Schon wieder ein Experiment | Die sichere Kreuzung | RUMS 30 Tage lang kostenlos testen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 7. September 2021

am Samstag haben wir mit RUMS ein bisschen gefeiert, in unseren Räumen unten am Theater, nach der Gesellschafter-Versammlung, die einmal im Jahr stattfinden muss. Somit blieb uns eigentlich keine Wahl. Wir hatten alles gut abgesichert. Die Gäste waren geimpft, dazu noch getestet. Aber im Detail hatten wir vieles doch etwas anders geplant. Der Tag begann mit einem halben Liter Johannisbeerschorle auf einer grünen Stoffhose im Alten Gasthaus Leve. Die kleine Tischrede gehörte zum Programm. Die ausladende Geste, in deren Folge das Glas in Zeitlupe umkippte, war so nicht vorgesehen. Doch es war alles nicht so schlimm. Ein Taxi kam aus Hiltrup und brachte eine neue Hose, diesmal eine blaue.

Später am Nachmittag dann zerbrach eine Ablage im Kühlschrank, vier Flaschen Weißwein fielen heraus, der Inhalt verteilte sich auf dem Boden unseres Büros. Gegen 23 Uhr machte ich ein Foto mit meinem Smartphone, es war das letzte an diesem Abend. Und am Sonntagmittag saß unser DJ im Büro und versuchte, eine Box zu reparieren, die den Abend nicht überlebt hatte.

Es war eine wunderbare Feier, trotz all dieser Dinge, die so nicht geplant waren, vielleicht sogar ein bisschen, weil sie passierten. Die Widrigkeiten, das sind ja die Ereignisse, die einen Abend unvergesslich machen, und damit auch die schönen Momente. Und es sind die Ereignisse, aus denen man lernen kann. Das Ungeplante ist sehr wertvoll.

Wir erleben das seit fast zwei Jahren ständig. Eine Kollegin, die ich seit Monaten wöchentlich in Videokonferenzen sehe, traf ich am Samstag zum allerersten Mal. Und ich war nicht der Einzige, der so etwas erlebte. Vor zwei Jahren hätte ich es vielleicht für möglich gehalten, dass eine Lokalredaktion arbeiten kann, ohne sich zwischendurch auch mal zu treffen. Aber wir hätten es niemals ausprobiert, jedenfalls nicht in dem Umfang. Die Norm befand sich an einer anderen Stelle. Inzwischen hat sie sich verschoben.

Das ist ein Ergebnis des unfreiwilligen Experiments, das vor anderthalb Jahren begonnen hat. Und die Verschiebung der Norm ist auch das Ziel der Verkehrsversuche, die seit einem Monat in Münster stattfinden. Sie sollen das Ungeplante zulassen, zumindest in einem gewissen Rahmen. Sie sollen das Neue zu etwas Vertrautem machen.

Wie schnell so etwas gehen kann, hat die Debatte um den Tagestreff für Obdachlose gezeigt, über den wir vor einer Woche berichtet haben. Als die Einrichtung im vergangenen Jahr an die Von-Esmarch-Straße zog, hielt kaum jemand das für eine gute Lösung. Ein Jahr später wirken schon die Beharrungskräfte.

Sie sind ebenso stark wie die Angst vor dem Unbekannten, in Deutschland vielleicht noch etwas stärker als anderswo. Eine internationale Regel lautet: „Never change a winning team.“ In Deutschland gilt eher das Credo: „Never change a team.“ Wer also etwas Neues schaffen möchte, muss den Versuchsaufbau so anordnen, dass die Kräfte in die gewünschte Richtung wirken. In anderthalb Wochen beginnt nun der nächste Verkehrsversuch. Für den RUMS-Brief haben wir uns angesehen, was an der Wolbecker Straße in anderthalb Wochen passieren wird.

Und wir zeigen Ihnen einen Vorschlag des Verkehrsplaners Yannic Werremeier. Er hat sich Gedanken dazu gemacht, wie man mit einer einfachen Idee die meisten Abbiegeunfälle an Kreuzungen vermeiden könnte.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann


PS

Neben unserem Wahlkompass für Münster gibt es inzwischen viele weitere Online-Entscheidungshilfen zur Bundestagswahl. Das schrieben wir schon im RUMS-Brief am Freitag. Aber es werden fast täglich mehr. Deswegen müssen wir noch einmal darauf zurückkommen. Jetzt hat auch noch die Satireseite Postillon ein Angebot auf dem Markt, den Postill-O-Mat, der ganz ähnlich funktioniert wie der Wahlkompass, nur mit etwas anderen Thesen, zu denen Sie sich positionieren müssen. These 10 lautet zum Beispiel: „Deutschland soll die nächste Corona-Welle auslassen.“ These 14 wäre: „Alles wird gut.“ Noch etwas schöner ist allerdings These 19/06 im Wahl-O-Mat, die es in der Originalversion leider nicht gibt, den Screenshot hat ein inoffizieller Preußen-Münster-Twitter-Account zusammengebastelt. Die These lautet: „Im DFB-Pokal sollte es erlaubt sein, sechs Mal zu wechseln.“ Im Bild ist schon eine Antwort angeklickt: „Stimme nicht zu.“

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