Verkehrspolitik, nächste Runde | Ein Anruf bei Kolja Steinrötter | Bücher aus Münster

Müns­ter 2. Novem­ber 2021

Guten Tag,

wir machen da wei­ter, wo wir am Frei­tag auf­ge­hört haben, und dar­um ging es ja auch am Sonn­tag in der Kolum­ne von Ruprecht Polenz, um Verkehrspolitik.

Was bis­her geschah: Die Rat­haus-Koali­ti­on aus SPD, Grü­nen und Volt hat in der ver­gan­ge­nen Woche der Stadt­ver­wal­tung den Auf­trag gege­ben, mal zu schau­en, ob es nicht mög­lich ist, die Durch­fahrt am Bült für Autos pro­be­wei­se drei Mona­te lang zu sper­ren. Seit­dem läuft eine, nen­nen wir es mal Debat­te, dar­über, ob das eine gute oder schlech­te Idee ist.

Ruprecht Polenz hat die­sen Plan am Sonn­tag in sei­ner Kolum­ne kri­ti­siert, weil er sei­ner Mei­nung nach übers Knie gebro­chen ist. Falls Sie den Text nicht gele­sen haben, sei­ne Argu­men­ta­ti­on im gro­ben Umriss:

Noch gibt es zu weni­ge Alter­na­ti­ven für den Auto­ver­kehr. Wenn man die Autos aus der Stadt ver­bannt, bevor wir ande­re Mög­lich­kei­ten haben, ins Zen­trum zu kom­men, suchen die Men­schen sich neue Ein­kaufs­zie­le. Das wird den Han­del treffen.

Es gab viel Reak­tio­nen. Und weil Sie den Tag ges­tern hof­fent­lich in der Herbst­son­ne ver­bracht haben, hier fünf inter­es­san­te Punk­te dazu:

1.

Phil­ipp Moser nennt in den Kom­men­ta­ren den nega­ti­ven Effekt auf den Ein­zel­han­del ein „Schein­ar­gu­ment“ und Frei­burg als Bei­spiel für eine Stadt, die mit ihrer seit den 1970er-Jah­ren auto­frei­en Alt­stadt sehr gut gefah­ren ist. Die Atmo­sphä­re in der Stadt scheint sich tat­säch­lich gut ent­wi­ckelt zu haben. In einer Rang­lis­te der welt­weit belieb­tes­ten Rei­se­zie­le des Rei­se­füh­rers Lonely Pla­net steht Frei­burg auf einem schmei­chel­haf­ten drit­ten Platz. Auch das führt Moser an. Fai­rer­wei­se muss man sagen: Sol­che Ran­kings kom­men ziem­lich belie­big zustan­de, der Ein­fluss des Fak­tors auto­freie Innen­stadt auf das Ergeb­nis ist nicht bekannt. Und ver­läss­li­che Daten dazu, wel­chen Effekt die Tat­sa­che auf den Han­del hat­te, dass kei­ne Autos mehr in der Innen­stadt fah­ren, ken­nen wir eben­falls nicht.

2.

Joa­chim Bick vom Bünd­nis Fahrradstadt.ms weist auf einen inter­es­san­ten Punkt hin. Der Zweck­ver­band Mobi­li­tät Müns­ter­land, der unter ande­rem den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr im Müns­ter­land orga­ni­siert, hat einen Antrag der CDU ange­nom­men, in dem der Ver­band die Stadt Müns­ter auf­for­dert, erst Alter­na­ti­ven zu schaf­fen, bevor man die Autos aus der Stadt drän­ge. Bick schreibt: „War­um soll­te ein ÖPNV-Ver­band sich gegen Ein­schrän­kun­gen für den Auto­ver­kehr rich­ten, wo das doch zunächst mal im Ver­gleich ÖPNV-Ange­bo­te bes­ser ste­hen lässt? Wow, das hat ein Geschmäckle.“

3.

Dann hat uns noch jemand von den Grü­nen geschrie­ben – eine Per­son, die nicht mit Namen genannt wer­den möch­te. Die Zah­len, die Ruprecht Polenz nen­ne, sei­en ten­den­zi­ell rich­tig, heißt es in der E-Mail. „Um Pend­lern nach Müns­ter in not­wen­di­gem Umfang zumut­ba­re Alter­na­ti­ven zu bie­ten, fehlt es an ers­ter Stel­le an Infra­struk­tur.“ Die Bah­nen und Glei­se sei­en schon jetzt an der Belas­tungs­gren­ze. Die geplan­te S-Bahn habe eben­falls zu weni­ge Kapa­zi­tä­ten. Das alles zu pla­nen und zu finan­zie­ren, wer­de Jahr­zehn­te dau­ern. „Ent­spre­chen­de Beschlüs­se gibt es nicht (bezie­hungs­wei­se nur ansatz­wei­se), und ich ver­mag dazu kei­ne öffent­li­che Debat­te zu erken­nen. Inso­fern begrü­ße ich auch den Bei­trag von Herrn Polenz“, schreibt die Person.

4.

Jule Heinz-Fischer, die ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, reagiert in einer E-Mail auf die Kri­tik der FDP an der geplan­ten Bült-Sper­rung. FDP-Frak­ti­ons­chef Jörg Berens hat­te kri­ti­siert, ihm fehl­ten kon­kre­te Ideen, zum Bei­spiel für Bus­spu­ren, den Bau von Mobi­li­täts­sta­tio­nen, und es feh­le Geld, um mehr Bus­se auf die Stra­ße zu brin­gen. Jule Heinz-Fischer ant­wor­tet, man habe eine Bus­spur auf der Wese­ler Stra­ße bean­tragt, sogar schon zwei Mal in die­sem Jahr. Es gebe auch wei­te­re Anträ­ge für wei­te­re Bus­spu­ren auf den Aus­fall­stra­ßen. Man habe ganz kon­kre­te Pla­nun­gen für den Aus­bau der Park-and-Ride-Sta­ti­on an der Nie­ber­ding­stra­ße zur „smar­ten Mobi­li­täts­sta­ti­on“. Auch die Mobi­li­täts­sta­ti­on an der Bre­mer Stra­ße sei ein kon­kre­tes Pro­jekt. Geld für Mobi­li­täts­sta­tio­nen habe man schon in den letz­ten Haus­halt ein­ge­stellt. Mit wei­te­ren Stand­ort­vor­schlä­gen wol­le man auf das Stand­ort­kon­zept war­ten, an dem die Ver­wal­tung arbei­te. Klar sei aber, dass an den Bahn­hö­fen mehr pas­sie­ren müs­se, zum Bei­spiel mehr Rad­stell­plät­ze am Zen­trum Nord und in Roxel.

5.

Stadt­teil­au­to-Grün­der Robert Ammann erin­nert in einem Kom­men­tar unter der Kolum­ne von Ruprecht Polenz an die Ver­kehrs­po­li­tik des rot-grü­nen Rat­haus­bünd­nis­ses zwi­schen 1994 bis 1999. In die­ser Zeit sei­en nicht nur die Ver­kehrs­pro­ble­me ernst­haft ange­gan­gen wor­den – mit dem Bau der Rad­sta­ti­on, dem ÖPNV-Pass, Tem­po 50 auf der Wese­ler Stra­ße und der ers­ten auto­frei­en Sied­lung –, in die­ser Zeit habe man auch Mobi­li­täts­sta­tio­nen an Bahn­hal­te­punk­ten und Aus­fall­stra­ßen ein­ge­rich­tet (das Pro­jekt Münster.mobil), Vor­ha­ben, die über das klas­si­sche Park-and-Ride hin­aus­ge­gan­gen sei­en. Nach 1999 sei das alles prak­tisch ein­ge­stellt worden. 

Und sehr schön: Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten zitie­ren in ihrer Aus­ga­be vom Sams­tag aus sechs E-Mails, die in ihrer Redak­ti­on anka­men, vier ableh­nen­de, zwei zustim­men­de. Peter Wol­ter vom Fahr­rad­ver­band ADFC schreibt: „Alle schwär­men im Urlaub von den auto­frei­en Innen­städ­ten in Ita­li­en und den Nie­der­lan­den, aber zu Hau­se zer­re­det man alle guten Ansät­ze im Keim. Tho­mas Jans­sen schreibt: „Die Sinn­lo­sig­keit so einer Akti­on bedarf kei­ner Dis­kus­si­on. Ich hof­fe, dass von der­ar­ti­gen Über­le­gun­gen nie­mand im Aus­land erfährt.“

Wenn Sie mit­dis­ku­tie­ren wol­len, schrei­ben Sie einen Kom­men­tar unter die Kolum­ne von Ruprecht Polenz oder schi­cken Sie uns eine E-Mail.

„Wir brauchen jetzt Widerstand, lauten Widerstand“

Kol­ja Stein­röt­ter ist Gale­rist und Fuß­ball­trai­ner. In sei­ner Gale­rie FB69 am Ger­ma­nia Cam­pus hän­gen nur Wer­ke von Künst­le­rin­nen, und in sei­nem Team spie­len nur Frau­en. Kol­ja Stein­röt­ter hat einen Ein­blick in zwei Sphä­ren, die sehr unter­schied­lich sind, aber doch Gemein­sam­kei­ten haben – lei­der nicht nur gute. Ein Anruf in der Galerie.

Herr Stein­röt­ter, Sie haben in einem Gespräch mit dem Maga­zin Brand­eins den Satz gesagt: „Der Kunst- und der Fuß­ball­be­trieb haben eini­ges gemein­sam: Bei­de benach­tei­li­gen nicht nur an bestimm­ten Stel­len, son­dern struk­tu­rell Frau­en und Mäd­chen.“ Was mei­nen Sie damit?

Das hat natür­lich in bei­den Fäl­len mit unse­rer Gesell­schaft zu tun. Aber mei­ne Beob­ach­tung ist: Im Fuß­ball ist die Benach­tei­li­gung offen­sicht­li­cher als im Kunst­be­trieb. Das liegt auch dar­an, dass die Struk­tu­ren in der Kunst nicht so leicht zu durch­schau­en sind. In bei­den Fäl­len haben aber Män­ner Struk­tu­ren geschaf­fen, in die Frau­en nicht so leicht hineinfinden.

In der Kunst lässt sich ja auf den ers­ten Blick gar nicht sagen, ob ein Bild von einem Mann oder einer Frau gemalt wurde.

Genau. Es ist undurch­sich­tig. Ich wür­de sogar sagen: Die meis­ten Men­schen ver­ste­hen nicht im Ansatz, was auf dem Kunst­markt pas­siert. Wie ent­ste­hen Prei­se? Was ist erfolg­reich? Das lässt sich schwer durch­bli­cken. Die Benach­tei­li­gung ent­steht dadurch, dass Gale­rien, Auk­ti­ons­häu­ser oder Men­schen, die Kunst sam­meln, die Kunst von Frau­en schlech­ter bewerten.

War­um pas­siert das?

Das ist eigent­lich kein Pro­blem des Kunst­markts, son­dern ein gesell­schaft­li­ches. Es gibt Ver­su­che, in denen man unter­schied­li­chen Men­schen iden­ti­sche Bil­der gezeigt hat – ein­mal stand der Name einer Frau unter dem Bild, ein­mal der eines Man­nes. Wenn es das Werk eines Man­nes war, hiel­ten die Men­schen das Bild plötz­lich für wert­vol­ler, auch wenn die befrag­ten Per­so­nen anonym blieben.

Wie erklä­ren Sie sich das?

Mir hat mal ein durch­aus bekann­ter Gale­rist gesagt: Ich stel­le ungern weib­li­che Kunst aus, mei­ne Samm­ler kau­fen nichts von Frau­en. Da gehe es dann um Fra­gen wie: Was, wenn die Künst­le­rin schwan­ger wird? Und wenn ein Gale­rist in so einer Situa­ti­on dem Samm­ler gegen­über kei­ne pas­sen­de Ant­wort fin­det, dann zeigt das schon ganz gut die Dimen­si­on des Problems.

War­um spielt es eine Rol­le, ob eine Künst­le­rin schwan­ger wird?

Das spielt natür­lich eigent­lich kei­ne Rol­le. Aber da kom­men wir zu den Beson­der­hei­ten des Kunst­markts. Der Markt ist in Deutsch­land sehr eli­tär. Da geht es um die Fra­ge, was heu­te von Bedeu­tung ist, und was in hun­dert Jah­ren von Bedeu­tung sein wird. Das alles spielt sich in Kunst­hal­len oder Muse­en für zeit­ge­nös­si­sche Kunst ab. Die Zahl der Per­so­nen ist über­schau­bar. Dort oben ist die Luft sehr dünn. In die­sem Kunst­be­trieb musst du als Künst­le­rin oder Künst­ler eine Gale­rie haben. In den Gale­rien sind zu 80 Pro­zent Män­ner ver­tre­ten. Das hat sich in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren auch nicht ver­än­dert. Vie­le der han­deln­den Per­so­nen sind eben­falls Män­ner, und die sind der Mei­nung: Mit Män­nern lässt es sich bes­ser zusam­men­ar­bei­ten. Und da stört eine Schwan­ger­schaft die­se Leu­te eben. Die set­zen sich auch nicht damit aus­ein­an­der, dass das Argu­ment völ­lig idio­tisch ist. Das ist so verankert.

Sie haben sich ent­schie­den, das anders zu machen. In Ihrer Gale­rie hängt nur weib­li­che Kunst.

Man muss kei­ne Frau sein, um bei mir aus­zu­stel­len. Aber es ist irgend­wann so gekom­men. Ich habe mir das nicht über­legt, es ist pas­siert. Hin­ter­fragt habe ich das erst, als ich gemerkt habe, dass ich nur noch Künst­le­rin­nen prä­sen­tie­re. Da habe ich ange­fan­gen, dar­über nach­zu­den­ken, war­um das so ist.

Und wie war die Antwort?

Mei­ne Erklä­rung ist, dass es tat­säch­lich damit zu tun hat, dass Frau­en schwe­rer in die­sen Kunst­be­trieb hin­ein­fin­den, die­se Kom­mer­zia­li­sie­rung also ohne sie statt­fin­det. Und das wirkt sich posi­tiv auf ihre Kunst aus. Ich habe das Gefühl, vie­le Frau­en den­ken nicht so sehr dar­über nach, was die Leu­te haben wol­len – und am Ende kommt dabei bes­se­re Kunst heraus.

Wor­an erken­nen Sie das?

Bei den Stu­den­tin­nen der Kunst­aka­de­mie habe ich zum Bei­spiel oft das Gefühl, sie haben sehr früh so eine Sicher­heit, sie küm­mern sich ein­fach um ihre Arbeit, wis­sen ganz genau, was sie da machen und sind sehr kom­pro­miss­los. Oft ist das aller­dings ver­bun­den mit einer gro­ßen Unsi­cher­heit, wenn es dar­um geht, die­se Arbei­ten zu zei­gen. Manch­mal habe ich das Gefühl, es ist sogar ein biss­chen Desinteresse.

Bei den Män­nern ist das anders?

Ja, tat­säch­lich. Wenn Män­ner frü­her zu mir kamen, dann ging das oft so: „Schau mal hier, was ich da gemacht habe, und wenn dir das nicht gefällt, dann hab ich hier auch noch dies und das. Über Prei­se kön­nen wir reden.” Und von den Künst­le­rin­nen, die im Moment bei mir sind, ist kei­ne ein­zi­ge zu mir gekom­men. Die habe ich alle selbst gesucht, eini­ge muss­te ich sogar überreden.

Sehen Sie da Par­al­le­len zum Sport?

Wenn man auf das pro­fes­sio­nel­le Geschäft schaut, geht es natür­lich in bei­den Fäl­len um Geld, um Invest­ments. Im Kunst­be­trieb steckt seit 20 oder 30 Jah­ren unheim­lich viel Geld, die Leu­te ver­su­chen zu spe­ku­lie­ren. Das hat das Geschäft ganz schön ver­saut. Und wenn Geld eine Rol­le spielt, dann wird das Pro­blem mit der Gleich­be­rech­ti­gung nicht klei­ner, son­dern eher größer.

Im Fuß­ball ist das Geschäft nach Geschlech­tern getrennt. In der Kunst nicht. Was glau­ben Sie, brau­chen wir eine Quote?

Ich befür­wor­te die Quo­te sehr. Aber ich glau­be, in der Kunst bräuch­te man etwas ande­res, eine Dis­kus­si­on über Qua­li­tät. Die gibt es bis­lang so nicht.

War­um ist das wichtig?

Wenn wir zu einer objek­ti­ven Beur­tei­lung kom­men, dann spielt auch das Geschlecht des Men­schen kei­ne Rol­le mehr, der hin­ter dem Werk steht.

Und wie kann das gelingen?

Die Kunst müss­te aus ihrem Elfen­bein­turm her­aus. In der Kunst haben wir ja die­ses Eli­tä­re, dass die Rei­chen, Schö­nen, die Unter­neh­mer­ehe­paa­re der Stadt sich ein­mal im Monat um einen Bret­ter­sta­pel ver­sam­meln. Die haben zwar größ­ten­teils kei­ne Ahnung, kön­nen sich aber als Kunst­fach­leu­te beweih­räu­chern las­sen, wäh­rend nor­ma­le Men­schen drau­ßen am Fens­ter vor­bei­ge­hen und den­ken: Was ist das denn eigent­lich für ein Schwach­sinn? Unse­re Toch­ter, die malt so schö­ne Farb­bil­der, das ist doch viel bes­se­re Kunst.

Aber ist es nicht erst mal gut, wenn Men­schen sich für Kunst inter­es­sie­ren und auch selbst ver­su­chen, sich künst­lich zu betätigen?

Natür­lich. Ich fin­de es gut, wenn Leu­te malen und bild­hau­en. Aber man muss die Din­ge als das benen­nen, was sie sind. Es ist ein Rie­sen­un­ter­schied, ob Men­schen das für sich machen, oder ob sie den­ken: Das ist genau­so gut wie das, was in den Gale­rien hängt oder im Kunstverein.

War­um ist die­ser Unter­schied von Bedeutung?

Sobald ich das mache, stel­le ich mich einer inhalt­li­chen und kunst­kri­ti­schen Dis­kus­si­on. Dann muss ich ertra­gen kön­nen, dass man sagt: Sor­ry, aber das hat lei­der kei­ne Qua­li­tät. Das ist Dekoration.

Muss man das wirklich?

Ja. Der Kunst­be­griff wird da sehr weit aus­ge­legt, und das führt zu vie­len Miss­ver­ständ­nis­sen. Da kon­kur­rie­ren Din­ge mit­ein­an­der, die nichts mit­ein­an­der zu tun haben. Aber in den Augen vie­ler ist das eben das Glei­che, weil die­se Dis­kus­si­on um Qua­li­tät nicht statt­fin­det. Mein Beruf ist das objek­ti­ve, qua­li­ta­ti­ve Beur­tei­len von Gegen­warts­kunst. Das ist immer ein biss­chen spe­ku­la­tiv, und das ist super­schwer. Aber es geht. Nur in der All­ge­mein­heit ist eher ver­an­kert: Das ist Geschmacks­sa­che. Und wenn sich das ein biss­chen ver­än­dert, dann ändern sich auch die Strukturen.

Viel­leicht ist es ein fal­scher Ein­druck, aber in der Lite­ra­tur scheint das Pro­blem nicht so aus­ge­prägt zu sein.

Das ist rela­tiv schwer zu ver­glei­chen. Ich glau­be, wir wür­den uns hier nicht dar­über unter­hal­ten, ob der Drei­­gro­­schen-Roman vom Bahn­hofs­ki­osk die glei­che lite­ra­ri­sche Qua­li­tät hat wie ein Buch von Vla­di­mir Nabo­kov. In der bil­den­den Kunst ist das anders. Ver­trau­ens­bil­den­de Grö­ßen gibt es für Lai­en in der Gegen­warts­kunst nicht. Man kennt den Künst­ler oder die Künst­le­rin nicht, den Men­schen, dem die Gale­rie gehört, oft auch nicht, und es gibt kei­ne Quer­ver­wei­se. Und wir reden natür­lich über viel Geld, mit dem spe­ku­liert wird. Seit­dem Gegen­warts­kunst zum Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt gewor­den ist, ist es rela­tiv leicht, da Scha­ber­nack zu trei­ben. Wenn man nicht weiß, wie man die Qua­li­tät einer Künst­le­rin oder eines Künst­lers durch Quer­ver­wei­se ein biss­chen über­prü­fen kann, dann ist die Beur­tei­lung schwer.

Erklä­ren Sie doch mal, wie das geht.

Man kann schau­en, in wel­chen ande­ren Gale­rien jemand sei­ne Kunst noch aus­stellt, mit wel­chen ande­ren Men­schen aus der Kunst­sze­ne, und in wel­chen Muse­en die Bil­der hän­gen. Dass man da suchen kann, wis­sen vie­le gar nicht. Und schnell bleibt dann nur noch eine ver­trau­ens­bil­den­de Grö­ße, das ist der Preis. Man macht ein Bild also beson­ders teu­er, und die Leu­te den­ken: Oh, das ist beson­ders viel wert, das muss wohl sehr gut sein. Ich kann zur Kunst­aka­de­mie gehen, mir ein schö­nes Far­b­­feld-Bil­d­chen besor­gen und da 50.000 Euro dranschreiben.

Steht das denn im Weg? Oder wäre das nicht auch eine Chan­ce, Ungleich­be­hand­lung zu beseitigen?

Die­se Dis­kus­si­on wird natür­lich geführt. Aber ich glau­be, die Qua­li­täts­de­bat­te ist sinn­vol­ler. Wenn man in die USA schaut, sieht man zum Bei­spiel, dass es s dort ganz anders ist. Da ist der Kunst­markt sehr viel näher an den Leu­ten. Er ist sehr viel jün­ger, es gibt sehr viel mehr Leu­te, die Kunst kau­fen, die Kunst sam­meln, die dar­an Spaß haben. Und weil es wirk­lich so viel mehr sind, Hun­dert­tau­sen­de mehr, beschäf­ti­gen sich auch mehr Men­schen mit der Qua­li­tät. Ich habe das Gefühl, das Ungleich­ge­wicht ist dort auch nicht so groß wie hier. Ich ken­ne sehr vie­le ame­ri­ka­ni­sche Künst­le­rin­nen, die sehr erfolg­reich sind, und ich habe nicht das Gefühl, dass sie dort in der Min­der­heit sind.

Kön­nen Sie den Unter­schied zu Deutsch­land noch etwas genau­er erklären?

Es fängt schon damit an, dass die Men­schen hier Schwel­len­angst haben, in eine Gale­rie zu gehen. Das gibt es in Deutsch­land, aber sonst nirgendwo.

Was noch?

In Deutsch­land ist es ein­fach sehr schwer, von Kunst zu leben. Es ist prak­tisch unmög­lich. Es sei denn, man hat einen Neben­job. Gleich­zei­tig ver­lan­gen die Aka­de­mien von einem, dass man sich der Sache mit Haut und Haa­ren ver­schreibt. Und wenn Sie denen sagen, ich stu­die­re auf Lehr­amt, wer­den Sie in der Aka­de­mie schief ange­se­hen, weil die Leu­te den­ken: Dann ist es kei­ne ech­te Künst­le­rin oder kein ech­ter Künstler.

Im pro­fes­sio­nel­len Fuß­ball ist es etwas anders. Da kön­nen vie­le Frau­en von ihrem Beruf leben, aber das Durch­schnitts­ge­halt in der Bun­des­li­ga lag vor drei Jah­ren bei knapp 40.000 Euro im Jahr, bei den Män­nern sind es im Schnitt 30.000 Euro im Monat. Wie könn­te sich das jemals auch nur halb­wegs annähern?

Frau­en­fuß­ball muss ein­fach sicht­ba­rer wer­den. Medi­en müs­sen viel mehr berich­ten. Die Jungs wol­len spie­len wie Mes­si, und so etwas brau­chen die Mädels auch – Vor­bil­der, Sicht­bar­keit. Dann sehen auch mehr Mäd­chen: Das kann ich auch machen. Aber das dau­ert halt. Das muss man sich immer klar­ma­chen, wenn man über Ungleich­hei­ten spricht, die über hun­dert Jah­re gewach­sen sind. Das ist ja alles nicht vom Him­mel gefallen.

Das Argu­ment ist oft: Es gibt eben kei­ne so gro­ße Nachfrage.

Das ist beson­ders absurd. Die Fifa, die UEFA oder der DFB rich­ten sich doch nicht nach der Nach­fra­ge. Die kre­ieren Ange­bo­te. Nie­mand hat nach der Cham­pions League geschrien. Nie­mand braucht alle zwei Mona­te den neu­en Ronal­­do-Schuh in einer ande­ren Far­be. Oder dass Schal­ke oder Dort­mund jede Sai­son drei ver­schie­de­ne neue Tri­kots raus­brin­gen, braucht das wirk­lich ein Fan? Die­ses Ange­bot wird immer wie­der her­ge­stellt. Und dann gene­rie­ren sie die Nach­fra­ge. Pro­bie­ren Sie mal ein Tri­kot von Mar­ta zu kau­fen. Die ist sechs Mal Welt­fuß­bal­le­rin gewor­den. Das gibt es nirgendwo.

Was glau­ben Sie, wie könn­te man das ändern?

Wenn über Geld im Fuß­ball gere­det wird, dann muss man sich klar­ma­chen, dass Mer­chan­di­sing der größ­te Umsatz­fak­tor ist. Da muss man anset­zen. Aber dann wird immer gesagt: Die Män­ner ver­die­nen ja so viel, bei den Frau­en wird gar kein Geld umge­setzt. Das ist doch Wahn­sinn, dass man den Frau­en dann im glei­chen Atem­zug vor­wirft, da wird ja kein Geld ver­dient. Es wird nicht mal pro­biert. Und das ist der Rie­sen­un­ter­schied. Der DFB macht ein Image­vi­deo, dass sie für Gleich­be­rech­ti­gung sind, für Tole­ranz und natür­lich auch gegen Ras­sis­mus. Das wird dann über­all geteilt, und alle sagen: Toll, der DFB posi­tio­niert sich. Und dann wird das nächs­te Län­der­spiel geplant, in irgend­ei­nem Dorf­sta­di­on, am Mitt­woch um 15:30 Uhr. Dann heißt es: Wir haben es pro­biert, aber Frau­en­fuß­ball inter­es­siert halt niemanden.

Liegt es viel­leicht auch ein biss­chen an der Sport­art? Im Ten­nis scheint das Geschlecht kei­ne ganz so gro­ße Rol­le zu spie­len. Boris Becker und Stef­fi Graf waren zu ihrer gro­ßen Zeit in etwa ähn­lich populär. 

Das stimmt. Ich kann mir vor­stel­len, dass da eher Macht­fra­gen den Aus­schlag geben als die Sport­art. Es gibt wahr­schein­lich kaum ande­re Orga­ni­sa­tio­nen, die so reich und mäch­tig sind wie die Fuß­ball­ver­bän­de. Und wie ich schon sag­te: Je wich­ti­ger das Geld, des­to grö­ßer das Pro­blem mit der Ungleich­heit. Im Fuß­ball kom­men die Ver­lust­ängs­te hin­zu, denn wenn der Frau­en­sport mehr Auf­merk­sam­keit bekommt, muss der Män­ner­sport unter Umstän­den etwas abgeben.

Das klingt etwas resigniert.

Nein, man muss nur woan­ders anset­zen, auf der loka­len Ver­eins­ebe­ne, im Dorf- oder Vier­tel­ver­ein. Dort müs­sen die Ange­bo­te sicht­ba­rer wer­den. Aber das bedeu­tet, die Frau­en müs­sen dort auch ähn­li­che Bedin­gun­gen haben.

Sie trai­nie­ren seit zehn Jah­ren Frau­en-Man­n­­schaf­­ten wie Blau­weiß Aasee. Beschrei­ben Sie doch mal die Bedingungen.

In unse­rem Ver­ein ist das glück­li­cher­wei­se alles etwas anders. Blau­weiß Aasee ist aus den alter­na­ti­ven Struk­tu­ren der Sieb­zi­ger ent­stan­den. Des­we­gen habe ich uns immer als gleich­be­rech­tigt mit der Her­ren­mann­schaft emp­fun­den. Das war von Anfang an so – bei den Trai­nings­zei­ten, den Bedin­gun­gen und bei der Aus­stat­tung. Ein Vor­teil ist sicher auch, dass im Ver­ein Fuß­ball nicht über allem steht, son­dern ande­re Sport­ar­ten gleich­be­rech­tigt sind.

Wis­sen Sie, wie die Bedin­gun­gen in ande­ren Ver­ei­nen sind?

Oft ist die Ers­te Her­ren­mann­schaft das Aus­hän­ge­schild. Da gibt der Ver­ein das gan­ze Geld und die gan­ze Ener­gie rein, und alle ande­ren Teams müs­sen sich mit den Res­ten abgeben.

Lie­ße sich das nicht rela­tiv leicht ändern?

Ich wür­de mich freu­en, wenn das so wäre. Wir ver­su­chen, ande­ren Spie­le­rin­nen in ande­ren Ver­ei­nen Mut zu machen, etwas zu ändern. Unser Slo­gan ist #Equal­play. Aber da etwas auf­zu­bre­chen, ist sehr, sehr schwer.

Weil die Ver­ei­ne das nicht wollen?

Das ist etwas kom­pli­zier­ter, da muss ich ein biss­chen aus­ho­len. #Equal­play bedeu­tet: Wenn ein Mäd­chen oder eine Frau in einen Fuß­ball­ver­ein geht, dann soll ihr die glei­che Qua­li­tät zur Ver­fü­gung ste­hen wie bei den Män­nern, zum Bei­spiel beim Trai­ning und bei der Aus­rüs­tung. Und dann wird’s schon pro­ble­ma­tisch, denn da müs­sen wir über Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen im Ehren­amt reden. Das ist im Ama­teur­fuß­ball ein Tabu­the­ma. Kaum ein Trai­ner oder eine Trai­ne­rin einer Kreis­­li­­ga-A- oder Bezirks­­li­­ga-Man­n­­schaft wird einem sagen, was er oder sie im Monat an Auf­wands­ent­schä­di­gung bekommt, weil das oft deut­lich mehr ist als erlaubt. Es gibt ja Gren­zen, was die Ver­gü­tung von Ehren­amt betrifft.

Wie sind denn die Größenordnungen?

Man kann davon aus­ge­hen, dass man als Trai­ner einer Her­ren­mann­schaft das Drei- bis Vier­fa­che von dem bekommt, was ein Trai­ner oder eine Trai­ne­rin einer Frau­en­mann­schaft ver­dient. Und das ist ein Pro­blem, denn das führt dazu, dass es eben kein Equal­play gibt. Das zemen­tiert die Struk­tu­ren und die Ungleich­heit immer mehr, selbst bei uns im Ver­ein war es am Anfang so, dass der Fuß­ball­vor­stand gesagt hat: Ja, wir ken­nen das Pro­blem. Aber was sol­len wir machen? Machen ja alle so. Wenn wir das nicht machen, krie­gen wir nie­man­den. An der Stel­le muss man sich aber viel­leicht fra­gen, ob das rich­tig ist, was alle machen.

Und wie kommt man aus der Situa­ti­on heraus?

Eigent­lich müss­ten immer mehr Ver­ei­ne sagen: Nee. Wir zie­hen das glatt. Und wenn ihr dann bei uns nicht trai­nie­ren wollt, dann trai­niert halt woanders.

Pas­siert so etwas?

Kaum. Es ist ein Kul­tur­pro­blem. Heu­te bekom­men schon Spie­ler in der Kreis- oder der Bezirks­li­ga Hand­geld, was im Grun­de lächer­lich ist. Man hat irgend­wel­che Sponsor:innen, die wol­len, dass ihr Ver­ein auch mal etwas reißt. Und dann gibt’s 50 Euro Tor­prä­mie oder jeden Monat 200 Euro zuge­steckt – im unters­ten Ama­teur­sport, wo ja nun wirk­lich kein Geld ver­dient wird. Man schaut es sich bei den Gro­ßen ab, in der Bun­des­li­ga. Und auch hier ver­saut das Geld fai­re Strukturen.

Sie machen das jetzt seit zehn Jah­ren. Sehen Sie denn ein paar Fortschritte?

Wenn es um Sen­si­bi­li­sie­rung für Dis­kri­mi­nie­rung, Inklu­si­on und Inte­gra­ti­on geht, ist sicher eini­ges pas­siert in zehn Jah­ren. Aber wenn es um etwas Kon­kre­tes geht, um die Ver­tei­lung von Geld zum Bei­spiel oder Zeit, dann fin­den das zwar oft alle wei­ter­hin toll, aber am Ende geht es dann irgend­wie doch nicht. Und da muss jetzt der nächs­te Schritt kommen.

Wie sieht die­ser Schritt aus?

Wir brau­chen jetzt Wider­stand, lau­ten Wider­stand. Man muss sich mit den Struk­tu­ren beschäf­ti­gen, in denen die Leu­te sit­zen, die wol­len, dass alles so bleibt. Viel­leicht muss man im eige­nen Ver­ein auch mal einen Putsch wagen. Viel­leicht muss man auch mal den Vor­stand ablö­sen. Und man muss sich fra­gen: Wenn mei­ne Bezirks­­li­­ga-Her­­ren­­man­n­­schaft so viel Geld ver­schluckt, dass ich die Frau­en nicht gleich­wer­tig bezah­len oder aus­rüs­ten kann, kann ich mir die Bezirks­­li­­ga-Man­n­­schaft dann über­haupt leis­ten? Ich glau­be, die Ant­wort ist in vie­len Ver­ei­nen: nein. Die Ant­wort kann jeden­falls nicht sein: Dann schi­cke ich die Frau­en nach Hau­se oder las­se sie unter schlech­te­ren Bedin­gun­gen trainieren.

Sind Sie manch­mal ver­zwei­felt, wenn Sie sich die Situa­ti­on so anschauen?

Nein, ver­zwei­felt bin nicht. Ich habe mit den Jah­ren bemerkt, dass die Struk­tu­ren das Pro­blem sind. Und das sind Struk­tu­ren, die man in Unter­neh­men heu­te so gar nicht mehr fin­det. Auch beim DFB, das erin­nert einen manch­mal an die 50er-Jah­­re. Ent­spre­chend unbe­weg­lich ist das. Aber man kann natür­lich etwas ver­än­dern, von innen her­aus. Man darf sich nur nicht abwim­meln las­sen. Es steht im Grund­ge­setz, und man kann sich dar­über strei­ten, wie ernst man das neh­men will. Und wenn man es ernst nimmt, muss man irgend­wann auch mal die Fra­ge stel­len: Wollt ihr wirk­lich Gleichberechtigung?

Kol­ja Stein­röt­ter ist 1974 in Müns­ter gebo­ren. Er hat Sozio­lo­gie, Poli­tik und Phi­lo­so­phie stu­diert. Seit 2008 betreibt er die Gale­rie FB69, inzwi­schen am Dor­pat­weg 10 (Ger­ma­nia Cam­pus). Seit zehn Jah­ren trai­niert er das Ers­te Frau­en­fuß­ball­team von Blau­weiß Aasee. Er lebt zusam­men mit sei­ner Lebens­ge­fähr­tin Jes­si und den Hun­den Gre­ta und Kar­la in Münster.

In aller Kürze

+++ Hel­lo again! Müns­ters Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe soll wie­der Prä­si­dent des Deut­schen Städ­te­tags wer­den, schreibt die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung heu­te. Von Janu­ar 2018 bis Juni 2019 hat­te er das Amt schon einmal.

+++ Die Flot­te der Leih­ge­fähr­te in Müns­ter wird grö­ßer. Der E-Scoo­ter-Anbie­ter Tier stellt ab sofort zu sei­nen Rol­lern auch noch 300 Pedel­ecs zum Aus­lei­hen in die Stadt. Das müns­ter­sche Unter­neh­men Tret­ty baut sein Geschäft eben­falls aus. Zu den Tret­rol­lern und Fahr­rä­dern, die Tret­ty schon anbie­tet, sind jetzt noch Las­ten­rä­der dazu­ge­kom­men. Und wenn Sie gleich los­fah­ren wol­len, zwei Las­ten­rä­der ste­hen vor dem Rewe-Super­markt am Hansaring.

+++ Die SPD Müns­ter hat eine neue Spit­ze, und zwar eine Dop­pel­spit­ze. Lena-Rose Bes­te und Fabi­an Schulz haben die Par­tei­füh­rung von Robert von Olberg über­nom­men, der nach sie­ben Jah­ren nicht mehr ange­tre­ten war. Und hier noch schnell die Namen der stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den: Tan­ja Andor, Nina Gaedi­ke, Mat­thi­as Glomb, und Bibia­ne Benadio.

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RUMS soll wachsen!

Damit wir unser Ange­bot so wie bis­her fort­set­zen und am bes­ten wei­ter aus­bau­en kön­nen, muss unse­re Com­mu­ni­ty grö­ßer wer­den. Die ers­te Etap­pe haben wir am 4. Juni 2021 mit Ihrer Hil­fe schon erreicht, nach­dem wir Sie im März das ers­te Mal um Ihre Unter­stüt­zung gebe­ten hat­ten. Für die ers­ten 1.750 Abonnent:innen schen­ken wir dem Jugend­zen­trum Black Bull in Müns­­ter-Amel­s­­bü­­ren jetzt einen ganz­tä­gi­gen Medi­­en­­kom­­pe­­tenz-Work­­shop.

Bei den nächs­ten Mei­len­stei­nen (2.000, 2.250, 2.500) wer­den wir als Dan­ke­schön wei­te­re Work­shops ver­an­stal­ten. Genaue­res dazu lesen Sie hier. Sie kön­nen uns dafür auch gern Orga­ni­sa­tio­nen vor­schla­gen, die Ihnen am Her­zen lie­gen. Schrei­ben Sie uns dazu ein­fach an die­se Adres­se. Wie sich unse­re Akti­on ent­wi­ckelt, tei­len wir Ihnen ab jetzt regel­mä­ßig in unse­rem Brief mit. Sobald Coro­na es zulässt und wir die ers­ten Work­shops umset­zen kön­nen, wer­den wir die­se auch dokumentieren.

Emp­feh­len Sie uns also flei­ßig wei­ter! Wenn jede und jeder von Ihnen nur drei Ver­wand­te, Bekann­te und Freund:innen anschreibt und für RUMS wirbt, kön­nen wir gemein­sam wachsen.
Immer, wenn Sie einen Brief beson­ders inter­es­sant fin­den, lei­ten Sie ihn ger­ne wei­ter. Wenn Sie dann noch dazu­schrei­ben, dass die Empfänger:innen uns ein­fach abon­nie­ren sol­len, freu­en wir uns umso mehr.
Das Gan­ze haben wir noch ein­fa­cher für Sie gemacht: Sie kön­nen unse­re Brie­fe per E-Mail oder Whats­app tei­len – beim Klick auf den ent­spre­chen­den But­ton unten öff­net sich in der jewei­li­gen App ein Fens­ter, in dem Sie einen Text­vor­schlag von uns fin­den, den Sie natür­lich frei ver­än­dern kön­nen. Eben­so kön­nen Sie unse­re E-Mails natür­lich auch bei Face­book oder Twit­ter teilen.

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Korrekturen und Ergänzungen

In der Kolum­ne von Ruprecht Polenz am Wochen­en­de haben wir ein Wort geän­dert. Und jetzt wer­den Sie fra­gen: Ein Wort, ja bit­te, aber war­um dann hier eine Mel­dung? Weil es dar­um geht, ob wegen die­ses Wor­tes über tau­send Park­plät­ze weg­fal­len. Ein Leser hat­te kri­ti­siert, dass Ruprecht Polenz geschrie­ben habe, das Rat­haus­bünd­nis wol­le 1.500 Park­plät­ze strei­chen. Das stand aber nicht in der Kolum­ne. Dort schrieb er, 1.500 Park­plät­ze soll­ten ent­we­der weg­fal­len oder „von den Zufahr­ten über Münz­stra­ße und Mau­ritz­stra­ße abge­schnit­ten wer­den“. Und das bedeu­te ja, so die Kri­tik, wenn die Zufahr­ten von bei­den Sei­ten weg­fie­len, dann sei­en die Park­häu­ser nicht mehr zu errei­chen. Um die­ses Miss­ver­ständ­nis aus­zu­schlie­ßen, steht jetzt im Text, dass es um die Zufahr­ten über „Münz­stra­ße bezie­hungs­wei­se Mau­ritz­stra­ße“ geht.

Post von Leser:innen

Wir haben wie­der Post bekom­men, und zwar aus­schließ­lich zur Kolum­ne von Ruprecht Polenz.

Müns­ters frü­he­rer Zoo­di­rek­tor Jörg Adler sieht „inter­es­san­te Fak­ten“ und stimmt vor allem zwei Sät­zen zu: „Die Bedeu­tung des Autos nimmt ab. Die Lebens­qua­li­tät nimmt zu.“ Aber er kri­ti­siert auch ein paar „Glau­bens­sät­ze, die schlüs­sig klin­gen“. Am Ende gibt’s auch noch ein Lob für RUMS. Das freut uns natürlich.

Ange­li­ka van der Kooi und Jörg Floß sind nicht ein­ver­stan­den mit dem, was Ruprecht Polenz schreibt. Sie mah­nen: „Mit Gedan­ken und Rezep­ten von vor­ges­tern wer­den wir die gegen­wär­ti­gen Auf­ga­ben für das Leben in der Zukunft nicht lösen.“

Patrik Wer­ner vom Ver­kehrs­club Deutsch­land kri­ti­siert, dass Ruprecht Polenz als CDU-Mit­glied nun Din­ge for­de­re, die sei­ne Par­tei jah­re­lang ver­hin­dert habe. Wer­ner schreibt: „Wer hat nichts dafür getan, den öffent­li­chen Nah­ver­kehr vom ‚Win­dows 98-Sta­tus‘ auf ‚Win­dows 10‘ zu brin­gen? Die Ant­wort hat drei Buch­sta­ben, Herr Polenz, und lau­tet CDU.“

Die voll­stän­di­gen Bei­trä­ge fin­den Sie hier.

Corona-Update

Die seit zwei Wochen stei­gen­de Inzi­denz-Kur­ve für Deutsch­land hat übers Wochen­en­de eine leich­te Del­le bekom­men. Das Robert-Koch-Insti­tut mel­de­te heu­te Mor­gen eine bun­des­wei­te Wochen­in­zi­denz von 153,7 (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche) – nach einem Wert von 154,8 am Mon­tag. Es kann aller­dings sein, dass die­ser Effekt in Wirk­lich­keit nicht exis­tiert, son­dern sich nur in der Sta­tis­tik zeigt, weil die über das Wochen­en­de weni­ger Mel­dun­gen ein­ge­gan­gen sind. Ein ande­rer Wert, der noch ganz inter­es­sant ist: 55 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land sind voll­stän­dig geimpft. Das geht eben­falls aus Zah­len des Robert-Koch-Insti­tuts hervor.

In den Schu­len gilt ab heu­te kei­ne Mas­ken­pflicht mehr. Dar­über berich­tet unter ande­rem der WDR. Regel­mä­ßi­ge Tes­tun­gen wird es bis Weih­nach­ten aber wei­ter­hin geben.

Zu den Zah­len für Müns­ter: Die Wochen­in­zi­denz hat sich heu­te bei 88,8 ein­ge­pen­delt. Das mel­det die Stadt. In Müns­ter hat sich übers Wochen­en­de eini­ges getan, und wenn auch hier weni­ger Infek­tio­nen gemel­det wor­den sind als unter der Woche, könn­te der tat­säch­li­che Wert noch etwas höher sein. Am Frei­tag lag er bei 78,1. Und weil die Pan­de­mie im Moment wie­der ordent­lich in Fahrt gekom­men ist, hat das Amt für Kom­mu­ni­ka­ti­on dem Lei­ter des Gesund­heits­amts eini­ge Fra­gen gestellt, die sich zur­zeit vie­le stel­len. Die Ant­wor­ten fin­den Sie hier.

Unbezahlte Werbung

In sie­ben Wochen ist Weih­nach­ten. Sie wis­sen das natür­lich. Und wahr­schein­lich haben Sie längst alle Geschen­ke zusam­men. Falls nicht, hät­te ich noch zwei Geschenk­tipps und eine Advents­ka­len­der-Emp­feh­lung aus Müns­ter. Der Advents­ka­len­der („Wich­te­li­ge Weih­nach­ten“) besteht aus 24 Klapp­kar­ten, auf denen Anne Rum­me­nie die Weih­nachts­ge­schich­te erzählt, auf jeder Kar­te steht ein klei­ner Teil. Der Geschenk­tipp ist ein Kri­mi­füh­rer für Müns­ter von Micha­el Bühr­ke. Das 296 Sei­ten dicke Buch ist in der ver­gan­ge­nen Woche erschie­nen, also noch ganz frisch. Micha­el Bühr­ke, Pres­se­spre­cher bei den Ale­xia­ner-Kli­ni­ken und Redak­teur des Maga­zins Alles Müns­ter, hat für sein Buch die Dreh­ar­bei­ten vom Müns­ter-Tat­ort und dem Wils­berg besucht. Er hat Inter­views geführt, er erklärt Hin­ter­grün­de. Und so ist es am Ende eine Mischung aus Kri­mi- und Stadt­füh­rer gewor­den. Das drit­te Buch eine Bio­gra­fie. Alex­an­der Heflik, Sport­chef der West­fä­li­schen Nach­rich­ten, hat Erwin Kos­ted­de por­trä­tiert, Deutsch­lands ers­ten schwar­zen Fuß­ball­na­tio­nal­spie­ler. Das Buch war nomi­niert bei der Wahl zum Fuß­ball­buch des Jahres.

Drinnen und Draußen

Johan­ne Burk­hardt hat sich heu­te für uns den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der ange­se­hen. Das hier sind ihre Empfehlungen.

+++ Am Don­ners­tag star­tet das jähr­li­che Film­fes­ti­val „Queer­strei­fen“ im Cine­ma. Unter dem Mot­to „Fami­lie“ wer­den vier inter­na­tio­na­le Fil­me gezeigt, die das Ver­hält­nis von quee­ren Men­schen zu ihren bio­lo­gi­schen Fami­li­en ergrün­den. In der zwei­ten Rubrik zeigt das Fes­ti­val Fil­me, die von quee­ren Bezie­hun­gen in der Geschich­te erzäh­len. Dazu gehört auch das viel­ge­prie­se­ne vik­to­ria­ni­sche Lie­bes­dra­ma Ammo­ni­te mit Kate Wins­let, das am Don­ners­tag in Deutsch­land Pre­mie­re hat. Das gan­ze Pro­gramm fin­den Sie hier.

+++ Unser Gast­au­tor Joshua Kocher hat für sei­nen RUMS-Bei­trag über Tier­ver­su­che an der Uni Müns­ter mit dem Lei­ter der Koor­di­nie­rungs­kom­mis­si­on für tier­ex­pe­ri­men­tel­le For­schung der WWU, Ste­fan Schlatt, über einen ethi­schen Umgang mit Ver­suchs­tie­ren gespro­chen. Am Don­ners­tag­abend um 18 Uhr kön­nen Sie das selbst auch tun. Bei der öffent­li­chen Ring­vor­le­sung der Uni Müns­ter spre­chen Ste­fan Schlatt und Kat­ja Sie­ge­ler über Tier­ver­su­che und Tier­hal­tung an der WWU. Der Vor­trag kommt aus der Rei­he „Tier­schutz – Tier­wohl – Tier­ethik“. Das gesam­te Pro­gramm fin­den Sie hier.

+++ „Wie wird aus einer Lüge für vie­le Men­schen die Wahr­heit?“, das fragt die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung in ihrem Pod­cast Netz aus Lügen“. In sie­ben Fol­gen geht der Pod­cast Fehl­in­for­ma­tio­nen auf den Grund: wo Sie her­kom­men und was Sie für eine Demo­kra­tie bedeu­ten. Bis­her sind drei Fol­gen erschie­nen. Die aktu­el­le Fol­ge ist eine Rei­se in die Ver­gan­gen­heit des sowje­ti­schen Geheim­diens­tes KGB, über deren „akti­ven Maß­nah­men“ und wie die­se die heu­ti­gen rus­si­schen Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen beein­flusst haben.

Und eine Emp­feh­lung hät­te ich auch noch:

+++ Mor­gen Abend liest Ste­fa­nie Sarg­na­gel in der Pen­si­on Schmidt beim Müns­ter­land-Fes­ti­val aus ihrem Buch „Dicht“, das es in Öster­reich auf Platz zwei der Best­sel­ler­lis­te geschafft hat. Ste­fa­nie Sarg­na­gel hat einen ganz wun­der­ba­ren absei­ti­gen Humor. Wenn Sie sich das gar nicht vor­stel­len kön­nen, schau­en Sie doch mal auf ihre Insta­gram-Sei­te. Und wenn Sie zu mor­gen noch eine Kar­te bekom­men kön­nen, mein Tipp wäre: Gehen Sie hin.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Ann-Mar­len Hoolt. Haben Sie bis dahin eine gute Woche.

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit Johan­ne Burkhardt


PS

Heu­te zum Abschluss mal eine Kor­rek­tur, aller­dings zu einem Text, den wir selbst gar nicht geschrie­ben haben, näm­lich die Nadann-Kolum­ne Pres­se­aus­weis. Die The­men sind in die­ser Woche der „Aus­nah­me­fuß­bal­ler“ Joshua Kim­mich, der „abwech­selnd vom Zeit­geist gehetz­te und den Zeit­geist het­zen­de SPD-Exper­te“ Karl Lau­ter­bach und das Imp­fen. Sie sehen schon, in wel­che Rich­tung das geht. Arno Tils­ner schreibt, „1.000 Redak­ti­ons­stu­ben“ hät­ten Kim­mich ein „glas­kla­res Argu­ment“ aus der Hand geschla­gen, näm­lich dass es noch kei­ne Lang­zeit­stu­di­en gebe. Und okay, dem Medi­zin-Pro­fes­sor Lau­ter­bach glaubt Tils­ner nicht. Aber es gibt ja auch noch den Bio­che­mie-Pro­fes­sor und Chef des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts Klaus Cichu­tek, der sagt: „Lang­zeit-Neben­wir­kun­gen, die erst nach Jah­ren auf­tre­ten, sind bei Impf­stof­fen gene­rell nicht bekannt.“ Die Ärz­tin Nata­lie Grams-Nob­mann erklärt immer wie­der, war­um das so ist. Das macht sie zum Bei­spiel hier: „Die Impf­stoff­be­stand­tei­le wer­den im Kör­per recht schnell abge­baut & sind dann nicht mehr vor­han­den, d.h. sie kön­nen auch nicht irgend­wann spä­ter noch eine Reak­ti­on im Kör­per her­vor­ru­fen.“ Was aber tat­säch­lich mög­lich wäre: sehr sel­te­ne Neben­wir­kun­gen. Bis es Erkennt­nis­se dar­über gibt, ver­geht nor­ma­ler­wei­se eini­ge Zeit. In die­sem Fall wer­den aber Mil­lio­nen von Imp­fun­gen in etwa gleich­zei­tig ver­ab­reicht. So hat man auch schon eini­ge Neben­wir­kun­gen ent­deckt, etwa Herz­mus­kel­ent­zün­dun­gen, Throm­bo­sen. Und daher kann man davon aus­ge­hen, dass Neben­wir­kun­gen, die jetzt noch nicht auf­ge­tre­ten sind, wirk­lich sehr sel­ten sind – sel­te­ner als Lang­zeit­fol­gen von Covid-19. Am Ende von Tils­ners Kolum­ne gibt’s dann noch einen Sei­ten­hieb für die „Deut­schen Main­stream-Medi­en“ (woher ken­nen wir das noch mal?), die so ein Geschwur­bel glück­li­cher­wei­se nicht ver­brei­ten. Kor­ri­gie­ren konn­ten wir den Feh­ler lei­der nicht.