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Alphaville wehrt sich gegen Trump | Volt und die Transparenz | Neuer Umweltbericht

Guten Tag,
in dieser Woche hat es etwas aus Münster in die Weltpolitik geschafft. Die Band Alphaville, gegründet in Münster, hat dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump verboten, ihren Welthit „Forever Young“ zu nutzen. Trump hatte am Dienstag auf seiner Plattform „Truth Social“ ein KI-generiertes Video gepostet, das ihn als vierjährigen Jungen zeigt, der im Verlauf des Videos – im Hintergrund läuft der Song – älter wird.
Am Ende schaut er ernst in die Kamera. Der Band gefiel das nicht. Auf Instagram schreibt Alphaville-Sänger Marian Gold, die Band verabscheue Trumps politische Ansichten weitgehend. Das Ergebnis: Für Trump und seine Republikaner gilt künftig Alphaville-Verbot. „Wir werden dafür sorgen, dass dieser Beitrag unverzüglich aus dem Internet entfernt wird“, schreibt Gold. Bislang ist das noch nicht passiert.
Heute im RUMS-Brief:
- Wie es weiterging mit dem Profi-Radrennen für Frauen
- Münster weiter stärkster Wirtschaftsstandort im Münsterland
- Münster mehrfach im neuen Verfassungsschutzbericht des Landes
- Bundeskartellamt stimmt WN-Übernahme zu
- Flugzeug des Verteidigungsministeriums fliegt über Stadtgebiet
- Im Vergleich: Zoo in Münster teurer als viele andere
- Preußen-Stadion: Alter Flutlichtmast wurde abgebaut
- Kritik aus Münster an Entlastungspaket
- Volt streitet um Transparenz
- Klima-Update: Wachstum bremst Klimaschutz
- Ein-Satz-Zentrale: Uni baut Zentrum für Islamische Theologie aus
Die Popband steht nun auf der langen Liste von Künstler:innen, die Trump verboten haben, ihre Musik zu nutzen. Der kanadische Musiker Neil Young kritisierte Trump bereits 2015, seine Songs ohne Erlaubnis für Wahlkampfauftritte zu nutzen.
Rihanna verbot Trump, ihren Song „Don’t Stop the Music“ bei Veranstaltungen zu spielen. Es folgten Adele, Queen, ABBA und viele weitere. Der inzwischen verstorbene US-Rapper Mac Miller, der bekannt ist für seinen Song „Donald Trump“, sagte bei einem TV-Auftritt 2016, er hasse Trump. Der war damals noch Präsidentschaftskandidat.
„Forever Young“ ist ein melancholischer Song über Sterblichkeit. Es war Teil eines ersten Demos, das die Band in ihrem damaligen Studio am Dahlweg 94 aufgenommen hatte. Die Albumversion nahm die Band in Berlin auf.
Der politische Hintergrund des Stücks war der Kalte Krieg. Die USA und Russland rüsteten nuklear auf, die Spannungen drohten zu eskalieren. An einer Stelle singt Marian Gold: „Hoping for the best, but expecting the worst.“ Das Beste hoffen, aber das Schlimmste erwarten. Das war das Lebensgefühl. Dann heißt es: „Are you gonna drop the bomb or not?“ Wirst du die Bombe abwerfen – oder nicht? In einem Moment kann sich alles ändern.
Interessant ist der Hintergrund, vor dem das alles passiert. Vor knapp einer Woche drohte der US-Präsident dem Iran ebenfalls auf „Truth Social“, dass „heute Nacht eine ganze Zivilisation untergehen werde“.
Dass Trump das KI-Video nach der Aufforderung der Band löscht, ist sehr unwahrscheinlich. Das sagt der Urheberrechtsexperte Thomas Hoeren von der Uni Münster. „Natürlich kann Alphaville beim Landgericht Düsseldorf gegen die Nutzung durch Donald Trump klagen“, sagte Hoeren dem WDR. Die Band werde ziemlich sicher auch ein entsprechendes Urteil bekommen. „Aber gehen Sie damit mal in die USA. Da wird gelacht und gesagt, tja Pech gehabt.“
Das ist wahrscheinlich, aber wer weiß das schon. Im Refrain singt die Band: „We don’t have the power, but we never say never.“ (rba)
… mit dem Profi-Radrennen für Frauen
In diesem und im nächsten Jahr wird es nichts mit dem Profi-Radrennen für Frauen beim Münsterland-Giro (RUMS-Brief). Im Sommer scheitere es an verstrichenen Meldefristen und anderen bestehenden Verträgen. Im nächsten Jahr gehe es wegen der Straßenrad-Weltmeisterschaften eben nicht, schreibt die Stadt auf Anfrage. Denkbar sei es frühestens 2028. Die Stadt stehe dem Profirennen für Frauen „grundsätzlich positiv gegenüber“. Für die neuen Verträge, die für vier Jahre verhandelt werden, wolle die Stadt mit den Kreisen im Münsterland, den Sponsoren und weiteren Partnern neu verhandeln und dabei prüfen, ob ein Frauen-Profirennen organisatorisch und finanziell machbar ist, heißt es. (rhe)
+++ Im neuen Verfassungsschutzbericht des Landes taucht Münster in mehreren Kapiteln auf – zu Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus. Auch bei der Aufklärung zu Rechtsextremismus nennt der Bericht Münster: Im crossmedialen Aufklärungsprojekt „Lara: Die blonde Rebellin“ spielt die fiktive Münsteraner Gymnasiastin Lara Labun mit, um jugendaffine Propaganda zu erläutern. Im Zusammenhang mit Rechtsextremismus werden die drei Neonazi-Demonstrationen der Partei „Die Heimat“ beziehungsweise des Umfelds um den „Freundeskreis Siegfried Borchardt“ in Münster im Mai, Juli (RUMS-Brief) und September 2025, bei denen unter anderem der Neonazi Sven Skoda auftrat und rassistische Parolen fielen, genannt. Auch die Gegenproteste am 13. September 2025 mit rund 600 Menschen werden erwähnt. Zum Linksextremismus führt der Bericht Konflikte in der Linksjugend „[’solid]“ Münster an, die in einem Social-Media-Beitrag im September 2025 gegen „zionistische Positionen“ in der Partei „Die Linke“ polemisiert habe, sowie die Gruppe „Aufbruch Münster“ als Teil der „Roten Jugend Deutschland“, die sich an pro-palästinensischen Demonstrationen beteilige, sich mit Samidoun solidarisiere und Israel als Kolonialstaat bezeichne. Beim Islamismus nennt der Bericht zudem das frühere Imam-Mahdi-Zentrum in Münster, also den verbotenen Verein Fatime-Versammlung, als früher besonders aktive Struktur im Hizb-Allah-Umfeld in NRW sowie Einflüsse der Muslimbruderschaft in der Ar-Rahman-Moschee in Münster, die vom Islamischen Kulturzentrum in Münster betrieben wird. (rhe)
+++ Das Bundeskartellamt hat der Übernahme der „Westfälischen Nachrichten“ durch die „Rheinische Post“ zugestimmt. Das teilte die Behörde gestern mit. Damit steht jetzt auch ganz offiziell fest, was vor gut einem Monat öffentlich wurde: Die Zentrale des Zeitungshauses ist nicht mehr in Münster, sondern im Rheinland. Was das für die Inhalte der Zeitung bedeutet, lesen Sie in diesem RUMS-Brief. (ani)
+++ Am Mittwoch ist über Münster ein offenbar sehr lautes und auffälliges Flugzeug gekreist. Ein RUMS-Leser, der sich darüber wunderte, schickte uns einen Screenshot. Im Internet findet man ja alles, unter anderem auch Grafiken, die zeigen, welche Flugzeuge in der Luft unterwegs sind. Das Luftfahrtamt der Bundeswehr hat uns auf Anfrage bestätigt, dass gegen 13 Uhr ein Airbus A319 der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums aus Köln über dem Stadtgebiet unterwegs war. Nach Angaben eines Sprechers handelte es sich um einen Wartungsflug, bei dem Kalibrierungen durchgeführt wurden, also irgendeine Form von Einstellungen. Die Maschine sei dabei in Höhen zwischen rund 1.280 und 3.048 Metern über Grund mit durchschnittlich etwa 500 Stundenkilometern geflogen. Warum der Flug über Münster stattfand – Zufall? –, verriet die Behörde nicht. (rhe)
+++ Münsters Zoo gehört bei den Eintrittspreisen für Erwachsene nach einer WDR-Auswertung zu den teureren Zoos in der Gegend: Ein Tagesticket kostet an der Kasse 27,90 Euro, online 23,90 Euro. Damit liegt Münster preislich über Städten wie Duisburg und Wuppertal, aber noch unter dem Kölner Zoo, dem in Arnheim und dem in Kerkrade. Auffällig ist laut WDR: Der Online-Rabatt fällt in Münster mit vier Euro zwar spürbar aus, ist aber kleiner als in Köln, wo zwischen Kassen- und günstigstem Onlinepreis sieben Euro liegen. Im regionalen Vergleich positioniert sich Münsters Zoo damit im oberen Preissegment. Oder wie man in der Lokalpolitik sagt: Münster-Standard. (rhe)
+++ Am Preußen-Stadion ist heute der erste alte Flutlichtmast abgebaut worden, meldet die Stadt. Künftig reicht die LED-Beleuchtung am Stadion aus, um im Dunkeln spielen zu können. In der frei werdenden Stadionecke entsteht ein Gebäude für die Geschäftsstelle und eine Kita. Und ebenfalls aktuell: Für das Auswärtsspiel am Sonntag um 13:30 Uhr auf Schalke ist der Gästeblock mit 6.175 Tickets ausverkauft, schreibt der Verein. Verfolgen können Sie das Spiel wie immer beim Bezahldienst „Sky“ oder, falls Sie kein Abo haben, für knapp 5 Euro in der „One Football“-App – sowie im ARD-Audiostream, beim Fanradio Mottekstrehle oder im Liveticker auf der Vereinswebsite. (rhe)
+++ Am so genannten Entlastungspaket der Bundesregierung gibt es in Münster Kritik von mehreren Seiten. Die Grünen nennen das Paket in einer Pressemitteilung „teuer, sozial unausgewogen und klimapolitisch den falschen Weg“ und kritisieren vor allem, dass viele Menschen leer ausgingen, während Mineralölkonzerne profitierten. Die Partei fordert direkte Auszahlungen, eine niedrigere Stromsteuer, ein neues 9-Euro-Ticket und ein Tempolimit. Die Handwerkskammer warnt in einer Pressemitteilung, die geplante Entlastungsprämie überfordere viele Betriebe: In einer Blitzumfrage der Kammer unter 1.536 Arbeitgebern gaben 51 Prozent an, die Prämie nicht zahlen zu wollen, weitere 36 Prozent sind unentschlossen. Auch die Industrie- und Handelskammer äußert sich skeptisch und fordert einen steuerlichen Ausgleich, weil viele Unternehmen die 1.000-Euro-Prämie nach Jahren der Konjunkturflaute und angesichts hoher Kosten nicht schultern könnten. (rhe)
+++ Münster ist innerhalb des Münsterlands weiter der mit Abstand stärkste Wirtschaftsstandort: Nach dem neuen Regionalprofil des Landesförderinstituts NRW-Bank lag das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner im Jahr 2023 in Münster bei 66.900 Euro und damit deutlich über dem NRW-Durchschnitt von 46.900 Euro. Die Zahlen zeigen ebenfalls: Münster ist weiter das Dienstleistungszentrum der Region. 88 Prozent der Wertschöpfung, also Geld, Jobs und Aufträge vor Ort, entfallen auf diesen Sektor; einen höheren Anteil erreicht in Nordrhein-Westfalen nur Bonn. Auffällig ist außerdem, dass die Menschen in der Stadt vergleichsweise jung sind. Das Durchschnittsalter liegt in Münster bei knapp 42 Jahren und ist damit das niedrigste in ganz NRW. Bei der Bildung ragt Münster ebenfalls heraus: Im Jahr 2024 machte fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler in Münster Abitur. Nirgendwo in NRW war der Anteil höher. (rhe)
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Was heißt Transparenz?
Ein Streit um einen Job in der Fraktion beschäftigt die Partei Volt seit Monaten. Es geht längst um sehr viel mehr.
Anfang der Woche erschien in den „Westfälischen Nachrichten“ ein Leserbrief der Volt-Politikerin Miriam Stölting. Darin kritisiert sie, dass der seit Januar schwelende Streit in ihrer Partei weder öffentlich noch parteiintern aufgearbeitet worden sei. Auf RUMS-Anfrage sagt sie, die Vorkommnisse hätten dazu beigetragen, dass sie im vergangenen Jahr aus dem Parteivorstand zurückgetreten sei.
Der Auslöser des Konflikts war eine unspektakulär wirkende Personalie (RUMS-Brief). Die Ratsgruppe hatte Markus Goldbeck eingestellt, den Ehemann von Ratsfrau Helene Goldbeck. In der Partei wurde das kritisiert. Die Einstellung sei nicht ausreichend transparent gemacht worden, hieß es. Es war die Rede von Vetternwirtschaft.
Öffentlich wurde der Streit, als der frühere Landtagsabgeordnete Rüdiger Sagel sein kurzes Gastspiel bei Volt beendete und dazu ein Statement veröffentlichte, in dem er Vorwürfe formulierte.
Die Partei reagierte mit einer Erklärung, in der sie Antworten auf fünf selbst gestellte Fragen gab. Doch wichtige Fragen blieben offen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Für eine Partei, die Integrität und Transparenz zu ihrem Markenkern gemacht hat, ist das heikel.
„Integrität bedeutet, das Richtige zu tun, auch wenn niemand hinschaut“, heißt es in einem Parteidokument, das sich ausschließlich mit diesem Thema befasst. Volt will es anders machen als andere Parteien. Das ist das Versprechen. Die Frage ist: Gilt dieser Anspruch immer – auch dann, wenn es für die Partei ungemütlich wird?
Ein Glücksfall?
Als wir Helene Goldbeck im Januar mit den Vorwürfen konfrontierten, widersprach sie den Vorwürfen vehement. Was sie erzählte, klang nicht nach Vetternwirtschaft, eher nach einer glücklichen Fügung am Ende des vergeblichen Versuchs, einen vakanten Posten zu besetzen.
Monatelang sei die Ratsgruppe überlastet gewesen. Auf die Ausschreibung habe es nur eine einzige Bewerbung gegeben. Die sei dann auch noch zurückgezogen worden. Schließlich sei ihr Mann eingesprungen – und das, obwohl er in seinem vorherigen Job mehr verdient habe. Es klang wie ein Glücksfall.
Als Reaktion auf die Berichterstattung hieß es vereinzelt, die Aussagen von Goldbeck seien Schutzbehauptungen. Die Kritiker:innen forderten Beweise und mehr Informationen.
Wie und wo war die Stelle ausgeschrieben worden? Welche Rolle hatte Markus Goldbeck vor seiner Anstellung gehabt? Wenn er bei Volt deutlich weniger Geld verdiente, um wie viel Geld ging es denn eigentlich? Und wie wurde das alles in der Partei besprochen?
Fragen wie diese sind bei Volt wichtiger als in anderen Parteien. In einem sogenannten Integritätsdokument, das zentrale Grundsätze formuliert, heißt es, eine Kultur der Transparenz solle gefördert werden. Im Kommunalwahlprogramm aus dem vergangenen Jahr steht der Satz: „Mit mehr Transparenz stärken wir das Vertrauen in unsere Stadt.“ Die Ratsfraktion veröffentlicht in einem Transparenzregister ihre Ausgaben online, seit Anfang des Jahres sogar mit wem sich die Ratsfrauen und -herren treffen.
Genau diese Transparenz habe bei der Einstellung von Markus Goldbeck gefehlt, hieß es nun aus der Partei. Dabei gehe es gar nicht um seine Person und die Frage, ob Goldbeck die richtige Besetzung für die Stelle gewesen sei. Es gehe um den Vorgang selbst.
In ihrem Leserbrief schreibt Miriam Stölting, sie setze sich für eine parteiinterne Aufarbeitung ein, für die Einführung eines umfangreichen Transparenzregisters und sie unterstütze eine gesunde Fehlerkultur.
Was gehört in die Öffentlichkeit?
Die aktuellen Stadtvorstände Marian Leifeld und Dorothee Höpfner sehen das etwas anders. Sie schreiben auf RUMS-Anfrage: „Unterschiedliche Einschätzungen bei politischen Entscheidungen können üblich und Teil einer innerparteilichen Diskussion sein.“
Unterstützung bekommen sie von weiter oben. Der Landesverband sieht keine Regelverletzungen, weder parteiintern noch anderswo. Der Verband bestätigt, dass Markus Goldbeck eingesprungen sei. „Die Ratsgruppe hat ein Bewerbungsverfahren durchgeführt, das kurzfristig keinen Erfolg hatte. Die schließlich ausgewählte Person war fachlich qualifiziert und verfügte über einschlägige mehrjährige Berufserfahrung. Damit wurden die parteiinternen Regeln erfüllt“, schreibt der Verband. Einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten habe man nicht erkennen können.
Maren Berkenheide, die Vorsitzende der Ratsfraktion, sagt, man habe alle Informationen zur Verfügung gestellt – jedenfalls alle, die man weitergeben könne. Zu internen Abstimmungs- und Kommunikationsprozessen äußere man sich grundsätzlich nicht. In anderen Worten: Aus ihrer Sicht ist das Thema durch.
Aber was gehört in die Öffentlichkeit? Und vor allem: in welche? Reicht es aus, wenn die Partei diese Dinge intern klärt? Oder hat auch die Medienöffentlichkeit Anspruch darauf, zu erfahren, wie Parteien ihre Posten besetzen. Sind interne Diskussionen dafür relevant? Und in welchem Maße?
Mehrere Parteimitglieder haben der Fraktion einen Katalog mit etwa 35 Fragen geschickt. Das Dokument ist uns anonym übermittelt worden. Auch hier geht es vor allem um ein Thema: Transparenz.
Die Fragen beschäftigen sich mit Details des Einstellungsprozesses, mit der konkreten Tätigkeit, Finanzen und mit dem Transparenzregister. Vor allem aber geht es um Kommunikation: also um die Frage, was die Fraktion wann, wie und gegenüber wem erklärt hat – oder eben nicht.
Zu der Frage, ob der Katalog bei ihr eingegangen ist, äußert sich die Fraktion nicht. Andere aus der Partei antworten schon. Die ehemaligen Stadtvorstände Markus Wilhelm und Annika Robohm, die ihr Amt bis Anfang des Jahres innehatten, schreiben auf Anfrage: „Ja. Dieser Fragenkatalog wurde von einigen wenigen Parteimitgliedern ausgearbeitet und liegt der Fraktion mit der Bitte um Beantwortung vor.“
Nach unseren Informationen ist die Fraktion der Bitte bislang nicht nachgekommen. So könnte aus dem Versuch, ein kleines Feuer zu ersticken, ein deutlich größerer Schwelbrand werden.
Es bleiben Fragen
In dem Konflikt geht es längst um mehr als nur um Markus Goldbecks Anstellung. Es ist wie so oft: Der Auslöser rückt in den Hintergrund. Der unglückliche Umgang mit Vorwürfen wird zum eigentlichen Problem.
Manche Parteimitglieder finden, es sei alles erklärt und transparent gemacht worden. Volt-Stadtvorstand Marian Leifeld sagt etwa: „Ich bin der Auffassung, dass innerhalb der Partei bereits etablierte und funktionierende Transparenz- und Abstimmungsverfahren bestehen.“
Eine kleinere Gruppe sieht das anders. Sie wünscht sich intern mehr Transparenz.
Aber wer entscheidet, wann Transparenz hergestellt ist? Diejenigen, die Fragen haben – oder diejenigen, von denen Auskunft verlangt wird? Und warum ist in einer Partei, für die Transparenz eine so große Bedeutung hat, nicht ganz klar, was Transparenz überhaupt heißt?
Es könnte daran liegen, dass Transparenzfragen sich nicht immer eindeutig beantworten lassen. Für Streitfälle gibt es bei Volt ein Team, das Konflikte lösen soll, ein sogenanntes Integritätsteam.
Die Autor:innen des Fragebogens haben sich im vergangenen Herbst an das Team gewandt. Das bestätigen die früheren Stadtvorstände Robohm und Wilhelm.
Ob es dabei um die Anstellung von Markus Goldbeck ging, ist nicht klar. Auch die aktuellen Stadtvorstände Leifeld und Höpfner antworten auf mehrfache Nachfragen nicht. Markus Wilhelm sagt, er wisse es nicht.
Eine Ebene höher weiß man es, möchte aber keine Details nennen. Derzeit laufe ein solches Integrity-Verfahren in Münster, bestätigt der Landesverband. In so einem Verfahren gehe es allerdings nicht um Regelverletzungen, sondern darum, gut zusammenarbeiten zu können. Mehr will der Verband dazu nicht sagen. Damit so ein Verfahren erfolgreich sei, brauche es einen vertrauensvollen und geschützten Rahmen.
Fragen bleiben dennoch. Der Landesverband sagt, bei der Einstellung von Markus Goldbeck seien keine parteiinternen Regeln verletzt worden. Aber wenn das so ist, warum hat die Fraktion den Vorgang nicht schon damals selbst öffentlich gemacht und erklärt?
Das hätte den späteren Vorwurf der Vetternwirtschaft zumindest erschwert. Und warum hat sie den internen Fragenkatalog nicht beantwortet? Das alles ist nicht so ganz klar. Es ist – so viel kann man feststellen – nicht transparent. (rba)
+++ Münster kommt beim Klimaschutz und bei der Mobilitätswende voran, kämpft aber weiter mit den ökologischen Schattenseiten des Wachstums – das ist die zentrale Botschaft der neuen Umweltdaten für die Jahre 2023 und 2024, die am Donnerstag als Bericht erschienen sind. Die Stadt verweist darin auf eine Pro-Kopf-Reduktion der CO₂-Emissionen um knapp 50 Prozent gegenüber 1990, dass in Münster weiterhin viele Menschen zu Fuß, mit dem Rad und mit Bus und Bahn unterwegs sind sowie auf inzwischen etwa 10.000 Elektroautos; auch bei der Abwasserreinigung und durch die neue Baumschutzsatzung sieht die Verwaltung Fortschritte. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass sich zentrale Probleme nur langsam oder gar nicht lösen: Die Kiebitz-Population bleibt auf niedrigem Niveau stabil, bei der Flächenentwicklung sind belastbare Aussagen wegen geänderter Datengrundlagen weiter kaum möglich, und beim Lärmschutz geht es kaum voran, weil das Geld fehlt. (rhe)
+++ Die Stadtwerke Münster zeigen in ihrem ersten Nachhaltigkeitsbericht, wie sie die Energie-, Wärme- und Verkehrswende in der Stadt vorantreiben wollen – machen aber auch deutlich, wie stark ihr Geschäft noch an fossilen Strukturen hängt. Als zentrale Projekte nennen sie den Ausbau von Wind- und Solarenergie, mehr erneuerbare Wärme, den Glasfaserausbau und die vollständige Elektrifizierung der eigenen Busflotte bis zum Jahr 2029. Gleichzeitig verweisen die Daten darauf, dass 2024 noch etwa die Hälfte (52 Prozent) des Energieverbrauchs aus fossilen Quellen stammte und die größten Treibhausgasemissionen weiter mit Erdgas, Wärmeerzeugung und dem Energieverbrauch der Kundinnen und Kunden zusammenhängen. (rhe)

Anonymer Briefkasten
Haben Sie eine Information für uns, von der Sie denken, sie sollte öffentlich werden? Und möchten Sie, dass sich nicht zurückverfolgen lässt, woher die Information stammt? Dann nutzen Sie unseren anonymen Briefkasten. Sie können uns über diesen Weg auch anonym Fotos oder Dokumente schicken.
+++ Im RUMS-Brief am Dienstag schrieben wir in der Meldung über Preußen Münster über Relegationsplatz 15. Den gibt’s leider gar nicht. Richtig ist Relegationsplatz 16. Ist korrigiert.
Einladung zur RUMS-Veranstaltung

Diesen Sonntag, 26. April, ist Klaus Brinkbäumer unser Gast, liest Passagen aus seinem neuen Buch „Der amerikanische Albtraum“ und spricht mit RUMS-Redaktionsleiter Ralf Heimann über die politische Lage in den USA, über den Umbau der amerikanischen Demokratie – und darüber, was diese Entwicklung auch für Europa bedeutet.
Es gibt nur noch etwa 20 Tickets – wir freuen uns, wenn Sie auch dabei sind! Eintritt 25 Euro, mehr Infos und Tickets gibt es hier!
+++ Um ihr bisheriges Zentrum für Islamische Theologie auszubauen, richtet die Uni Münster ab dem Sommersemester eine neue Fakultät ein. (WDR)
+++ Nach dem Tod der Orang-Utan-Dame Temmy in Münster fordern Tierschützer ein Ende der Menschenaffenhaltung, während der Zoo die Haltung verteidigt. (WDR)
+++ Zum 30. Geburtstag der Sendung „Zimmer frei!“ plant der WDR zwar kein Comeback, aber ein 90-minütiges TV-Special mit Christine Westermann und Götz Alsmann. (DWDL)
+++ Der Baumpflege-Experte Vinzenz Winter warnt davor, dass der Plan, am Schulzentrum 24 Bäume für 400.000 Euro zu versetzen, scheitern könnte. (Westfälische Nachrichten)
+++ Weil ein Projektor ausgetauscht werden muss, bleibt das Planetarium ab Dienstag für drei Wochen bis zum 14. Mai geschlossen. (Naturkundemuseum)
+++ Das Museum für Kunst und Kultur am Domplatz zeigt zwei neue unglaublich lange Gemälde von Gerhard Richter, die bislang in einer Schule in Soest gehangen haben. (Landschaftsverband)
+++ Vor dem Landgericht Münster hat ein Prozess gegen einen 46-Jährigen begonnen, der Kinder im Internet sexuell missbraucht haben soll. (WDR)
+++ Am Samstag demonstrieren Psychotherapeut:innen in Münster gegen Honorarkürzungen. (Aktionsbündnis Psychotherapie Münster)
+++ Im Münsterland hat die Zecken-Saison wegen milder Temperaturen dieses Jahr ungewöhnlich früh begonnen. (WDR)
+++ Am Albersloher Weg hat die Stadt den Grundstein für das neue Stadthaus 4 gelegt, das 2028 fertig sein soll. (Stadt Münster)
Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Herzliche Grüße
Raphael Balke
Mitarbeit: Ralf Heimann (rhe), Anna Niere (ani), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth
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PS
Manche Dinge ändern sich nie: Schon 1991 hieß es in einer Doku der Stadt, dass es in Münster mehr Fahrräder als Einwohner gibt. Auch heute ist das häufig das erste, das ich außerhalb über Münster höre. Falls Sie gerne in Erinnerung schwelgen, schauen Sie doch mal in die Doku rein, die im Herbst als „Filmschatz“ des LWL auf YouTube veröffentlicht wurde. Sie greift die Stadtplanung der 80er-Jahre auf und erklärt, wie Radfahrer:innen in Münster durch die Stadt geleitet werden. Kurios, was damals als Neuheit galt, heute aber ganz normal ist: „Gute Erfahrungen hat man in Münster mit eigenen Radfahrspuren gemacht“, sagt der Sprecher in ernstem Ton. Die Doku ist nicht nur eine historische, sondern auch eine musikalische Zeitreise – inklusive kultiger 80s-Synth-Musik. Passt doch eigentlich sehr gut zum Einstieg in diesen Brief…
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