„Reden wir über Kinderhaus“: Warum wir in die Stadtteile gehen

Portrait Raphael Balke neu
von Raphael Balke

Guten Tag,

der Lokaljournalismus schreibt darüber, was vor Ihrer Haustür los ist. Er liefert das, was überregionale Zeitungen nicht liefern können. Bei RUMS nehmen wir uns zusätzlich die Zeit, um vor Ort ganz genau hinzuschauen. Dabei spüren wir Geschichten auf, die man leicht übersehen könnte und die nur Stück für Stück sichtbar werden, wenn man anfängt zu graben. Dazu gehörten zuletzt beispielsweise die Recherche meines Kollegen Sebastian Fobbe zum Verfall der Immobilien in der Kinderhauser Schleife oder der Text meiner Kollegin Anna Niere, darüber, wie alte Menschen in einer Seniorenresidenz abgezockt werden.

Jede Entscheidung für eine Geschichte, die wir recherchieren, ist zugleich eine Entscheidung gegen eine andere. Der Kompromiss: Wir kümmern uns intensiver um Themen, dafür allerdings um weniger. Als Leitfaden dient uns die Frage, was für Sie wirklich relevant ist und über welche unverzichtbaren Themen Sie in der Stadt Bescheid wissen müssen.

Für diese Arbeit sind wir mehrfach mit Journalistenpreisen ausgezeichnet worden. Vor einigen Tagen hat uns eine Leserin geschrieben, eine unserer Reportagen sei Lokaljournalismus auf dem Niveau der „Süddeutschen Zeitung“.

Und unsere Autorinnen Anna Niere, Sebastian Fobbe und Bjarne Overkott sind für ihre Arbeit beim Journalistenpreis der Verbraucherzentrale NRW nominiert.

All das hat uns sehr gefreut, denn genau das, Lokaljournalismus auf hohem Niveau, ist unser Ziel.

Ein Abend nur für den Stadtteil

Wir schreiben über Themen, die für ganz Münster interessant sind. Daher kommen spezielle Stadtteil-Themen seltener vor.

Detailliert über die einzelnen Stadtteile zu berichten, ist sehr zeitintensiv. Man muss gut vernetzt sein, um zu erfahren, was los ist. Bei klassischen Lokalzeitungen gibt es häufig eine Person, die sich nur um einen Stadtteil kümmert. Denn je lokaler es in der Berichterstattung wird, desto weniger institutionalisiert ist die Pressearbeit. Bereits auf Stadtebene muss man Menschen kennen, um zu recherchieren.

Eine Ebene tiefer, auf Ebene der Stadtteile sogar noch mehr. Wir sind darauf angewiesen, dass Menschen mit uns sprechen und uns Informationen anvertrauen, weil sie wissen, bei uns sind diese Informationen sicher. Das war beispielsweise bei der Recherche zur DKV-Residenz so. Damit wir berichten können, müssen wir also Kontakte und Vertrauen aufbauen. Denn einer Person, die man nicht kennt, erzählt man auch nichts. Und ohne Vertrauen können Redaktionen nicht arbeiten.

In diesem Herbst tun wir deshalb zwei Dinge: Wir sprechen über Münsters Stadtteile und suchen den Kontakt zu Menschen. Dafür widmen wir drei unterschiedlichen Stadtteilen in Münster je einen Abend. Allerdings nicht als Newsletter, sondern als kostenlose Veranstaltung. Denn: Vertrauen entsteht auch durch Nähe und Gespräche. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltungsreihe stehen Kinderhaus, Coerde und Angelmodde und die Menschen, die dort leben: Was macht die Stadtteile aus? Welche Geschichten zeigen, was gut läuft? Und welche Themen beschäftigen die Bewohner? Wie immer bei RUMS, haben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, deshalb sprechen wir auf der Bühne über jeweils drei bis vier Themen, die uns in der Vorbereitung besonders bewegt haben und wichtig erscheinen.

Die Veranstaltungsreihe wird im Rahmen der Initiative „Medien in NRW für Demokratie und Zusammenhalt“ von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen gefördert. Auch deshalb ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen der Reihe frei.

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Diskussionen auf Augenhöhe

In der kommenden Woche geht’s schon los. Wir starten in Kinderhaus.

Fünf Gäste sitzen am 11. September, ab 19 Uhr, nacheinander mit mir auf der Bühne im Schulzentrum Kinderhaus und sprechen über den Zusammenhalt im Stadtteil, über den Umgang mit dem Müll oder über den Verfall der Schleife. Während der Gespräche haben die Zuschauer immer wieder die Möglichkeit, sich mit Abstimmungen zu beteiligen.

Zu Beginn dieses Briefs habe ich erklärt, dass wir den Stadtteilen mit diesen Veranstaltungen mehr Raum geben möchten. Doch es gibt noch einen anderen Grund. Wir möchten Menschen anregen, mehr miteinander, statt übereinander zu sprechen und sich über ihre Lebensrealitäten auszutauschen. Und dazu zählen eben vor allem die Themen, die vor der eigenen Haustür geschehen und einen direkten und sichtbaren Einfluss auf das eigene Leben haben. Wir finden: Diese Diskussionen sollten nicht digital in Social Media Gruppen – schlimmstenfalls ohne Klarnamen und ohne Gewissen – sondern persönlich vor Ort respektvoll und auf Augenhöhe stattfinden. Deshalb sind die kommenden drei Veranstaltungen kostenlos. Jeder, der Lust hat, soll dabei sein können. Und deshalb bauen wir nach dem Programm Stehtische vor der Bühne auf, damit die Zuschauer mit unseren Gästen oder untereinander über alles diskutieren können, was auf der Bühne gesagt wurde. Darum nennen wir die Veranstaltung auch „Reden wir über Kinderhaus.“

Unsere Gäste

Mit auf der Bühne dabei ist RUMS-Autor Sebastian Fobbe. Er hat recherchiert, warum Wohnungen in den Hochhäusern der Schleife verfallen, obwohl die Mieten weitergezahlt werden. Sechs Monate hat er daran gearbeitet, entstanden sind fünf Texte über ein zweifelhaftes Geschäftsmodell mit dem Verfall und die ungewisse Zukunft von fast 700 Wohnungen. Er spricht über seine wichtigsten Erkenntnisse, die Folgen für die Mieterinnen und Mieter – und darüber, wie investigative Recherchen entstehen.

Zu Gast ist auch der Rapper und Sänger Makani. Er gewann vor zwei Jahren den Wettbewerb „Voice of Münsterland“. Mit seiner Mischung aus Rap und R&B erreicht er auf Instagram und TikTok mehr als 100.000 Menschen. Er spricht darüber, wie das Aufwachsen in Kinderhaus seine Musik geprägt hat, was er mit dem Stadtteil verbindet und vor welchen Herausforderungen er als junger Musiker aus Münster steht.

Mit Bezirksbürgermeister Ralf Kiewit reden wir über den illegal abgeladenen Müll im Stadtteil und was eine neu gegründete Taskforce gegen das Problem unternehmen soll. Dabei geht es auch um grundsätzliche Fragen: Wer trägt Verantwortung für den öffentlichen Raum? Was müssen Politik und Verwaltung tun und welchen Beitrag können Nachbarschaft und gesellschaftlicher Zusammenhalt leisten?

Und wir sprechen über den Verein Westfalia Kinderhaus, der sich seit Jahren für den Mädchen- und Frauenfußball engagiert. Mehr als 300 Spielerinnen trainieren dort in 17 Mannschaften. Damit gehört die Abteilung zu den größten ihrer Art in Deutschland. Geschäftsführerin Cora Weers und Kapitänin Lia-Malin Große erklären, warum die Jugendarbeit in Kinderhaus wichtig ist, welche Rolle der Verein für Mädchen und junge Frauen spielt und wie Fußball ganz unterschiedliche Menschen in Kinderhaus zusammenbringt.

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Haben Sie Lust, in Kinderhaus mit dabei zu sein? Am 11. September, einem Freitag, im Schulzentrum Kinderhaus? Wir freuen uns, wenn Sie sich hier kostenlos anmelden. Dann haben Sie Ihren Platz sicher – und wir können besser planen.

Die nächste Veranstaltung findet dann in Coerde statt, am 7. Oktober, ab 19 Uhr im Begegnungszentrum Meerwiese. Dort sprechen wir unter anderem darüber, womit die Bewohner zufrieden sind in Coerde und worum sie sich sorgen. Wir reden über die Herausforderungen, mit denen Kinder in Coerde aufwachsen und wir sprechen mit Pinto Jörling, der über das Boxen einen Weg aus der Drogensucht gefunden hat.

Als Letztes planen wir im November dann eine Veranstaltung in Angelmodde/Gremmendorf. Dafür sind wir aktuell noch auf der Suche nach einem passenden Raum und Themen. Wenn Sie uns eines oder direkt beides vorschlagen wollen, melden Sie sich per E-Mail an raphael.balke@rums.ms.

Herzliche Grüße
Raphael Balke

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