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Warum Sparen so schwierig ist | Unbezahlte Werbung: Dat Werkhues | RUMS 6 Monate für 1 Euro testen!

Guten Tag,
Münsters Kämmerin Christine Zeller hat in dieser Woche zwei dicke Bände von knapp 400 und über 700 Seiten voller Zahlen vorgelegt, die sich in drei Worten zusammenfassen lassen: Münster muss sparen. Vielleicht könnte man noch ein viertes ergänzen: dringend.
Im nächsten Jahr fehlen ungefähr 50 Millionen Euro, im übernächsten ungefähr 30 (weiter unten ein Überblick). Aber so richtig will sich für die Dimension kein Gefühl einstellen.
Donald Trump hat von der „New York Times“ zuletzt umgerechnet 13 Milliarden Euro verlangt, weil dort etwas zu lesen war, was ihm nicht gefiel. Also umgerechnet 260 Münsteraner Haushaltslöcher für ein paar kritische Sätze. Das bisschen Geld wird man doch wohl irgendwie rausstreichen können. So sieht es jedenfalls aus.
Es scheint aber doch nicht so leicht zu sein. Im vergangenen Jahr hatte Christine Zeller angekündigt, pro Jahr 20 Millionen zu sparen, später pro Jahr sogar 40. Im ersten Jahr gelang es dann doch nur, 15 Millionen aus dem Haushalt zu schneiden. Ein Viertel fehlte. Dafür sollen es in den späteren Jahren jetzt etwas mehr sein.
Aber warum ist das so schwer, aus einem so gewaltigen Betrag – es geht um 1,7 Milliarden Euro – mickrige 50 Millionen herauszukürzen? Das liegt zum einen daran, dass die Stadt vieles gar nicht kürzen darf. 80 Prozent des Geldes, das die Stadt ausgibt, ungefähr 1,4 Milliarden Euro im nächsten Jahr, sind fest für Pflichtaufgaben eingeplant. Da lässt sich nichts machen.
Bleiben Zuschüsse, Förderungen und Veranstaltungen, die zwar schön, aber auf den ersten Blick verzichtbar sind. Im nächsten Jahr fällt zum Beispiel das Sommerfest der Gleichstellung aus. An der Burgstraße im Südviertel wird kein Spielplatz gebaut – und das, obwohl das Geld dafür da wäre. Es fehlt Geld für den Unterhalt, 50.000 bis 100.000 Euro im Jahr. In den Haushaltsverhandlungen wird noch mehr gestrichen, kleine Dinge, die aber fehlen werden.
Und das ist der entscheidende Punkt: Hinter jeder Zahl steht eine Geschichte. Am deutlichsten wird das an den kostenlosen E-Mail-Adressen mit der Endung „@muenster.de“, die Münster seit Ende der 90er-Jahre anbietet. Sie kosten 60.000 Euro im Jahr, bis 2030 also 300.000 Euro.
Die Frage ist: Muss die Stadt einen eigenen E-Mail-Dienst unterhalten, wo es doch Dutzende kostenlose Alternativen gibt? Nein, muss sie nicht. Ein E-Mail-Dienst gehört nicht zu den klassischen Aufgaben einer Kommune. Abschalten könnte man ihn ohne Probleme. Niemand hätte Kosten. Niemand würde seinen Job verlieren. Es würde nicht mal Geld kosten, den Dienst abzuschalten. Also weg damit?
Genau das hat die Stadtverwaltung Anfang November vorgeschlagen. Doch dann brach ein kleiner Sturm los. Ungefähr 10.000 Menschen nutzen den Dienst, und das sind nicht einfach Karteileichen. Verschickt man für längere Zeit keine E-Mails, wird das Konto gelöscht. Es sind also 10.000 Menschen, die Behörden, Firmen und Freunden mitteilen müssten, dass sie eine neue E-Mail-Adresse haben. Und sie müssten wissen, wie man sich ummeldet. Die letzte Anmeldung ist ja im Zweifel 25 Jahre her.
Fragt man bei den Parteien, hört man, es seien noch nie so viele E-Mails gekommen wie zu diesem Thema. Von Vereinen, die diese Adressen nutzen. Von älteren Menschen, die in Sorge sind, weil sie sich mit dem Umstieg überfordert fühlen. Das alles sieht man nicht, wenn man auf die Zahlen schaut.
Grüne, SPD, Volt und CDU haben der Verwaltung nun den Auftrag gegeben, einen Weg zu finden, das Angebot beizubehalten, ohne jedes Jahr 60.000 Euro dafür auszugeben. Die CDU hat sogar eine Sprechstunde eingerichtet. Und das alles wegen einer E-Mail-Adresse.
Man kann sich also ungefähr vorstellen, warum das mit den Haushaltsverhandlungen nicht ganz so einfach ist. Weitere Beispiele für Dinge, die man auf den ersten Blick einfach kürzen kann, auf den zweiten aber doch nicht so leicht, wird es vermutlich in den nächsten Monaten geben. Zur Erinnerung: 50 Millionen Euro, das sind umgerechnet 833 städtische E-Mail-Dienste. (rhe)
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In Münster gibt es zu viele Hausärzt:innen. Zumindest wenn es nach der Bedarfsplanung des Gemeinsamen Bundesausschusses geht. Die legt fest: 1.633 Einwohner:innen sollen in einer Stadt oder einem Kreis pro Hausarzt versorgt werden. Münster ist laut der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe sogar überversorgt, es dürfen sich keine weiteren Hausärzt:innen niederlassen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede, wie viele Hausärzt:innen in den einzelnen Vierteln arbeiten. In Berg Fidel schließt im kommenden Jahr die einzige Hausarztpraxis (RUMS-Brief). Dann sitzt dort kein:e Allgemeinmediziner:in mehr und Patient:innen müssen in andere Viertel ausweichen. Wir fragen uns, ob das ein Problem ist, nicht nur in Berg Fidel. Haben Sie es zu ihrer Hausärzt:in weit oder kennen Sie Bekannte, denen der Weg zu ihrer Hausärzt:in schwerfällt? Melden Sie sich gern bei uns, wir möchten gern darüber sprechen. (rba)

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+++ Die Landtagsabgeordnete Dorothea Deppermann hat angekündigt, im übernächsten Jahr nicht noch einmal für den Landtag zu kandidieren. (Pressemitteilung)
+++ Die Bezirksvertretung Südost hat überraschend klar beschlossen, den Lüderitz- und Woermannweg umzubenennen, weil die CDU-Mehrheit dies trotz parteiinterner Vorbehalte als Gewissensentscheidung und Beitrag zur Verantwortung für die Kolonialzeit sieht. (Westfälische Nachrichten)
+++ Der Münsteraner Steuerrechtler Marcel Krumm nennt das Grundsteuer-Urteil des Bundesfinanzhofs, der die Berechnung der Grundsteuer auf Basis grober Bodenrichtwerte bestätigt hatte, einen „Sieg der Vernunft“. (Spiegel)
+++ Der Chemiker Armido Studer von der Uni Münster erhält den Leibniz-Preis 2026, oft als deutscher Nobelpreis bezeichnet, und damit 2,5 Millionen Euro für sein Forschungsteam. (Westfälische Nachrichten)
+++ Deutsche Städte – darunter auch Münster – fordern in einem gemeinsamen Aufruf an die Bundesregierung, Migration als Chance zu begreifen und durch bessere Finanzierung, schnellere Integration, effizientere Behörden und menschenwürdige Verfahren aktiv zu unterstützen. (Erklärung)
+++ Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag gibt es beispielsweise eine neue ICE-Direktverbindung von Münster nach Graz. (Westfälische Nachrichten, RUMS-Brief)
+++ In dieser Woche hat ein Bagger bei Glasfaserarbeiten an der Warendorfer Straße ein Wasserrohr beschädigt und damit viele Wohnungen vom Wasser abgeschnitten. (WDR Münster)
+++ Milchbauern aus der Region haben am Freitag mit Treckern vor einer Lidl-Filiale in Münster-Wolbeck gegen sinkende Preise und fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit protestiert. (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband)
+++ Eine Baugemeinschaft hat im Oxford-Quartier ein 2.500 Quadratmeter großes Grundstück von der städtischen Tochter „Konvoy“ gekauft, um dort ein Holzhaus mit 23 Eigentumswohnungen, Gemeinschaftsräumen, Garten und einem kleinen Kino zu bauen. (Stadt Münster)
+++ Die Münsteranerin Anne Mosters singt heute Abend im Finale von „The Voice of Germany“. (Westfälische Nachrichten)
Ein:e Leser:in hat uns auf eine kleine Firma aufmerksam gemacht: Dat Werkhues. Vor gut einem Jahr haben sie Jane und Dietmar Aldejohann gegründet. Auf ihrem Hof etwas außerhalb von Münster stellen die Innenarchitektin und der Tischlermeister tolle Produkte her, etwa aus Holz, Papier und Ton. Zum Beispiel Schneidebretter, Deko und Spiele. Besonders wichtig ist ihnen dabei, möglichst regional und ressourcenschonend zu arbeiten. In ihrem Onlineshop halten sie gerade besonders schöne Geschenkideen für Weihnachten parat. Alternativ finden Sie sie mit einem Stand am 20. und 21. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt am Mühlenhof. Falls Sie es nicht dorthin schaffen, schauen Sie doch zwischendurch auf dem Instagram-Kanal vorbei – dort teilen die beiden, auf welchen Märkten sie unterwegs sind.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
Svenja Stühmeier hat heute in den Veranstaltungskalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:
+++ In der Gazelle steigt heute Abend ein Tauben-Rave. Das bedeutet: Ab 22 Uhr legt DJ Fabiasco auf, Sie zahlen knapp 8 Euro für eine gute Party – und spenden ganz automatisch einen Teil davon an die Taubenfreunde Münster. Sie brauchen das Geld für ihren wahrscheinlich bald anstehenden Umzug.
+++ Dieses Wochenende haben Sie gleich zweimal Gelegenheit, Museen am späten Abend zu besuchen: Heute Abend ist wieder Langer Freitag im LWL-Museum für Kunst und Kultur, der Eintritt ist frei. Übrigens: Dort gibt es seit diesem Jahr Führungen in unterschiedlichen Sprachen. Heute ist Serbokroatisch an der Reihe. Hier gibt es kostenlose Tickets. Das Naturkundemuseum lädt am Samstag zu den „Fantastischen Tierwelten“ ein. Es gibt Aktionsstände, Livemusik und Shows im Planetarium. Die Veranstaltung geht von 19 bis 23 Uhr. Tickets kosten 10 bzw. 5,50 Euro.
+++ Morgen Abend tritt Sängerin Joy Bogat im Hot Jazz Club auf. Ihre Musik liegt irgendwo zwischen Soul, Indie und Alternative RnB. Im Rahmen ihrer Show „What it means to …“ präsentiert sie mit ihrem Quartett flächige Sounds. Viele ihrer Songs thematisieren Identität und Weiblichkeit. Tickets kosten gut 20 Euro.
+++ Am 13. Dezember 1941 begannen die Deportationen von jüdischen Menschen aus Münster in Vernichtungslager im besetzten Osteuropa. Eine Gedenkveranstaltung findet Sonntag um 11:30 Uhr an der Stele Ecke Warendorfer Straße/Kaiser-Wilhelm-Ring statt. Um 12 Uhr lädt die Villa ten Hompel anschließend zum Vortrag und Gespräch mit Lorenz Hemicker ein. Titel: „Mein Großvater, der Täter“. Weitere Infos hier.
+++ Ebenfalls am Sonntag beginnt das jüdische Lichterfest Channuka. Zu diesem Anlass wird auf dem Maria-Euthymia-Platz das erste Licht der Channukia entzündet. Bis zum 21. Dezember kommt täglich um 16 Uhr eines dazu (außer am 20., wegen des Schabbats trifft man sich erst um 17:30 Uhr). Weitere Infos hier.
+++ Lars Jessen hat den ehemaligen Grünen-Parteivorsitzenden Robert Habeck im diesjährigen Wahlkampf begleitet und daraus einen Film gemacht. Zu sehen ist der Dokumentarfilm „Jetzt. Wohin. Meine Reise mit Robert Habeck“ Sonntag, Montag und Dienstag im Schlosstheater. Tickets gibt es hier.
+++ Der Fachbereich Chemie und Pharmazie der Uni Münster lädt zur Weihnachtsvorlesung ein. Titel: „Es werde Licht!“. Professor Uwe Karst und Chemielaborant Michael Holtkamp gehen Fragen nach wie zum Beispiel: Wie nehmen wir Licht wahr? Wie lässt sich farbiges Licht erzeugen? Die Vorlesung findet am 16. Dezember im Hörsaal C1 an der Wilhelm-Klemm-Straße 6 statt. Los geht’s um 17 Uhr, Einlass ist ab 16:45 Uhr.
Und sonst?
Die Ratssitzung am Mittwoch endete überraschend versöhnlich. Ich habe über das neue Verhalten der CDU geschrieben und was das mit der AfD und der Rolle in der Opposition zu tun hat.
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Am Dienstag schreibe ich Ihnen wieder. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Anna Niere (ani), Jan Große Nobis (jgn), Svenja Stühmeier (sst), Raphael Balke (rba) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth
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PS
Ruprecht Polenz streitet in dieser Woche in der „Zeit“ mit dem wirtschaftsliberalen Lobbyisten Thorsten Alsleben (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) darüber, ob eine Minderheitsregierung der Union sinnvoll wäre, also ob es sinnvoll wäre, die SPD irgendwie loszuwerden. Sie steht nach Alslebens Eindruck großen Reformen im Weg. Minderheitsregierung würde allerdings bedeuten, dass Entscheidungen auch mit AfD-Stimmen zustandekommen könnten. Polenz, der sich mit der neuen CDU-Gruppe „Compass Mitte“ gegen den Rechtskurs seiner Partei stellt, sieht das anders. Er sagt: Das würde die AfD „faktisch an die Macht holen“ und die CDU erpressbar machen. Auf Alslebens Bemerkung, Polenz sei jetzt wohl auch im Merz-Fanclub, sagt Polenz: „Fan bin ich nur von Preußen Münster und dem HSV.“ Am Sonntag lesen Sie bei RUMS von Ruprecht Polenz. Dann kommt seine neue Kolumne. (rhe)


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