Déjà vu in der Kaufhaus-Krise | Liebe, Sex und Ehrlichkeit | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 14. März 2023

es ist schon wieder gerade noch mal gut gegangen. Karstadt und Kaufhof bleibe Streichliste des Konzerns, die gestern öffentlich wurde. Die Beschäftigten sind erleichtert. Der Oberbürgermeister sagt, die Stadt sei mit einem blauen Auge davongekommen. Und das alles erscheint wie ein Déjà-vu.

Die letzte Streichrunde ist drei Jahre her. Damals kündigte der Konzern an, 62 Häuser zu schließen. Die Westfälischen Nachrichten titelten: „Münster behält seine beiden großen Warenhäuser.“ Jetzt schließen 52 der 129 Filialen. Die Westfälischen Nachrichten schreiben: „Beide Warenhäuser in Münster bleiben erhalten.“

In der Gesamtschau ergeben sich daraus drei Erkenntnisse. Erstens: Große Kaufhäuser geraten immer mehr in Bedrängnis. Zweitens: In Münster sind die Bedingungen offenbar so gut, dass sich weiter zwei große Warenhäuser in unmittelbarer zueinander Nähe betreiben lassen. Und drittens: Ewig wird das nicht mehr gut gehen.

Die Handelsexpertin Hanna Schramm-Klein hat heute Morgen im Deutschlandfunk gesagt, in den Städten, die es nun getroffen hat, habe man im Prinzip schon seit Jahrzehnten mit der Schließung rechnen müssen. „Die Idee, alles unter einem Dach anzubieten, funktioniert nicht mehr“, sagte sie. Die Warenhäuser hätten das Online-Geschäft verschlafen, sie seien „ein bisschen altbacken, nicht auf jüngere Zielgruppen ausgerichtet“. Jede Stadt, die auf die Schließungen nicht vorbereitet gewesen sei, müsse sich das selbst als Defizit ankreiden. Aber was kommt, wenn ein großes Kaufhaus geht?

Gestern Abend haben RUMS-Redakteur Sebastian Fobbe und Jan Kampshoff (Freihaus MS) in der RUMS-Redaktion vor ungefähr 35 Gästen mit der Architektin Andrea Schwappach unter anderem darüber gesprochen. Sie beschäftigt sich für die Stadt Frankfurt mit der Frage, wie der Wandel der Innenstadt gelingen kann.

Und wie kann er gelingen? So genau weiß das niemand. Das bedeutet: Man muss Dinge ausprobieren. Wir kennen das aus Münster von den Verkehrsversuchen oder dem Reallabor an der Wolbecker Straße.

Um herauszufinden, wie Verkehrsraum sich anders nutzen lässt, hat die Stadt Frankfurt zum Beispiel probeweise den Mainkai gesperrt, eine mehrspurige Straße im Zentrum. Im Sommer soll das wieder passieren. So wird der Wandel erfahrbar. Im Handel braucht es dazu kein Experiment.

Seit gestern ist bekannt, dass die bereits aussortierte Karstadt-Filiale an der Zeil Ende des Jahres schließen wird, ein Jahr früher als geplant. Die Entscheidung darüber, was an dieser Stelle passieren wird, fällt in Greven. Das Gebäude gehört dem Immobilien-Unternehmen Sahle. Und das hat bereits angekündigt: Es will das Haus abreißen.

Damit entsteht auch die Chance auf etwas Neues, denn Innenstadt kann etwas ganz anderes sein als Einkaufsmeile. Früher ging es darum, den Menschen bloß keine Gelegenheit zu geben, sich in der Fußgängerzone hinzusetzen, denn das könnte sie ja von den Schaufenstern ablenken. Inzwischen weiß man: Die Innenstädte haben bessere Chancen, wenn die Menschen nicht nur zum Kaufen kommen, sondern auch, weil sie sich gerne in der Stadt aufhalten.

Aber was können die Städte machen? Sie können sich ja nicht aussuchen, welches Unternehmen wo einzieht? Die Karstadt-Immobilie in Münster zum Beispiel gehört der Versicherung LVM. Und die kann selbst entscheiden, wem sie das Gebäude vermietet. Aber können die Städte Einfluss nehmen? „Das Planungsrecht ist ein scharfes Schwert“, sagt Andrea Schwappach. Die Städte können zum Beispiel kleinteiligere Strukturen vorschreiben. So können sie große Ketten ausschließen, die in kleine Läden gar nicht einziehen.

Es gibt positive Beispiele für einen gelungenen Strukturwandel (RUMS-Brief). In Lünen hat die Stadtverwaltung es geschafft, im alten Hertie-Kaufhaus lokale Geschäfte, Arztpraxen und Wohnungen anzusiedeln. In Oldenburg ist aus einem alten City-Center eine Markthalle mit einem großen, hellen Co-Working-Bereich geworden.

Auch in Münster gibt es ein Beispiel für ein großes Kaufhaus in der Innenstadt, aus dem etwas ganz anderes wurde. Im Salzhof, dem alten Karstadt-Haus an der Salzstraße, befinden sich heute das Stadtmuseum und eine Passage im Erdgeschoss. Auch hier hat man versucht, aus einem großen Element viele kleine zu machen. Das ist allerdings nur teilweise gelungen. Über die Schwierigkeiten dabei, die Passage wiederzubeleben, haben wir vor zweieinhalb Jahren berichtet. Eine gute Lösung gefunden hat man noch immer nicht. (rhe)

Klima-Update

+++ Das Bistum Münster hat jetzt eine Klimaschutz-Managerin. Begründet wird das mit dem Gedanken der Schöpfungsbewahrung und christlicher Solidarität. Ende 2024 soll dann ein Klimaschutzkonzept erscheinen. Das betrifft zum Beispiel Gebäude und Grundstücke oder die Mobilität des Bistums. Nun ist das schön und gut. Wenn man aber an Unternehmen und Klimaschutz denkt, so hat man eigentlich andere im Kopf. Hier in der Region haben wir bei einer Auswahl mal nachgefragt, wie es um Klimaschutz in den eigenen Reihen steht. Die Antworten: BASF macht das, Flaschenpost kann das so schnell nicht sagen, Brillux möchte nicht antworten und Westfleisch hat nicht geantwortet. (fkr)

+++ Münster wird 2090 klimaneutral. Moment, da stimmt doch was nicht: hieß es nicht 2030? So wird es aber sein, wenn die CO2-Reduzierung der Stadt weiter verläuft wie bisher. Das schreibt der Klimabeirat der Stadt in einer Stellungnahme. Vergangene Woche erschien nämlich die ernüchternde Energiebilanz von Münster. Am vergangenen Freitag schrieb Ihnen Svenja Stühmeier, wie man solche Ergebnisse kommuniziert, ohne dass wir resigniert und frustriert zurückbleiben. (fkr)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Der Parkhausbetreiber hat sich nun doch dazu entschieden, die defekten Tore am Parkhaus Bremer Platz zu reparieren, weil immer wieder Personen aus der Drogenszene des Hauses verwiesen werden mussten. (Westfälische Nachrichten)

+++ Im Westen von Münster werden immer mehr Giftköder für Hunde gefunden. (Polizei Münster)

+++ Nachdem der neue Rasen wegen der Trockenheit im Sommer und Herbst nicht wuchs, hofft die Stadt nun, dass der Fußballplatz in Gremmendorf nach dem ersten Rasenschnitt im April wieder freigegeben werden kann. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Mensaneubau am Schulzentrum Kinderhaus wurde fertiggestellt. (Stadt Münster)

+++ Viele Eltern wünschen sich eine weitere Gesamtschule im Südosten der Stadt, so steht das Schlaun-Gymnasiums mit seinem Umzug dorthin zur Disposition. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die CDU hat sich zur Regionalkonferenz in Münster getroffen und dort herausgearbeitet, was sie eigentlich von anderen Parteien unterscheidet. (Westfälische Nachrichten)

+++ Es gibt keine Lohnentschädigung für Schlachtbetriebe, die während der Pandemie nicht arbeiten konnten, hat das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden. (WDR)

+++ Die Handwerkskammer fordert, dass Auszubildende ähnliche Vorteile erfahren wie Studierende, zum Beispiel ein Ticket für Bus und Bahn. (Antenne Münster)

+++ Münsters Queergemeinde lobt den Synodalen Weg, da die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auf den Weg gebracht wurde, wünscht sich aber trotzdem weiterführende Beschlüsse. (Queergemeinde)

+++ Das Künstlerkollektiv „Vierwärts“ hatte das Fürstenberg-Denkmal mit Sandsäcken „geschützt“ und hat diese nun gegen Spende für die Stiftung „Himmel über Charkiv“ verkauft. (Westfälische Nachrichten)

Unbezahlte Werbung

Versteckt hinter dem Theater liegt das Ristorante da Leo an der Martinistraße. In einem rustikalen Flair wird hier klassische italienische Küche serviert. Das Personal ist freundlich und serviert schnell. Besonders gut: der Mittagstisch ab 12 Uhr für 13,90 Euro. Sie können sich eins von drei Nudelgerichten aussuchen, dazu gibt es einen Beilagensalat und ein kleines Glas Wein oder ein nichtalkoholisches Getränk. Was natürlich nicht fehlen darf: der Espresso zum Schluss. Das gefällt vielen, deswegen ist Reservieren eine gute Idee.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Lara Gelbhardt hat für Sie geschaut, was in Münster los ist in den kommenden Tagen:

+++ „Einfach rausgehen und machen“ heißt die Naturfotografie-Ausstellung von Michaela Stenz. Wann immer die Hobby-Fotografin Zeit findet, lichtet sie in den Rieselfeldern alles ab, was zirpt, grast oder watschelt. Sie will das zeigen, was wir mit bloßem Auge übersehen. Die Ausstellung ist vom 4. März bis 21. April in der Frauenstraße 24 zu sehen.

+++ Morgen haben Sie die Chance, Schauspieler:innen und Regisseur:innen im Theater Münster kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Der Theatertreff beginnt um 18 Uhr. Die Karten kosten 30 Euro. Für Mitglieder des Schauspielclubs gibt es einen Rabatt.

+++ Der Botanische Garten hat wieder geöffnet. Von 8 bis 19 Uhr können Sie die Pflanzenhäuser besichtigen. Der Eintritt ist frei. Achten Sie auf das Glockengeläut, denn kurz darauf wird der Garten geschlossen.

+++ Am Mittwoch spielt die Blues-Rock-Sängerin Sari Schorr im Hot Jazz Club. Sie wurde kürzlich in die New York Blues Hall of Fame aufgenommen. Das Konzert startet ab 20 Uhr. Karten gibt es ab 21 Euro und an der Abendkasse für 22 Euro.

+++ Katzenklo Katzenklo … Ja, das macht die Katze froh! Helge Schneider spielt diesen Freitag in der Halle Münsterland. Das Konzert startet um 20 Uhr. Tickets gibt es ab 35 Euro hier.

+++ Am Freitag ist Nacht der Bibliotheken. Überall in der Stadtbibliothek werden ab 16:30 Uhr verschiedene Angebote für Erwachsene, Jugendliche und Kinder bis spät in den Abend angeboten. Sie können zum Beispiel hinter die Kulissen der Bibliothek schnuppern und an Lesungen oder Workshops teilnehmen.

+++ Einen Mix aus Musik und Literatur gibts beim „Luftruinen-Festival für kulturelle Vielfalt und gegen Rassismus“. Dabei sind zum Beispiel die Autorinnen Safiye Can und Sybille Lengauer. Musik machen Klaus der Geiger und Marius Peters aus Köln und auch Menschen aus Münster, zum Beispiel Pit Budde und das Duo CaoTina. Das Festival findet am Samstag ab 16 Uhr im Black Box/Cuba Cultur in der Achtermannstraße 12 statt.

Was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Studierende gehen in Schulklassen und sprechen über Sex und Selbstbefriedigung. Damit ist ungefähr das beschrieben, was die Initiative „Mit Sicherheit verliebt“ in 40 Städten anbietet, unter anderem in Münster. Unsere Autorin Hannah Jäger hat sich mit Anna Thimm und Jeanette Weinelt-Kriesemer aus dem Leitungsteam der Initiative getroffen und mit ihnen darüber gesprochen, wie man junge Menschen heute aufklärt – und warum man das etwas anders macht als früher.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Svenja Stühmeier (sst), Jan Große Nobis (jgn), Frieda Krukenkamp (fkr), Lara Gelbhardt (lge)
Lektorat: Laura Badura

PS

Als die Stadt Düsseldorf vor elf Jahren ein neues Logo suchte, gab sie den Auftrag an eine Werbeagentur. Dort drückte irgendwer zwei Mal auf die Tastatur. Das Ergebnis war ein lächelndes Gesicht aus einem Doppelpunkt und einem großen D. Dann peilte man über den Daumen, was man dafür verlangen könnte und schrieb auf die Rechnung: 150.000 Euro. So etwas wollte die Uni Münster nicht riskieren, als sie einen Namen für die neue Kita am Schlossplatz suchte. Daher fragte man die Eltern. 60 Vorschläge gingen ein. Niemand schrieb eine Rechnung. Und jetzt möchten Sie natürlich noch den Namen wissen, für den die Uni sich entschieden hat. Voilà: Kita am Schlossplatz. (rhe)

PPS

Damit es hinterher nicht heißt, wir hätten nicht oft genug drauf hingewiesen: Bis morgen Abend haben Sie noch die Chance, an unserer Umfrage teilzunehmen. Wir würden gern von Ihnen wissen, wie Ihnen RUMS gefällt. Hier entlang.

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