Theater Titanick auf Kollisionskurs | Werden wir bald von Robotern operiert? | Preußen und Lorenz einigen sich

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von Anna Niere

Guten Tag,

der Transatlantik-Dampfer Titanic ist 1912 auf See mit einem Eisberg kollidiert und untergegangen. Ein ähnliches Szenario könnte gerade dem Münsteraner Theater Titanick bevorstehen – zumindest prophezeit es der Mitbegründer Uwe Köhler. Dem WDR sagte er: „Unsere Titanick hat bildlich gesprochen den Eisberg getroffen.“

Hinter dieser dramatischen Prophezeiung Köhlers stecken nüchterne Zahlen. Das Open-Air-Theater bekommt für die kommenden zwei Jahre weniger Geld von der Stadt als bisher. Über die letzten fünf Jahre wurde das Theater Titanick stets mit rund 100.000 Euro und mehr gefördert. Für 2027 und 2028 sollen es pro Jahr etwas mehr als 60.000 Euro sein.

Uwe Köhler und seine Kolleg:innen sehen das als Kürzung, denn für das Theater heißt das: Sie haben nur noch rund halb so viel Geld zur Verfügung wie bisher. In diesem Jahr bekommt Titanick noch 115.000 Euro.

Auch vom Land bekommt das Theater Gelder: 40.000 Euro für Projekte in den kommenden drei Jahren, so Köhler. Das stand im Sommer vergangenen Jahres zuerst auch auf der Kippe (RUMS-Brief). Wo liegt also der Haken?

„Das Geld von der Stadt ist ein Betriebskostenzuschuss, ohne den wir Infrastruktur, Mieten und Co. nicht finanzieren können“, erklärt Uwe Köhler auf RUMS-Anfrage. Es drohe die Insolvenz. Rein aus Spenden könne die Differenz nicht gezahlt werden. Zudem stehe die Beschäftigung von 30 der 50 freien Mitarbeitenden am Theater Titanick auf der Kippe.

Insgesamt 13 Anträge hatte die Stadt von Kulturstätten bekommen, sieben konnten laut den Grünen teils abgeändert umgesetzt werden – darunter zum Beispiel die Filmwerkstatt oder das Cuba. Das Theater Titanick sieht sich trotzdem benachteiligt. „Keine Gruppe ist so existenziell betroffen wie wir“, sagt Köhler.

Die Grünen, die mit der Ratskoalition die Fördersummen angesetzt haben, weisen den Vorwurf zurück, Titanick ausbluten zu lassen. Kulturpolitikerin Christine Schulz betont, ihre Fraktion schätze die Arbeit des Theaters sehr und habe sich für eine Fortführung der Förderung eingesetzt.

Nach der bisherigen Planung wäre die Förderung Ende 2026 komplett ausgelaufen, sagt Schulz. Die Koalition stelle nun sicher, dass Titanick auch 2027 und 2028 weiter Geld aus dem städtischen Haushalt erhält. Man müsse die Entscheidung im Kontext der gesamten Kulturlandschaft sehen. Andere Einrichtungen hätten ebenfalls weniger Geld bekommen als beantragt, einige nur deutlich reduzierte Summen. Der Zuschuss für Titanick sei zudem höher als der Betrag, den das Ensemble an seinem zweiten Standort Leipzig beantragt habe.

Dass Titanick fehlende Planungssicherheit beklagt, liegt dem System zugrunde. Der Zuschuss für Titanick ist nicht fest eingeplant im Haushalt, sondern eben eine zusätzliche Förderung. Die Gruppen und Einrichtungen stellen jedes Jahr Anträge – und die Politik entscheidet anschließend, wer wie viel bekommt. In diesem Fall wurde aufgrund des Doppelhaushalts bis 2028 vorgeplant.

Im September soll in Münster die neue Open-Air-Produktion „Expired“ Premiere feiern – ein Stück über das Älterwerden und die begrenzte „Restlaufzeit“ des Lebens. Außerdem beteiligt sich Titanick an Aktionen im Rahmen der NRW-Tage Ende August. Ob solche Projekte künftig noch möglich sind, ist jetzt offen.

Die Entscheidung ist auch politisch noch nicht endgültig. Am Dienstag beschäftigt sich der Kulturausschuss mit dem Vorschlag der Koalition zu den Zuschüssen, am 18. März folgt der Finanzausschuss und dann muss der Rat es Ende März noch einmal abnicken. Das Theater Titanick plant für Dienstag eine Demo vor dem Rathaus, parallel zum Kulturausschuss mit der Hoffnung, dass die Politik für das Open-Air-Theater doch noch mehr Fördergeld bereitstellt. (ani)

Kurz und Klein

+++ Der SC Preußen Münster und sein ehemaliger Kapitän Marc Lorenz haben sich einen Tag vor der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Münster geeinigt. Im vergangenen August hatte Preußen dem Mittelfeldspieler fristlos gekündigt, nachdem es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Spendengeldern gegeben habe, schrieb der Verein damals. Lorenz hatte zugegeben, Spendengelder nicht rechtzeitig abgerechnet zu haben und erklärte dies mit einer psychischen Erkrankung. Gegen seine Kündigung klagte Lorenz. Zur Einigung sagte Lorenz: „Ich habe Fehler gemacht und Menschen enttäuscht, was ich zutiefst bereue.“ Es sei ihm eine Zeit lang aus seiner Situation heraus schwergefallen, Hilfsangebote anzunehmen. Weiter erklären wollten beide Parteien die Situation nicht. (rba)

+++ Zum 80. Geburtstag des Landes Nordrhein-Westfalen findet in Münster vom 28. bis 30. August der NRW-Tag statt. Jetzt hat die Stadt Themenschwerpunkte und die dazugehörigen Orte festgelegt, die sich rund um die Altstadt konzentrieren. Unter anderem gibt es am Aasee den Schwerpunkt Klimastadt, an der Universitätsstraße den Schwerpunkt Wissenschaft und an der Salzstraße das Stadtfest „Münster Mittendrin“. Insgesamt möchte die Stadt zwölf Bühnen an den Themenmeilen aufbauen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte, dass Münster der perfekte Ort für das Fest sei: „Traditionsbewusst, lebenswert und liebenswürdig.“ Den kompletten Überblick über die einzelnen Themenmeilen finden Sie hier. (rba)

+++ Weil ein Gericht die unterschiedlichen Hebesätze für Wohn- und Gewerbegrundstücke in Nordrhein-Westfalen für rechtswidrig hält, will die Stadt Münster ihre Grundsteuer-Satzung ändern und ab 2026 wieder einen einheitlichen Hebesatz von 492 Prozent einführen, berichten die „Westfälischen Nachrichten“. Für viele Eigentümer und Mieter von Wohnimmobilien dürfte das demnach spürbare Mehrkosten bedeuten, weil bislang für Wohngrundstücke ein günstigerer Satz von 410 Prozent galt, während Gewerbe- und unbebaute Grundstücke mit 620 Prozent belastet wurden. Die Stadt will damit mögliche Steuerausfälle durch Einsprüche und Klagen vermeiden. Die FDP im Rat kritisiert Grüne, SPD und CDU in einer Pressemitteilung scharf. Die Stadt habe sich trotz früher Warnungen bewusst in rechtliche und finanzielle Unsicherheit begeben, sagte Fraktionschef Jörg Berens. Die Stadt habe ebenso wie kommunale Spitzenverbände schon damals vor zwei unterschiedlichen Hebesätzen gewarnt. (rhe)

+++ Das Bistum Münster baut seine Kita-Verwaltung um. Ab dem 1. August wird es dafür eine neue Dachgesellschaft geben, meldet die Pressestelle. Bis September 2026 sollen drei regionale Kita-Gesellschaften entstehen: „Willibrord Kitas“ für den Niederrhein, „Liudger Kitas“ für das Westmünsterland und „Ida Kitas“ für das östliche Münsterland. Das Bistum will die Verwaltung der Kitas damit professionalisieren und die 163 betroffenen Gemeinden entlasten. Insgesamt organisiert es damit die Zuständigkeiten für 664 Kitas neu. Der Hintergrund ist vor allem Geldmangel: Das Land finanziert die Kitas nach Ansicht der Kirche nicht ausreichend, und gleichzeitig nimmt die Kirche weniger Kirchensteuer ein. (rhe)

Beitrag von Raphael Balke am 05.03.2026

„Roboter, die helfen und unterstützen, wird es ganz bestimmt geben. Aber eine komplette Autonomie wird schwierig.“

Zwei Personen arbeiten in einem Operationssaal des Universitätsklinikums Münster mit dem Operationsroboter Da Vinci.

Die Uniklinik hat über 5.000 Mal mit dem OP-Roboter Da Vinci operiert. Der Chirurg Jens-Peter Hölzen nutzt ihn etwa bei Eingriffen an der Speiseröhre. Im RUMS-Interview erklärt er, wie der Roboter Operationen verändert – und wie selbstständig solche Systeme künftig werden könnten.

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Korrekturen

+++ In unserem Text zum städtischen Haushalt im RUMS-Brief am Dienstag hatten wir die Aussage, dass 93 Prozent der Sparvorschläge umgesetzt worden seien, irrtümlich so verstanden, dass damit 93 der insgesamt 100 Vorschläge gemeint seien. Tatsächlich bezog sich die Zahl auf das Sparvolumen. Außerdem wird Loevelingloh natürlich mit „v“ geschrieben, nicht mit „w“. Wir haben beides korrigiert.

+++ In unserem neuen Veranstaltungsnewsletter am Mittwoch stimmten zwei Angaben nicht. Das Haus der Nachhaltigkeit ist an der Hammer Straße 1 (wir hatten 3 geschrieben). Und: Der Auftakt der Frühjahrsstaffel der Filmgalerie verschiebt sich wegen der kurzfristigen Schließung des Museums für Kunst und Kultur um eine Woche. Wir haben das korrigiert.

+++ Im gestrigen RUMS-Beitrag zur Robotik im Operationssaal gestern war der dazugehörige Podcast in der Mail nicht verlinkt. Den Podcast finden Sie hier.

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Ein-Satz-Zentrale

+++ Der Münsteraner Verhaltensbiologe Norbert Sachser zeigt in seinem Buch „Tierwelt am Limit“, wie erstaunlich anpassungsfähig Tiere auf die vom Menschen veränderte Umwelt reagieren, warnt aber gleichzeitig davor, dass diese Grenzen vielerorts erreicht sind. (Spiegel, Rowohlt-Verlag)

+++ Das Projekt Münsterland-S-Bahn kommt wegen des knappen Geldes nur schleppend voran. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ulrike Schulze Tomberge, Sprecherin der Bürgerinitiative gegen die Forensik in Münster-Amelsbüren, hat den Klinikbeirat aus Frust über fehlende Unterstützung bei Sicherheitsbedenken verlassen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Neubauten am Ratsgymnasium und am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium sollen zu den Herbstferien fertig sein, nachdem sich die Arbeiten durch Frost verzögert hatten. (Stadt Münster)

+++ Bei einem Verkehrsunfall auf der B54 in Richtung Münster ist am Donnerstag ein 57-jähriger Mann aus Münster getötet worden. (Polizei Münster)

+++ Die Verwaltung sucht neue Namen für den Lüderitzweg und den Woermannweg in Gremmendorf. (Stadt Münster)

+++ Die serbische Autorin Milena Marković und ihr Übersetzer:innen-Duo Mirjana und Klaus Wittmann erhalten den Internationalen Poesiepreis der Stadt. (Stadt Münster)

+++ Nachdem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mehrere linke Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen hat, kritisiert der Münsteraner Unrast-Verlag diese Entscheidung als „ein alarmierendes Zeichen des fortschreitenden Rechtsrucks“. (Unrast Verlag)

+++ Am Syndikatplatz in Münster eröffnet mit dem „Leezodrom“ ein neues Angebot, bei man auf dem Fahrrad sitzend mit einer speziellen Brille durch das historische Münster fahren kann. (Antenne Münster)

+++ Vier junge in Münster geborene sibirische Tiger verlassen in einigen Wochen den Allwetterzoo. (Zoo Münster)

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße
Anna Niere

Mitarbeit: Raphael Balke (rba), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

In meinem Journalistik-Studiengang waren 25 Frauen und vier Männer. Bei meinem Kollegen Raphael Balke war die Quote etwa 50/50. Man könnte also daraus schließen: Im Journalismus gibt es kein Problem mit der Frauenquote. Leider stimmt das nicht. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in den Leitmedien liegt aktuell bei 37,5 Prozent. Die Zahlen werden seit Jahren vom Verein „Proquote“ erhoben, bei dem ich selbst seit drei Jahren Mitglied bin. Genau seit diesen drei Jahren sinkt die Quote wieder – damals lag sie noch bei knapp 40 Prozent. Wie sich das Verhältnis in den nächsten Jahren entwickelt, werden wir vermutlich nicht mitbekommen, denn „Proquote“ kann die Auswertung nicht mehr machen. Die Förderung für die Erhebung hat das zuständige Bundesministerium für die kommenden drei Jahre gekappt, teilt der Verein mit. Eine andere Institution, die diese Daten erhebt, gibt es in Deutschland nicht. Immerhin: Im RUMS-Team haben wir insgesamt eine Frauenquote von rund 58 Prozent. (ani)

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