inhaltliches Konzept zu erarbeiten, sondern offenbar auch bis Ende des Jahres das Nutzungskonzept für ein Projekt, das nach aktuellen Schätzungen (RUMS-Brief vom 16. Mai 2023) weit über 400 Millionen Euro kosten würde. Könnte es sein, dass der einzige politische Sinn des Begleitgremiums darin liegt, Zeit zu gewinnen, um das zu erwartende Aus für das Leuchtturmprojekt erst nach der Amtszeit von OB Lewe verkünden zu müssen? Dann wären die sich in gutem Glauben engagierenden Musikaktivist:innen nur zu Sandkastenspielen eingeladen, zeitaufwändig und interessant vielleicht, aber nutzlos.

Millionen vom Bund für den Campus?

Die berühmten 20 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Kulturinvest werden fließen, das sei geklärt. Aber: Voraussetzung für den Mittelfluss ist nach den Vergabestatuten „eine gesicherte Gesamtfinanzierung sowie ein tragfähiges Betriebs- und Nutzungskonzept“. Und: Die 20 Millionen würden höchstens 5 Prozent des Finanzbedarfs decken. Woher kommen die anderen 95 Prozent?

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