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28. Oktober 2025

Die Stadtbild-Karambolage | Unbezahlte Werbung: Kami Kitchen | RUMS 6 Monate für 1 Euro lesen!

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

ganz erstaunlich, wie es Friedrich Merz immer wieder mit Nebensätzen gelingt, das ganze Land auf die Straße zu bringen. Am vergangenen Donnerstag standen am Abend 1.400 Menschen vor dem CDU-Büro an der Hammer Straße, um gegen die Stadtbild-Äußerung von vor zwei Wochen zu demonstrieren, also im Grunde für mehr sprachliche Sensibilität. Und wie schon einmal, als es um die gemeinsame Abstimmung der CDU mit der AfD im Bundestag ging, schaute man aus der CDU-Zentrale aus dem Fenster und sah: Da demonstriert das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“. Wie sollte man das jetzt verstehen?

Auf der linken Seite kam die Kritik schon damals nicht an. Das sei ja einfach der Name des Bündnisses, hieß es. Und der richtet sich ja nicht gegen die CDU. Dort verstand man das aber schon so, denn wie sollte das auch anders gemeint sein?

Schwierige Situation, wie das ganze Terrain, auf dem diese Debatten stattfinden. Und dann noch die Frage: Kann man das überhaupt gegenüberstellen? Oder gerät man dann auf einen Nebenschauplatz, der von der eigentlichen Sache nur ablenkt?

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6 Monate für 1 Euro

Im Grunde also: Sprachliche Spitzfindigkeiten hin oder her. Ist doch klar, worum es hier geht. So ist es jetzt allerdings auch in der Stadtbild-Sache.

CDU-Fraktionschef Jens Spahn nannte das Ganze im „Bericht aus Berlin“ einen „linken Empörungszyklus“; das alles gehe an der Realität der Menschen vorbei. „Der Bundeskanzler spricht aus, was die Mehrheit der Deutschen denkt“, sagte Spahn.

Im Grunde also: Sprachliche Spitzfindigkeiten hin oder her, es ist doch klar, worum es hier geht. Das Problem ist nur: Ist es nicht.

Friedrich Merz hat mit seiner Äußerung eine große Leinwand aufgestellt, auf die man von allen politischen Seiten aus die Geschichte projizieren kann, die man gern sehen möchte.

Für Konservative ist klar: Merz hat nur das diffuse Gefühl von Wut über einen Kontrollverlust, Respektlosigkeit und die allgegenwärtige Unsicherheit zum Ausdruck gebracht. Und da haben viele eben genau das Bild vor Augen, an das sie denken, wenn sie das Wort „Stadtbild“ hören.

Links von der Mitte versteht man die Äußerung etwas anders. Das Stadtbild ist das, das man optisch wahrnimmt. Aber wenn Merz Kriminelle und Menschen meint, die eigentlich ausreisen müssten, kann man dann sagen: So etwas sieht man im Stadtbild?

Endlich spricht’s einer aus

In der Nacht zu Sonntag ist auf der Promenade ein junger Mann überfallen worden. Der eine Täter spricht laut Polizeimeldung fließend Deutsch, der andere habe helle Haut, schreibt die Polizei. Sind das die Probleme im Stadtbild? Oder ist das, was Merz zum Ausdruck bringt, einfach unter dem Deckmantel von Sicherheitsdenken verbrämter Rassismus? So verstehen es viele links der Mitte.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Magazins „Stern“ unter knapp über tausend Menschen sehen 96 Prozent der Linken, 92 Prozent der Grünen und immerhin 82 Prozent der SPD die Wortwahl von Merz kritisch.

55 Prozent der Unionswähler dagegen sind mit der Kommunikation von Merz einverstanden. Das liegt auch daran, dass sie eine andere Erzählung hören. Sie geht so: Endlich spricht einer mal aus, was die Linken verschweigen.

Tatsächlich zeigt sich an dieser Bruchstelle einfach, dass Menschen das, was sie unter Wirklichkeit verstehen, sehr unterschiedlich wahrnehmen.

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Denn das ist ja der Kern dieser Auseinandersetzung: Es geht nicht nur darum, was jemand sagt, sondern darum, welche Geschichte der Wirklichkeit er oder sie damit erzählt.

Rechte empfinden, dass Linke bestimmte Dinge – zum Beispiel Kriminalität unter Geflüchteten oder Integrationsprobleme – aus falsch verstandener Rücksicht oder Angst vor moralischer Verurteilung verschweigen.

In ihrem Weltbild wird „politische Korrektheit“ zum Symbol einer elitären Haltung, die unangenehme Wahrheiten beschönigt und den Alltag vieler Menschen nicht ernst nimmt.

Wenn Merz also vom „Stadtbild“ spricht, hören Konservative darin die lange vermisste Bestätigung ihrer Wahrnehmung. Linke wiederum hören in solchen Formulierungen den Versuch, gesellschaftliche Probleme über kulturelle oder ethnische Zuschreibungen zu erklären – und damit ganze Gruppen zu stigmatisieren.

Hier scheitert die Debatte

Wenn vom „Stadtbild“ die Rede ist, verengt sich die Perspektive auf Hautfarbe, Herkunft oder Religion und verschiebt den Blick weg von sozialen Ursachen wie Armut, Ausgrenzung oder fehlender Bildung. Für Linke ist das nicht nur ungenau, sondern gefährlich, weil es Ressentiments nährt und Menschen in Kategorien von „wir“ und „die anderen“ einteilt.

Und genau an diesem Punkt scheitert die Debatte immer wieder. Statt über gemeinsame Lösungen zu sprechen, rutschen beide Seiten reflexhaft in ihre vertrauten Rollen. Die einen fühlen sich von moralischer Überheblichkeit gegängelt, die anderen von unterschwelligem Rassismus provoziert.

Dabei liegt im Kern ja ein berechtigtes Anliegen – das, was Jens Spahn beschreibt: Niemand will Orte, an denen Menschen sich unsicher fühlen oder ausgegrenzt werden. Darüber ließe sich reden. Nur nicht, solange jede Seite zuerst verteidigt, wer sie ist, statt zu verstehen, was die andere meint. Hilfreich dabei wäre, sich unmissverständlich auszudrücken. Dann würde aus der Empörung im besten Fall ein Gespräch. Kompliziert, ich weiß. Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal. (rhe)

Einladung
17Nov. 2025

Veranstaltung vor Ort 17. November 2025, 18:30 Uhr

„Zeit der Abschiede“. Ein Abend mit Klaus Brinkbäumer

„Wir müssen reden“ (#15)

Zu Gast Klaus Brinkbäumer
Moderation Ralf Heimann
Veranstaltung ansehen

Ein Ende kann ein Anfang sein. In seinem neuen Buch „Zeit der Abschiede“ erzählt Klaus Brinkbäumer von sieben Jahren, in denen vieles zu Ende ging – und Neues begann. Der frühere „Spiegel“-Chefredakteur, Autor und Filmemacher blickt zurück auf Verluste, Neuanfänge und die Suche nach einem anderen Leben. Es geht um Familie, Freundschaft, Tod und das Erwachsenwerden als Erwachsener.

Am 17. November ist Klaus Brinkbäumer unser Gast, liest Passagen aus seinem Buch und spricht mit RUMS-Redaktionsleiter Ralf Heimann über das Abschiednehmen, das Wiederfinden – und über Münster.

Wir freuen uns, wenn Sie auch dabei sind! Eintritt 25 Euro, Tickets gibt es hier!

mehr dazu

Beitrag von Niklas Schlottmann am 27.10.2025

Kiffen nach Vorschrift

2025-10-27-RUMS-Cannabis-Reportage-Nikolaus Urban

Wie organisiert man einen Verein, der eigentlich keiner sein darf? Der Cannabisclub Layf macht nichts Verbotenes, aber ein bisschen wirkt es so. Niklas Schlottmann von der Reportageschule Reutlingen durfte sich auf der geheimen Farm umsehen. 

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Korrekturen

Im Brief am Freitag haben wir von neuen Schwimmzeiten im Ostbad speziell für trans, inter und nicht-binäre Personen berichtet. Das stimmt auch, aber zusätzlich öffnet das Hallenbad Ost ab dem 8. November jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr erstmal nur für Frauen und danach dann für alle. Wir haben die Info ergänzt. (ani)

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Werde Teil unserer Baugruppe!
Ein-Satz-Zentrale

+++ In der Innenstadt haben die Stadtwerke und Münster Marketing begonnen, Bäume mit Lichterketten für die Weihnachtszeit zu schmücken. (Stadtwerke Münster)

+++ Die gelben Stühle der Domplatz-Oase werden am Freitag ins Winterquartier gebracht und kommen im Mai zurück. (Stadt Münster)

+++ Die Städte Münster, Osnabrück und drei Nachbarstädte in den Niederlanden wollen mit dem Projekt „MONT Mobility“ dafür sorgen, dass Menschen und Güter in der Grenzregion einfacher, schneller und umweltfreundlicher unterwegs sind. (Stadt Münster)

+++ Wegen der sich ausbreitenden Vogelgrippe rechnen Landwirte im Münsterland mit einer baldigen Stallpflicht für ihre gefiederten Tiere. (WDR)

+++ Die Johannes-Gutenberg-Realschule in Hiltrup ist gestern nach einer falschen Drohmail vorsichtshalber geräumt worden. (Westfälische Nachrichten)

+++ Am Rathaus erinnert seit gestern eine rosa Schleife daran, wie wichtig Vorsorge und Früherkennung bei Brustkrebs sind. (Stadt Münster)

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Wenn Sie gerne schick asiatisch essen gehen, besuchen Sie doch mal das Kami Kitchen in der Königstraße 45. Dort gibt es in gediegenem Ambiente leckeres Sushi, Bowls, Nudeln und mehr. Alle Hauptgerichte sind wahlweise mit Tofu, Fisch oder verschiedenen Fleischsorten erhältlich. Wer Sushi bestellt, bekommt mit etwas Glück Trockeneisnebel dazu. Den können Sie zwar nicht essen, aber er sieht mystisch aus. Geöffnet ist das Kami Kitchen täglich von 12 bis 22 Uhr, am Wochenende auch bis 23 Uhr. Obwohl das Restaurant recht groß ist, empfiehlt sich zu Stoßzeiten eine Reservierung.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Diese Woche hat Katja Angenent mal wieder für Sie in den Kalender geschaut und ein paar Empfehlungen gesammelt:

+++ „Sensible Inhalte“ heißt das Comedyprogramm von David Kebekus, mit dem er am Mittwoch im Hot Jazz Club gastiert. Er hinterfragt gesellschaftliche Normen und Traditionen, um neue Perspektiven zu entwickeln. Klingt unterhaltsam? Karten für je 22 Euro erhalten Sie hier.

+++ Im Planetarium beginnt am Donnerstag eine neue Vortragsreihe: Bei „Good News From The Planet“ geht es darum, erfolgreichen Umweltschutzprojekten mehr Gehör zu verschaffen. Zum Auftakt spricht Jon Taylor von Conservation Optimism über Chancen und Lösungen im Naturschutz. Der englischsprachige Vortrag beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

+++ Am Freitag ist bekanntermaßen Halloween und dementsprechend viele Partys gibt es in der Stadt. Ein Klassiker ist die Gothic-Halloween-Party in der Sputnikhalle, aber auch das Schaf ist in Grusellaune ebenso wie die Rote Lola oder der Kulturbahnhof in Hiltrup. Wenn Sie Halloween lieber mit Kindern feiern wollen, können Sie im Mühlenhof an kleinen und großen Aktionen teilnehmen.

+++ Wenn Sie den Freitagabend lieber etwas ruhiger verbringen möchten, können Sie beim Live-Hörspiel von „Dracula“ im Planetarium mindestens genauso gut den Halloween-Vibe einfangen. RUMS-Kolumnist Christoph Tiemann erzählt zusammen mit dem Theater ex libris den Vampir-Roman in moderner Variante mit extra viel Grusel-Faktor. Tickets dafür finden Sie hier. Los geht’s um 20 Uhr.

+++ Abseits von Halloween, aber ebenfalls am Freitag stellt der Journalist und Digitalexperte Thomas Knüwer, der für uns auch schon mal einen Gastbeitrag über Preußen Münster geschrieben hat, im Digitalhub am Hafen sein Buch „20 Trends für 35 – warum vieles besser wird, als Sie glauben“ vor, das er zusammen mit Richard Gutjahr und Frank Horn geschrieben hat. Beginn: 13.30 Uhr. Wer nicht kommen kann, kann auch online zusehen. Infos und Anmeldung hier.

Am Freitag schreibt Ihnen Anna Niere. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Anna Niere (ani), Katja Angenent (kat) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer

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PS

Übernächste Woche Donnerstag (13. November) lädt der aus dem RUMS-Kosmos entstandene Verein „Rund um Münster“ zu einer Diskussion mit dem Titel: „Smart Cities – digitale Chance oder Überwachungsalbtraum?“. Zu Gast sind Peter Schaar, ehemaliger Bundesdatenschutzbeauftragter und Autor des Buchs „Schöne neue Stadt – Überwachungsalbtraum Smart Cities?“, und Eliza Diekmann-Cloppenburg, Bürgermeisterin von Coesfeld. Moderieren wird das Gespräch RUMS-Mitgründer Christian Humborg. Los geht’s um 19.30 Uhr im Café Herr Sonnenschein, wenn Sie sich das schon mal notieren möchten. Weitere Infos hier. Wir werden’s sonst auch noch ein paar Mal erwähnen.

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