Musik-Campus: Ja, was denn nun? | RUMS 3 Monate lang für je 3 Euro

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 16. Mai 2023

am Freitagmittag haben wir gehört, dass das Bauunternehmen des Landes Nordrhein-Westfalen, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb, kurz BLB, der den Musik-Campus bauen sollte, den Musik-Campus nun doch nicht bauen werde.

Was macht man in so einem Fall? Man fragt beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb, denn so schwer kann die Antwort auf die Frage, ob man noch dabei ist, ja wohl nicht sein.

Rückruf nach einer E-Mail. Wann man die Information denn brauche. Am Freitag noch? Nein, das werde auf keinen Fall klappen. Am Montag dann? Ja, das werde man hinbekommen.

Wenig später ein weiterer Rückruf. Kleine Korrektur. Dazu könne man doch keine Auskunft geben. Bitte die Uni Münster fragen.

Moment. Der BLB kann keine Antwort auf die Frage geben, ob er den Musik-Campus bauen wird? Das klingt ja komisch.

Der Stadt Münster hatte ich am Freitagmittag um 13 Uhr zwei Fragen geschickt. Ob es stimme, dass der BLB den Musik-Campus nun doch nicht bauen werde. Und ob es richtig sei, dass es eine neue Baukosten-Schätzung gebe. Auch das hatte man mir mitgeteilt.

Normalerweise antwortet das Kommunikationsamt recht zügig. Diesmal dauerte es etwas länger.

Heute Morgen hatte ich noch keine Antwort, aber weitere Fragen, denn in der Ratssitzung am vergangenen Mittwoch hatte Lars Nowak (Die Partei) dem Oberbürgermeister zwei Fragen zum Musik-Campus gestellt. Und wenn man sich das, was Markus Lewe geantwortet hatte, nun noch einmal ansieht, kann man einiges darüber lernen, wie man eine Frage beantwortet, ohne die Frage zu beantworten.

Nowak hatte im Rat, um seine Fragen einzuleiten, gesagt, er habe „gerüchteweise gehört, dass es neue Entwicklungen beim Musik-Campus gebe, unter anderem, was die Bauherrschaft betrifft – und dass einzelne Ratsmitglieder darüber bereits informiert worden seien“. Dann hatte er die beiden Fragen gestellt. Ob das, was er gehört hatte, der Wahrheit entspreche, und wie denn der aktuelle Stand beim Musik-Campus sei.

Hier Markus Lewes vollständige Antwort im Wortlaut:

„Ja, kann ich direkt was dazu sagen. Also, ich fange mal bei dem letzten an. Fundraising läuft. Wir haben Zusagen im Moment ungefähr bei sechs Millionen Euro. Angekündigte Zusagen noch, mehrere Termine, wo das vorbereitet wird, also sechs Millionen fest, weitere zwei, drei Millionen stehen noch aus. Zweiter Punkt, es gibt immer wieder Anfragen aus Ratsfraktionen, die zum jeweiligen Stand des Campus nachfragen, die kriegen dann auch Antworten. Wir werden allerdings auch in den nächsten Wochen – wir sind gerade dabei, das vorzubereiten – noch mal eine Information durchführen, um noch mal die aktuellen Stände durchzugeben. Es gibt immer wieder auch Entwicklungen bei so einem großen Prozess, dynamische Entwicklungen, die da sind, wo es eben auch um Fragen geht von Kostensicherheit, es geht um Fragen von Zügigkeit, von Agilität und da sind wir eben dabei, dass wir das dann entsprechend auch weitergeben. Da werden Sie in den nächsten Tagen auch darüber informiert werden.“

Die Antwort auf die Frage, ob es stimme, dass es neue Entwicklungen bei der Bauherrschaft gebe und einzelne Ratsmitglieder darüber informiert worden seien, lautet also: Es gibt immer mal wieder Anfragen, und die werden dann auch beantwortet?

Nach unseren Informationen, die von mehreren Personen bestätigt wurden, hat die Stadtverwaltung in Parteikreisen vertraulich darüber informiert, dass der BLB den Campus wohl nicht bauen werde – und dass man inzwischen damit rechne, dass der Bau weit über 400 Millionen Euro koste.

Am Montagmorgen habe ich auch der Uni Münster die beiden Fragen gestellt, die ich der Stadt Münster am Freitag geschickt hatte. Baut der BLB den Musik-Campus weiterhin wie geplant? Und: Gibt es eine neue Kostenschätzung?

Uni-Sprecher Norbert Robers schreibt, „aus Sicht der Projektpartner“ sei es „nicht sinnvoll, in kurzen zeitlichen Abständen Zwischenstände zu nennen beziehungsweise Spekulationen zu kommentieren“. Stadt und Uni stünden für Transparenz zu allen Aspekten des Projekts. „Sobald eine belastbarer, neuer Kostenrahmen vorliegt, werden wir die Daten kommunizieren und erläutern“, schreibt Robers.

Dass der BLB nicht mehr zur Verfügung stehe, sei „nicht richtig“. Richtig sei, dass Stadt, Universität und BLB zurzeit an einem „belastbaren Organisationsmodell“ für den Bau arbeiteten. Man sei gut vorangekommen und sei zuversichtlich, dass man noch in diesem Jahr konkrete Ergebnisse vorstellen könne. Zur Ratssitzung nach den Sommerferien werde es ein Papier geben, in dem man die Sachstände erläutern und „Beschlussvorschläge für die nächsten konkreten Schritte“ machen werde.

Von dieser Ratsvorlage schreibt auch Stadtsprecher Thomas Reisener in seiner Antwort, die ebenfalls heute Nachmittag kam. Die Antwort auf die Frage, ob es stimme, dass der BLB den Musik-Campus nicht bauen werde – beziehungsweise ob es von dort eine feste Zusage gebe, lautet:

„Der BLB ist ein Bau- und Liegenschaftsbetrieb, der als Eigentümer fast aller Liegenschaften des Landes NRW zuständig für den Bau und die Bewirtschaftung auf Landesgrundstücken ist. Daher ist der BLB auch per se für die Musikhochschule als wichtiger Teil des Musik-Campus Bauherr. Stadt, Universität und BLB sind aktuell gemeinsam in intensiven und konstruktiven Gesprächen, u.a. in der Frage der Bauherrenschaft, um das Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Land effektiv weiter planen und bauen zu können.“

Auf die Frage, ob es eine neue Kostenschätzung gibt, schreibt Reisener:

„Nach Abschluss des städtebaulichen Realisierungskonzeptes wird für das Gesamtvorhaben Musik-Campus zurzeit die Bedarfsplanung erarbeitet. Dazu zählt auch ein aktualisierter Kostenrahmen, der anhand von Nutzeinheiten mit Flächen ermittelt wird. Eine Kostenschätzung gemäß der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) liegt erst mit einem konkreten Vorentwurf z.B. nach einem Architekturwettbewerb vor.“

Und was hat das alles jetzt zu bedeuten?

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten. Eine ist: Bestimmte Informationen sollen jetzt einfach noch nicht bekannt werden. Eine andere: Mehrere Personen haben da etwas vollkommen falsch verstanden. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Stadt Münster sammelt ab morgen Ideen, um in Zukunft weniger Müll sammeln zu müssen. (Stadt Münster)

+++ Die Regierung von Nordrhein-Westfalen gibt mehr als 18 Millionen Euro für drei Stadtprojekte in Münster. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Franziskus-Stiftung verschiebt die Fusion mit der Marienhausgruppe, weil sich die Situation für Krankenhäuser schnell ändert. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Rewe am Hansator, also auf der Rückseite des Bahnhofs, steht in der Kritik, weil er auch an Feiertagen bis Mitternacht öffnet und deutlich mehr verkauft als nur Reisebedarf. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Uniklinik kann oft nicht alle Intensivbetten nutzen, weil Personal fehlt, und muss Operationen verschieben. (Westfälische Nachrichten)

+++ +++ Wegen anhaltender Medikamenten-Lieferprobleme fordert der Apothekerverband Westfalen-Lippe, dass Apotheken auch Medikamente mit ähnlicher Wirkung abgeben dürfen. (Antenne Münster)

+++ Vier Studenten haben ein Beleuchtungssystem für Fahrräder entwickelt, das Fern- und Abblendlicht, Blinker, Brems- und Rücklicht sowie eine Warnblinkfunktion enthält. (FH Münster)

+++ Ein 54-jähriger Mann hat zwei Frauen am Hauptbahnhof am Sonntagmorgen mit einem Messer bedroht. (Bundespolizei NRW)

+++ Regierungspräsident Andreas Bothe ist jetzt auch Bezirksvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. (Bezirksregierung Münster)

+++ Preußen Münster hat den Aufstieg in die 3. Liga am Wochenende auf dem Prinzipalmarkt mit sehr viel größerer Begeisterung gefeiert als Bayern München eine Meisterschaft auf dem Marienplatz. (Antenne Münster)

+++ Rund 300 Leute haben in Münster für mehr Kita-Plätze demonstriert. (Lokalzeit Münsterland)

+++ Das Fest der queeren Community zum Christopher Street Day könnte ausfallen, weil es nicht genug freiwillige Helfer:innen gibt. (Westfälische Nachrichten)

Unbezahlte Werbung

Mit dem Wiederaufbau einer alten Bockwindmühle aus dem Emsland wurde im Jahr 1961 der Grundstein für das Mühlenhof-Freilichtmuseum gelegt. Heute laden auf dem am Aasee gelegenen Museumsareal mehr als 20 weitere Originalbauten aus dem Münsterland und den Nachbarregionen zur Besichtigung ein. Dazu kommen Gebäude und Werkstätten, die nach alten Vorbildern rekonstruiert wurden. So vermittelt der Mühlenhof sehr anschaulich, wie die Menschen im ländlichen Umfeld der Stadt Münster zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Dieses Angebot wird durch eine Gastronomie und im Laufe des Jahres durch zahlreiche Veranstaltungen und Sonderausstellungen ergänzt. Besuche sind von April bis Oktober täglich von 10 bis 19 Uhr möglich, zwischen November und März verkürzt sich die Öffnungszeit um zwei Stunden. Kinder unter 6 Jahren besuchen das Museum kostenlos, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre bezahlen 3,50 Euro, Erwachsene 6 Euro. Dazu gibt es Ermäßigungen und vergünstigte Gruppentarife.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Deike Terhorst hat sich nach interessanten Veranstaltungen in den kommenden Tagen umgesehen.

+++ Wer Mittwochabend eine popkulturelle Neigung verspürt, kann ab 20.30 Uhr in der Pension Schmidt am „Quiz Quiz Bang Bang“-Pubquiz teilnehmen. Das Film- und Serienquiz ist sehr beliebt, daher wird eine Reservierung empfohlen. Die Teilnahmegebühr beträgt 3 Euro.

+++ Die evangelische Kirche wird das Volkeningheim sehr wahrscheinlich schließen, der Verein der Freundinnen und Freude des Ökumenischen Volkeningheims setzt sich dagegen ein. Wenn Sie sich von der Situation ein Bild machen und die Studierenden unterstützen wollen, geht das Mittwoch um 16 Uhr bei einer Andacht in der Aula des Wohnheims am Breul 43. Um 19 Uhr findet ein Benefizkonzert in der Johanneskapelle an der Bergstraße 38 statt.

+++ Wer an Christi Himmelfahrt keine Lust hat, mit einem Bollerwagen durch die Stadt zu ziehen, sondern stattdessen lieber Zeit mit der Familie verbringt, kann ab 10 Uhr beim Schafschurtag im Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster vorbeischauen. Ab 12 Uhr können kleine und große Besucher:innen jeweils zur vollen Stunde einem Schäfer bei der Schur zuschauen.

+++ Am Donnerstag um 18 Uhr findet im Theater Münster die Oper „Great Open Eyes“ statt. Das kreisförmig angeordnete Publikum begegnet Rita und Alfred, die ihren Sohn Eyolf durch einen Unfall verloren haben. Entstanden ist das Stück in Kooperation mit trauernden Eltern und Trauerbegleiter:innen. Tickets gibt es im Webshop für 20 Euro.

+++ Wir sind Papst. Diese Schlagzeile nimmt sich das Wolfgang Borchert Theater am kommenden Wochenende zu Herzen, denn das Stück „Die zwei Päpste“ über den Schlagabtausch Benedikt XVI. und Kardinal Jorge Bergoglio über die Zukunft der Kirche wird gleich dreimal aufgeführt. Am Freitag und am Samstag fällt der Vorhang um 20 Uhr, am Sonntag müssen Besucher zwei Stunden früher da sein. Tickets gibt es im Webshop oder telefonisch unter (0251) 400-19.

+++ Es darf wieder getrödelt werden. Am Samstag startet der Promenaden-Flohmarkt zwischen Stadtgraben und Gerichtsstraße in die neue Saison und feiert gleichzeitig sein 40-jähriges Jubiläum. Hunderte private und professionelle Verkäufer bieten hier von Mai bis September immer am dritten Samstag im Monat ihre Waren an. Zwischen 8 und 16 Uhr können Besucher nach Herzenslust stöbern.

+++ Wer seinen Samstag lieber drinnen verbringen möchte, der kann um 16 Uhr an einer einstündigen öffentlichen Führung durch die neue Sonderausstellung de Stadtmuseums teilnehmen. Thema ist der Münsteraner Johann Friedrich Alexander Heimbürger (1819-1909), der zu seiner Zeit einer der berühmtesten Zauberkünstler der Welt war. Kostenpunkt: 3 Euro.

Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?

In den vergangenen Wochen haben wir uns mit dem Theater beschäftigt. Wir haben eine Studie vorgestellt, die auf die Geschichte des Hauses zurückblickt. Die neue Generalintendantin Katharina Kost-Tolmein hat in einem Interview erzählt, wie sie die Zukunft des Theaters in Münster gestalten möchte. Und RUMS-Kulturkolumnistin Anna Stern hat ihre Perspektive auf diese Pläne geschildert.

Heute kommt eine weitere Perspektive dazu, nämlich die der Theaterleute selbst. Constanze Busch hat mit einigen von ihnen darüber gesprochen, wie sie die ersten Monate unter der neuen Leitung erlebt haben.

Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 3 Monate lang für je 3 Euro.

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Svenja Stühmeier (sst), Jan Große Nobis (jgn), Luzia Arlinghaus (lar), Deike Terhorst (dte)
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Zum Ende eine schlechte Nachricht: Die Veranstaltung zur Lokalpolitik, die wir für den kommenden Donnerstag angekündigt hatten, fällt leider aus. Wir bekommen die Gäste an dem Tag nicht alle zusammen, hoffen aber, dass wir den Termin nach der Sommerpause nachholen können. (rhe)

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