- RUMS
- Beiträge
- Kurzbriefe
- Kurzbrief von Sebastian Fobbe
Die Zukunft des Eigenheims | Unverpackte Lebensmittel von Namiko | RUMS jetzt drei Monate zum halben Preis lesen


Münster, 23. Juni 2023
am Dienstag war der Architekt Jan Kampshoff zu Gast in der RUMS-Redaktion. Der Verein „Rund um Münster“ hatte ihn zu einem Gespräch mit Ralf Heimann eingeladen, bei der es um eine Entscheidung des Stadtrats ging, die nicht nur in Münster, sondern auch andernorts diskutiert wurde.
Erinnern wir uns kurz: In der vorletzten Sitzung verabschiedeten die Ratsmitglieder eine neue Bauleitplanung, die den Neubau von Einfamilienhäusern in Münster stark einschränken wird (RUMS-Brief). Die Westfälischen Nachrichten titelten im Vorfeld der Abstimmung: „Zerplatzt nun der Traum junger Familien?“ Auch überregionale Medien griffen den Ratsbeschluss auf: Die Tagesschau drehte einen Beitrag darüber und „die Welt“ schrieb, die Entscheidung komme „faktisch einem Verbot des Einfamilienhauses gleich“.
„Ja, aber“ beim Klimaschutz
Vorgestern legte „die Welt“ noch einmal nach. In einem Kommentar heißt es, die Debatte werde so emotional geführt, weil es beim Wohnen um einen persönlichen Lebensentwurf geht, und der habe eindeutige Vorteile: „mehr Platz, ein eigener Garten, mehr Ruhe“.
Und da sei es ja auch nicht verwunderlich, dass das freistehende Einfamilienhaus „die mit Abstand beliebteste Wohnform in Deutschland“ und der „Lebenstraum von Millionen Menschen“ sei, heißt es weiter. Gleichzeitig stelle sich in der Einfamilienhausdebatte auch eine klimapolitische Frage: „Wie viel sind wir bereit für den Klimaschutz aufzugeben und wo befindet sich der größte Hebel für CO2-Einsparungen?“
Laut „Welt“ bestehe Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz – aber nicht um jeden Preis: „Wir müssen uns klarmachen, welche Themen das Potenzial haben, die Gesellschaft zu zerreißen“, heißt es in dem Kommentar. Ein solches Thema wäre ein mögliches Einfamilienhausverbot.
Den Bestand nutzen
Bloß: Niemand möchte Einfamilienhäuser verbieten – der Neubau wird durch die klimagerechte Bauleitplanung nur stark begrenzt. Jan Kampshoff bezweifelte am Dienstag außerdem, dass das freistehende Einfamilienhaus eine überaus beliebte Wohnform ist. Es gibt zwar Umfragen, die das andeuten (diese zum Beispiel). Allerdings ist die Frage auch suggestiv gestellt: Wer würde denn auf die Frage „Wünschen Sie sich ein Einfamilienhaus?“ ernsthaft mit Nein antworten?
Natürlich kann man sich das wünschen. Es ist ja auch schön, in einem freistehenden Einfamilienhaus zu wohnen. Aber ist es auch immer die beste Wohnform? Kampshoff sagte, die Größe der Haushalte schrumpfe inzwischen, Berlin sei schon zur Hälfte von Singlehaushalten bevölkert. Das ist in Münster übrigens genauso.
Dieser Trend dürfte sich auch fortsetzen, sagte Kampshoff. Durch die demografische Entwicklung werden immer mehr Menschen alleine in großen Häusern leben und die werden dann auch irgendwann frei. Die logische Konsequenz: Statt neue Einfamilienhäuser zu bauen, beziehen die Menschen bereits bestehende Eigenheime.
Klare Nachteile
Ein Punkt komme in der Einfamilienhausdebatte laut Jan Kampshoff zu kurz: Einfamilienhäuser haben auch offensichtliche Nachteile. Der Flächenverbrauch und die Klimaschädlichkeit sind das eine (dazu ein Kommentar von Jan Kampshoff auf unserer Instagram-Seite). Ich möchte aber auf einen anderen Aspekt hinaus, den Kampshoff angesprochen hat: Wer in einem Einfamilienhaus wohnt, produziert massive Kosten.
Dazu zwei Zahlen aus einem Bericht der Stiftung Baukultur: Die Erschließungs- und Folgekosten für Straßen, Ab- und Trinkwasser und Strom liegen bei 29.600 Euro pro Einfamilienhaus. Kompakte Mehrfamilienhäuser kommen hingegen auf nur 3.600 Euro. Je dichter gebaut, desto günstiger also für die Städte und Gemeinden. Aber warum spricht niemand darüber? Jan Kampshoff sagte dazu, niemand wolle die Klientel, die im Einfamilienhaus lebt, als kostspieliges Problem bewerten.
Alternative zum Privileg
Fazit: Nüchtern betrachtet spricht nicht viel für das freistehende Einfamilienhaus. Für Lia Kirsch, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat, ist das Leben im Einfamilienhaus „ein Privileg“. Im Mai sagte sie im Rat, es brauche in Münster mehr bezahlbaren Wohnraum und neu gebaute Eigenheime trügen zur Suche nach Lösungen nicht bei. Stattdessen könne man „tolle Mehrfamilienhäuser bauen mit Balkonen, Gärten und Gemeinschaftsräumen“.
In der Debatte um die Einfamilienhäuser in Münster ist vollkommen untergegangen, dass der Rat in derselben Sitzung den Weg für ein Bauvorhaben freigemacht hat, das zeigt, wie so ein „tolles Mehrfamilienhaus“ als Alternative zum Eigenheim aussehen kann. Es geht um den Grünen Weiler in Gievenbeck. Schauen wir uns dieses Projekt heute einmal genauer an. (sfo)
Ein-Satz-Zentrale
+++ In den kommenden Wochen kann es gut sein, dass sich die Abfallabfuhr verzögert, weil Personal fehlt. (Stadt Münster)
+++ Ab Montag ist die Straße Max-Klemens-Kanal zwischen Heidegrund und Am Knapp etwa zwölf Wochen lang gesperrt. (Stadt Münster)
+++ Der Bau einer neuen Kita in Kinderhaus geht nun los, sie soll im Herbst 2024 eröffnet werden. (Stadt Münster)
+++ Die Gruppe Fridays for Future hat ihr Klimacamp bis Sonntag verlängert, um ein paar Programmpunkte nachzuholen, die unwetterbedingt ausgefallen waren. (Fridays for Future, via Instagram)
+++ Die Polizei sucht Zeug:innen, die Hinweise zu dem Mann geben können, der mutmaßlich am Dienstagnachmittag gegen 17 Uhr eine 22-Jährige in einer Buchhandlung an der Salzstraße sexuell belästigt hat. (Polizei Münster)
+++ Außerdem sucht die Polizei eine Frau, deren Hund am Montag kurz nach Mittag einen 12-jährigen Jungen gebissen und leicht verletzt hat. (Polizei Münster)
+++ Forscher:innen der Uni Münster werden ziemlich oft zitiert, weswegen die Uni im sogenannten Leiden-Ranking deutschlandweit den fünften Platz belegt. (Uni Münster)
+++ Die DGB-Jugendbildungsreferentin Janna Frydryszek hat zusammengefasst, worauf Jugendliche bei Ferienjobs achten sollten. (MünsterTube)
+++ Das Bündnis gegen Queerfeindlichkeit hat eine Umfrage über queerfeindliche Gewalt in Münster gestartet. (Bündnis gegen Queerfeindlichkeit)
+++ Münster hat mal wieder einen ersten Platz belegt, und zwar beim Deutschen Fahrradpreis, dieses Mal mit der Kanalpromenade. (Stadt Münster)
+++ Nächste Woche ziehen drei Abteilungen der Bezirksregierung Münster in ein neues Gebäude an der Joseph-König-Straße 3 um und sind ab dem 28. Juni unter der neuen Adresse erreichbar. (Bezirksregierung Münster)
+++ Sehr viele junge Menschen sind heute auf einer Tanzdemo durch die Innenstadt (und an der RUMS-Redaktion vorbei) gezogen, um für den Erhalt der Subkultur in Münster zu protestieren. (eigene Augen)
Unbezahlte Werbung
Vor ein paar Wochen hatten wir darüber berichtet, dass Ende des Monats der letzte Unverpacktladen in Münster schließt (RUMS-Brief). Wenn Sie trotzdem weiterhin unverpackt einkaufen wollen, hier ist eine Alternative: Bei Namiko können Sie unverpackte Lebensmittel bestellen, die der Verein im Bio-Großhandel besorgt. Die Lieferungen finden immer an bestimmten Terminen statt, dann müssen Sie zur Abholung erscheinen und Ihre Bestellung in mitgebrachte Behälter abfüllen. Das nächste Mal können Sie am 30. Juni und 1. Juli an der Trafostation Ihre Bestellung abholen.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Fabian Cohrs hat heute ein paar schöne Tipps für Sie herausgesucht:
+++ Ab heute Abend läuft im Schlosstheater der Dokumentarfilm „The Scars of Ali Boulala“, der schon vor zwei Jahren gedreht wurde. Der Film erzählt die Geschichte von Ali Boulala, der in den Neunzigern ein gefeierter Star der Skatingszene war, aber dessen Karriere sich nach einem Motorradunfall änderte. Ali Boulala wird heute Abend im Schlosstheater sogar anwesend sein. Tickets gibt’s hier.
+++ Wir bleiben beim Skating, zumindest halbwegs: Heute Abend spielt um 20 Uhr Dave Collide, Sänger der Skatepunk-Band Bike Age, in Münster. Das Konzert findet in der heilen Welt im Martiniviertel statt, der Eintritt ist frei.
+++ Sind Tomaten wirklich treulos? Um solche Fragen geht es morgen Nachmittag bei einer Führung durch den Botanischen Garten. Die Themen sind Brauchtum, Mythen und Aberglauben in der Pflanzenwelt. Los geht’s um 15 Uhr. Dauer: etwa anderthalb Stunden. Bitte nicht vergessen, sich vorher anzumelden. Das geht per Mail oder am Telefon (0251-8323829).
+++ Morgen startet um 9 Uhr die Hinrunde der Deutschen Meisterschaften im Ultimate Frisbee in Münster. 18 Mannschaften reisen aus ganz Deutschland an. Unter den teilnehmenden Teams ist auch die Mannschaft des SC Münster 08 unter dem Namen „Nullacht! Ultimate“. Der Eintritt ist frei. Die Spiele finden auf dem Gelände des SC Münster 08 in Mauritz am Hallenbad Ost statt.
+++ Schon mal zum Vormerken, weil man sich anmelden muss, wenn man an einer geführten Tour teilnehmen möchte: Am 8. und 9. Juli öffnen in Handorf achtzehn Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers, Gärten und Ausstellungsräume. Das Ganze heißt: „DieWerse Kunsttour“. Die geführten Radtouren zu den Ateliers bietet der Allgemeine Deutsche Fahrradclub an. Und unter uns: Einer der kompetenten und sympathischen Guides ist Stephan Biermann, der unseren Verein „Rund um Münster“ leitet. Auf dem Programm stehen auch Lesungen und Livemusik. Alles Weitere finden Sie hier. Und ach ja, der Eintritt ist frei.
+++ Das Pumpenhaus feiert am Sonntag Saisonabschluss und Sommerfest inklusive Backstage-Bar, DJ und einer Open Stage für alle, die etwas aufführen oder erzählen möchten. Los geht es um 16 Uhr.
Was steht sonst so im RUMS-Brief?
Kennen Sie das Onlinemagazin Perspective Daily aus Münster? Die Redaktion ist nur ein paar hundert Meter von unserem RUMS-Büro entfernt. Perspective Daily macht wie RUMS konstruktiven Journalismus: Wir suchen nach Lösungen und versuchen aufzuzeigen, wie sich Probleme beheben lassen.
Zusammen mit Perspective Daily haben wir zum Grünen Weiler in Gievenbeck recherchiert. Die Wohnungsgenossenschaft will alles richtig machen: Sie will einen Wohnort für alle schaffen, bezahlbare Mietwohnungen entstehen lassen und das auch noch mit einem Nachhaltigkeitskonzept.
Im heutigen RUMS-Brief stellen wir Ihnen den Grünen Weiler vor. Wenn Sie die Recherche interessiert, schauen Sie doch einmal hier und schließen Sie ein RUMS-Abo ab. Die ersten drei Monate zahlen Sie für die volle Ladung RUMS auch nur die Hälfte des Normalpreises.
Am Dienstag schreibt Ihnen Svenja Stühmeier. Kommen Sie gut durchs Wochenende.
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
PS
Am Donnerstagabend wies uns jemand auf ein Video hin, das zeigt, wie ein Storch im Zoo in den Maschen des Geiergeheges festhängt. Es war erst kurz zuvor veröffentlicht worden. Die „Taubenfreunde Münster“ hatten es mit dem Hinweis „Tierquälerei im Allwetterzoo Münster“ auf ihrer Instagramseite veröffentlicht. Die Reaktionen in den Kommentaren sind erschrocken bis empört. Aber was war da los? Wir haben den Zoo gefragt. Ein Sprecher schickte am Morgen eine Stellungnahme. Die Bilder seien auch dem Team des Zoos sehr nahe gegangen, heißt es. Es sei ein Dilemma gewesen. Die Störche seien Wildvögel, die vom Zoo nicht gefüttert oder versorgt würden. Die Gänsegeier dagegen schon. Und mit einem Rettungseinsatz hätte man die jungen Geier möglicherweise so in Panik versetzt, dass sie aus ihren Nestern gefallen wären. Daher habe man abwägen müssen. Am Freitagmorgen habe sich die Chance ergeben, den Storch zu retten, ohne die Geiervoliere zu betreten. Laut den „Taubenfreunden“, die inzwischen ihrerseits ein Videostatement veröffentlicht haben, ist der Storch inzwischen gestorben. Ob das stimmt, wissen wir nicht. Der Zoosprecher erklärt in seiner Stellungnahme auch das grundsätzliche Problem: Die Störche bauten ihre Neste immer wieder auf der Voliere. Entfernen dürfe man sie nicht. Der Sprecher fasst das Problem in einem Satz sehr schön zusammen: „ Es ist sehr schwer, den Störchen zu sagen, wo sie ihre Nester bauen sollen und wo nicht.“ (rhe)