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Wann kommt endlich der Klimabericht? | RUMS-Reportage: Operieren im Homeoffice | RUMS 3 Monate zum halben Preis


Münster, 7. Februar 2023
vor zweieinhalb Jahren hat der Rat der Stadt beschlossen, dass Münster im Jahr 2030 klimaneutral werden soll – und dass der Oberbürgermeister einmal im Jahr darüber berichten soll, wie es dabei vorangeht. Doch so ein Bericht ist bislang nicht erschienen.
Das Klimabündnis hat die Stadt im vergangenen Jahr gefragt, wo der Bericht denn bleibt, aber keine Antwort bekommen. Daher haben wir auch noch einmal gefragt.
Am 26. September 2022 schrieb das Kommunikationsamt, das Anliegen sei „nachvollziehbar und berechtigt“, aber die ganze Sache hochkomplex, eine „vollständige, aktuelle und detaillierte Übersicht über alle Aktivitäten und Maßnahmen“ könne man mit „verhältnismäßigem Aufwand“ nicht liefern. Und natürlich, Klimaschutz spielt in allen möglichen Ressorts und Zusammenhängen eine Rolle. Aber was bedeutet „verhältnismäßiger Aufwand“?
Um diese Frage beantworten zu können, hat das Klimabündnis die Stadt am 12. Dezember über das (von RUMS-Mitgründer Christian Humborg mitinitiierte) Informationsfreiheits-Portal „Frag den Staat“ gebeten, alle Informationen, Dokumente und Akten herauszugeben, die zur Berechnung des Aufwands nötig sind.
Die Stadt ließ die gesetzliche Frist um über eine Woche verstreichen und antwortete nach einer erneuten Aufforderung drei weitere Tage später. Sie schrieb abermals, es sei alles hochkomplex und stelle die Verwaltung vor große Herausforderungen. An der Nachricht hing eine Liste mit Links, die das verdeutlichen sollte. Nur die angeforderten Akten und Dokumente, die dabei helfen sollten, die Kosten einzuschätzen, fehlten.
Drei Tage später, am vergangenen Montag, stellte das Klimabündnis die Anfrage noch einmal.
Gestern beantragte Christian Ladleif vom Klimabündnis Akteneinsicht. Er schrieb dem Oberbürgermeister in einem Brief, sein Eindruck sei, die Verwaltung habe den Beschluss des Rates gar nicht umgesetzt.
Den Rat fordert er auf, den alten Beschluss zu erweitern – um ein Monitoringverfahren zur Überwachung der Maßnahmen, dazu um eine Art Alarm-Mechanismus, der signalisieren soll, wenn die Stadt gegensteuern muss, und um eine Verpflichtung: Der Oberbürgermeister soll Jahr für Jahr einen Rechenschaftsbericht abgeben.
Neun Initiativen und Gruppen unterstützen die Anfrage, unter anderem „Fridays4Future“, „Parents4Future“ und das Bündnis Klimaentscheid.
Wir haben die Anfrage gestern noch einmal ergänzt. Wir hätten auch gern eine Auskunft über Zeitpläne und Zuständigkeiten. Außerdem würden wir gern einen Blick in die Korrespondenzen des Oberbürgermeisters und seines Büros zu dieser Sache werfen. Bis eine Antwort kommt, werden wahrscheinlich Wochen vergehen. Und die erste Antwort wird wahrscheinlich nicht die Dokumente enthalten, die wir haben möchten.
Das passiert oft, wenn Menschen ihr Recht geltend machen, einen Blick in Aktenschränke zu werfen. Behörden zieren sich. Manchmal verschwinden ganz zufällig relevante Dokumente, die eigentlich öffentlich sein müssten. Und manchmal müssen am Ende Gerichte entscheiden. Oft braucht man einen langen Atem.
In ihrer Antwort an uns im September schrieb die Stadt, sie könne zwar keine umfassende Auskunft geben, aber sie werde Berichte über „die großen zentralen Stellschrauben“ veröffentlichen, an denen die Stadt drehen kann. Ende 2022 beziehungsweise Anfang 2023 werde man eine stadtweite Energie- und CO2-Bilanz vorstellen und veröffentlichen. Gestern haben wir im Kommunikationsamt noch einmal gefragt, wann das denn passieren wird. Und immerhin das wissen wir jetzt schon. Die Stadt schreibt, in fünf Wochen, zur Sitzung des Klima-Ausschusses am 14. März, werde ein Bericht dazu erscheinen.
Ein-Satz-Zentrale
+++ Münsters Oberbürgermeister hat den vom Erdbeben in der Türkei und Syrien betroffenen Menschen sein Mitgefühl ausgesprochen. (Stadt Münster)
+++ Nach dem Spiel von Preußen Münster gegen Alemannia Aachen am Sonntag sind die Fangruppen der beiden Teams nicht aufeinandergetroffen, weil die Polizei das verhinderte. (Westfälische Nachrichten)
+++ Allerdings: Acht gewalttätige Preußenfans haben am Hauptbahnhof drei Fans aus Aachen angegriffen. (Bundespolizei)
+++ Nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei von der Grevener Straße über das Autobahnkreuz Münster-Süd und A1 bis nach Kinderhaus erwartet einen bekifften Mercedes-Fahrer ein Strafverfahren. (Polizei Münster)
+++ Ein 17-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft, weil er mehrere Taschen aus Fahrradkörben geklaut haben soll. (Antenne Münster)
+++ Die Stadt will in den nächsten vier Jahren mindestens 35 Millionen Euro in Münsters Feuerwehren investieren, um unter anderem besonders Löschfahrzeuge mit großen Tanks für die vermehrten Wald- und Flächenbrände anzuschaffen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Man kann im Moment kein Loop-Taxi bestellen, weil die App spinnt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Am Dahlweg stoppt ein Investor ein großes Bauprojekt mit 300 neuen Wohnungen, weil er sich über die Vorgaben der Stadt ärgert (die sich wiederum über ihn ärgert). (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Himmelsleiter an der Lambertikirche bleibt bis zum Herbst. (Stadt Münster)
+++ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ruft zur Teilnahme an der Friedenskette auf. (MünsterTube)
+++ Immer mehr Leute suchen die Schuldnerberatung der Caritas auf, weil ihnen Corona und die steigenden Preise für Energie und Lebensmittel Geldsorgen bereiten. (Caritas im Bistum Münster)
+++ Die Internationale Fraktion im Rat schlägt eine Gesamtschule im Gebäude der Bezirksregierung vor. (MünsterTube)
Was bewegt Münster?
Wenn unsere Kolumnistin Marion Lohoff-Börger ihre Beziehung zu Masematte beschreibt, der Sprache der kleinen Leute, dann erzählt sie von einem alten, stinkenden Hund, der ihr vor die Tür gelegt wurde. Niemand ist verantwortlich, also muss sie sich kümmern. Das hat ihr schon viel Ärger eingebracht, aber wer will schon, dass so ein Tier stirbt. Über dieses seltsame Verhältnis werde ich am Donnerstagabend in der Veranstaltungsreihe „Was bewegt Münster?“ unseres Vereins „Rund um Münster“ mit ihr sprechen. Sie wird auch zwei Geschichten auf Masematte vorlesen. Kommen Sie doch vorbei, wenn Sie Lust haben. Ich würde mich freuen. Um 19 Uhr geht’s los. Der Eintritt ist frei.
Unbezahlte Werbung
Mittlerweile verzichten fast neun Millionen Menschen in Deutschland auf Fisch und Fleisch oder sogar auf alle tierischen Produkte. Und es werden immer mehr. Vielleicht spornt Sie das ja an, unseren heutigen Tipp einmal auszuprobieren: das Gutscheinheft „Vegan durch Münster und Umgebung“. Damit bekommen Sie in einigen Cafés, Restaurants und auch Bekleidungsgeschäften in Münster Rabatte auf vegane Produkte. Das eine oder andere Angebot hatten wir Ihnen auch schon einmal in der Unbezahlten Werbung vorgestellt, zum Beispiel den syrischen Imbiss Elben, das Café Wilma oder den Modeladen Herr Többen. Das Heft bekommen Sie online für 12,50 Euro.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Was ist die Tage los in der Stadt? Unsere Praktikantinnen Lara Gelbhardt und Frieda Krukenkamp haben sich für Sie umgesehen und umgehört. Das sind ihre Empfehlungen:
+++ Heute Abend geht die Suche nach Leben auf dem Mars weiter. Ein astronomischer Vortrag mit Ulrich Köhler widmet sich dem NASA-Marsroboter Perseverance. Um 19:30 Uhr ist der Berliner Planetengeologe des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu Gast im Planetarium des LWL. Eintritt: 9 Euro oder ermäßigt 5.
+++ Manchmal muss man nicht sprechen, um zu kommunizieren. Wenn Sie lernen möchten, Körpersprache zu lesen, können Sie morgen Abend um 19 Uhr in der Volkshochschule eine Anfang machen. Hermann Hagemann erklärt es. Anmelden nicht vergessen. Tickets kosten 30 Euro.
+++ Die Ausstellung „Eternal Ephermereal“ von Yochanan Rauert beginnt am Freitagabend mit einer Vernissage im Bennohaus. Zu sehen ist eine Bildserie, die sich mit bewegten Fernsehgrafiken aus den Neunzigern beschäftigt. Klingt abstrakt? Mehr Informationen dazu finden Sie hier, oder eben in der Ausstellung. Wie zu jeder guten Vernissage gibt es Sekt und Musik. Los geht’s um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
+++ Stellen Sie sich vor, Sie erfahren per Zufall als erwachsener Mensch, dass Ihr Großvater ein bekannter KZ-Kommandant war. Und Sie haben deutsch-nigerianische Wurzeln und jüdische Freunde in Israel. So ist es der Autorin Jennifer Teege passiert, die danach begann, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Morgen um 19 Uhr liest sie im Hörsaal JO 1 der Uni Münster. Wo war das noch mal? Ach ja, Johannisstraße 4. Mehr Infos finden Sie hier.
+++ Bei einem Spaziergang am Samstag um 11 Uhr erklärt Manfred Röhlen die Vogelwelt der Rieselfelder. Die Veranstalter empfehlen den Rundgang für Jugendliche ab 14. Für Kinder ab 7 Jahren eignet sich ein Termin am Sonntag. Dann geht es um die Frage, was Frösche im Winter machen. Zu beiden Angeboten können Sie sich hier anmelden. Die Teilnahme kostet jeweils unter 10 Euro pro Person.
+++ Sanfte Folk-Sounds in Wohnzimmer-Atmosphäre: Am Donnerstag spielt die Französin Augusta in der Pension Schmidt. Sie besingt ihre Alltagsbeobachtungen und erinnert dabei etwa an den Stil der kanadischen Musikerin Joni Mitchell. Das Konzert beginnt um 20 Uhr in der Pension Schmidt. Die Karten gibt es für 15 Euro hier, ermäßigt für 12 Euro.
Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Falls Sie diese Passage regelmäßig lesen, überspringen Sie am besten den nächsten Satz. Ansonsten: Um RUMS verbessern zu können, würden wir gern wissen, wie Ihnen der Newsletter gefällt. Vielleicht können Sie uns einige Fragen beantworten. Hier geht es zu unserer Umfrage. Vielen Dank schon mal und eine gute Woche!
Was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Ganz schön viel. Andrew Müller von der Reportageschule Reutlingen hat für RUMS einen OP-Roboter ausprobiert, mit dem man operieren kann, ohne im Operationssaal anwesend zu sein. Keine Sorge, es ist niemand verletzt worden.
Dann haben wir noch eine neue Rubrik, in der wir uns ab heute regelmäßig mit Klimathemen beschäftigen. Rürup hat einen Cartoon gezeichnet, in dem es um einen mysteriösen Ballon geht, der über Münster schwebt. Und wir haben viele kleine Neuigkeiten.
Möchten Sie mehr erfahren? Dann abonnieren Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
PS
Wir veröffentlichen regelmäßig Korrekturmeldungen, weil wir Ihnen garantieren möchten, dass die Dinge, die Sie bei uns lesen, richtig sind – in unglücklichen Fällen dann erst im zweiten Anlauf. Das ist oft ärgerlich, aber irgendwie ja auch unterhaltsam. Ich selbst lese Korrekturmeldungen ganz gerne. In der New York Times, die als beste Zeitung der Welt gilt, sind die Korrekturen manchmal so lang wie ein Artikel. Heute zum Beispiel korrigiert die Zeitung vier Fehler. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat neulich, wenn ich richtig gezählt habe, zehn Fehler korrigiert. Allerdings nicht in einer Ausgabe, sondern in einem Artikel. Den ersetzte sie schließlich durch die Korrekturmeldung. In der Ausgabe gestern ging es in einer Korrektur um Münster. FAZ-Redakteur Patrick Bahners war von Juli Zehs und Simon Urbans neuem Roman „Zwischen den Welten“ nicht ganz so begeistert, auch nicht von einer Figur, die Zeh und Urban sich „achtlos“ erfunden hätten, wie Bahners am Samstag schrieb. Die Figur ist die Germanistin Dr. Renate Werner, in deren Seminar zur Erzähltheorie sich die beiden Hauptfiguren des Romans kennenlernten. Das Problem: Renate Werner gibt es wirklich. Sie war Akademische Oberrätin und ging im Jahr 2005 in den Ruhestand, wie in der Korrektur und zum Beispiel auf dieser Seite nachzulesen ist. Dass Renate Werner in dem Roman vorkommt, liegt wahrscheinlich an Simon Urban, der, bevor er Werbetexter und schließlich Autor wurde, vor über 20 Jahren in Münster Germanistik studiert hat. „Wir bitten die Achtlosigkeit des Rezensenten zu entschuldigen“, schreibt die FAZ in ihrer Korrektur. Das „Wir“ korrigierte Patrick Bahners später selbst. Bei Twitter schrieb jemand, man höre im Text die „Selbstzerknirschung“ durch. Das sei also wohl der Autor selbst gewesen, und das ehre Bahners. Bahners antwortete: „Vielen Dank, in der Regel schreiben wir unsere Korrekturen selbst.“