Wie viel Solarstrom produziert Münster? | Los Amigos aus Nicaragua | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis

Porträt von Svenja Stühmeier
von Svenja Stühmeier

Münster, 27. Juni 2023

haben Sie schon einmal ein Auto gesehen, das 250 Kilometer pro Stunde fahren kann? Sicherlich. Haben Sie schon einmal eins gesehen, das das auch tagein, tagaus macht? Schon unwahrscheinlicher, wenn nicht sogar unmöglich.

So ähnlich ist es mit Photovoltaikanlagen. Übersetzen kann man das ungefähr so: Die Geschwindigkeit entspricht der Leistung einer Anlage. Wenn man ihre maximale Leistung, also die Nennleistung, aufschreibt, versieht man die noch mit einem „Peak“ hinter der Einheit. Weil es aber auch mal Nacht ist, Schatten auf die Panels fällt und die Sonne nicht immer senkrecht auf sie strahlt, kann eine Anlage nicht dauerhaft mit Nennleistung produzieren.

Warum ich Ihnen das schreibe? Vor einigen Wochen hat sich ein Leser bei uns gemeldet und uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir in unserer politischen Halbzeitbilanz (RUMS-Brief) nur von Münsters installierter Solarleistung von 88 Megawatt Peak berichtet haben. Das sagt aber nichts über die tatsächlich produzierte Energie der Photovoltaikanlagen im Stadtgebiet aus. Und das wiederum wäre ja eine interessante Information.

Wir haben also bei den Stadtwerken erfragt, wie viel Strom Münsters Photovoltaikanlagen letztendlich produzieren. 2022 waren es 66 Millionen Kilowattstunden, von denen 58 Millionen ins Stromnetz eingespeist worden sind. Die Differenz ergibt sich aus dem Eigenverbrauch. Insgesamt sind das dann neun Prozent der Energie, die die Anlage abwerfen könnte, wenn die Sonne rund um die Uhr auf sie draufscheinen würde.

Oder um noch einmal auf die Autobahn zurückzukehren: Das 250-Stundenkilometer-Auto könnte theoretisch in einem Jahr über 50 Mal um die Erde fahren. Melden Sie sich gerne, wenn Sie das schon mal geschafft haben.

Ihnen ist von den hohen Zahlen schon ganz schwindelig? Dann schauen Sie jetzt lieber kurz weg: Die Stadt Münster hat 2021 insgesamt etwa 1.200 Gigawattstunden Strom verbraucht. Das sind über eine Milliarde Kilowattstunden. Kurz: Der Anteil, den die Anlagen generieren, fällt eher mickrig aus.

Auf ihrem gerade veröffentlichten Klimadashboard schreibt die Stadt, dass sie bis 2030 2.400 Megawatt Peak installierte Solarleistung anstrebt. Wie genau, steht da nicht, dazu mehr im Klima-Update. Angenommen, die Umsetzung passiert: Dann sähe das ganz anders aus. Mit den fast zwei Milliarden Kilowattstunden, die dann produziert würden, könnte Münster seinen Stromverbrauch von 2021 locker decken. Was auch gut ist, schließlich geht man davon aus, dass der sich in den nächsten Jahren deutlich erhöht. (sst)

Ein-Satz-Zentrale

+++ In den nächsten Nächten werden die Straßen rund um den Bült und von der Gartenstraße über den Servatiiplatz bis zur Schorlemerstraße ausgebessert. (Stadt Münster)

+++ Innerhalb einer Woche sind zwei junge Männer beim Schwimmen im Kanal ertrunken. (Antenne Münster)

+++ Nach dem tödlichen Messerangriff im März sollen auf dem Sommersend ab dem 13. Juli mehr Sicherheitskräfte anwesend sein. (Antenne Münster)

+++ Ein Elternpaar soll seine Klage für einen Kitaplatz zurückgezogen haben, nachdem die Stadt Münster den Eltern einen Platz angeboten hat, ein anderes Elternpaar klagt hingegen weiter. (Westfälische Nachrichten)

+++ Am Freitag hat eine Politik-Gruppe aus Kinderhaus eine Liste am Domplatz ausgerollt, auf der die Namen von geflüchteten Menschen stehen, die im Mittelmeer ertrunken sind. (Münstertube)

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Falls Sie gerade haufenweise Urlaubsfotos zugeschickt bekommen, selbst aber in Münster hocken, gönnen Sie sich doch mal einen Nachmittag Nicaragua. Das geht in der Cafébar Los Amigos an der Wolbecker Straße 128. Vor ein paar Wochen haben Sophie, Lennin und Alejandro ihr Café eröffnet. Seitdem kochen sie dort, rösten Kaffee und verkaufen Tinto de Verano to go für diejenigen, die auf dem Weg zum Kanal sind. Ach ja, Kuchen und Tapas gibt’s auch. Und eine große Portion Gastfreundschaft.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heute hat Jan Große Nobis für Sie die Veranstaltungskalender durchforstet:

+++ Nach ganz schön warmen Tagen haben Sie morgen früh die Chance auf angenehme 15 Grad. Nutzen Sie das doch und starten Sie mit Lachyoga heiter-schwungvoll in den Tag. Das Ganze findet um 7:30 Uhr auf den Aaseewiesen am Wewerka-Pavillon an der Torminbrücke statt.

+++ Sie haben Bock auf ein Ehrenamt, wissen aber nicht, wo? Die Freiwilligenagentur der Siverdes-Stiftung bietet eine sogenannte Engagement-Sprechstunde an. Dort erfahren Sie hoffentlich alles, um das für Sie passende Ehrenamt zu finden. Die Sprechstunde findet morgen von 11 bis 13 Uhr im Forum der Volkshochschule am Aegidiimarkt statt. Weitere Infos finden Sie hier.

+++ Falls Physik für Sie ein Buch mit sieben Siegeln ist, schauen Sie doch am Donnerstag an der Uni Münster vorbei. Der Physiker Metin Tolan von der Universität Göttingen zeigt in einem Vortrag, dass man sein Fachgebiet ganz praktisch anwenden kann, und zwar auf die Serie Star Trek. Die Veranstaltung findet um 16 Uhr im Physik-Hörsaal HS 1 im Gebäude IG 1 an der Wilhelm-Klemm-Straße 10 statt. Dort wird dann auch der Lehrpreis des Fachbereichs Physik verliehen.

+++ Klassismus ist wieder in aller Munde. Wenn Sie wissen wollen, was das eigentlich heißt, besuchen Sie die Webseite des Münsteraner Soziologen Andreas Kemper. Am Donnerstagabend um 18 Uhr geht es in der Kneipe leo:16 an der Herwarthstraße 7 um einen Teilaspekt: Im Workshop „Klassismus in der linken Bewegung“ sprechen die Teilnehmer:innen zum Beispiel darüber, warum Artikel (ja, die aus linken Kreisen) voll von Fremdwörtern und Schachtelsätzen sind. Der Referent Richard Arslan Dietrich will dann noch Gegenkonzepte und neue Ansätze entwickeln. Weitere Infos finden Sie hier.

+++ An diesem Freitag beginnt das Droste-Festival. Unter dem Motto „Wo ist Allmende?“ präsentiert das Center for Literature der Burg Hülshoff ein Programm, das sich mit dem Thema Gemeingut beschäftigt. Das Festival findet vom 30. Juni bis zum 2. Juli auf dem Gelände des Haus Rüschhaus statt. Sie können bei Live-Rollenspielen mitmachen, Workshops besuchen, bei einer Brunch-Performance essen, Filme schauen, Lesungen, Performances und Installationen besuchen und Konzerte erleben. Zur Eröffnung am Freitag ist der Eintritt von 17 bis 18 Uhr frei. Weitere Infos und Tickets finden Sie hier.

+++ Ebenfalls am Freitag um 20 Uhr können Sie in der „Heilen Welt“ an der Hörsterstraße 33 dem Singer-Songwriter Joey Henry lauschen. Das Internetportal bielefeld.jetzt nennt seinen „Dirty Sunshine Club“ eine Collage aus Fotografie, Flipperautomaten-Philosophie, Skateboard-Existentialismus und Musik. Oder ganz schlicht: Eine musikalische Gruppentherapie. Das Konzert ist kostenfrei. Im Vorprogramm spielt Kody Skye.

Was steht sonst so im RUMS-Brief?

Lisa Kötter hat die Bewegung Maria 2.0 mitbegründet. Ihr Ziel damals: Hierarchien in der katholischen Kirche abbauen und ein Mitspracherecht für Frauen schaffen. Inzwischen ist sie nicht mehr katholisch. Sie ist aus der Kirche ausgetreten und engagiert sich politisch. Constanze Busch hat mit ihr über ihre Entscheidung gesprochen.

Und außerdem hat Sebastian Fobbe nachgefragt, wie es jetzt mit der rechten Polizei-Chatgruppe weitergeht, nachdem das Strafverfahren eingestellt wurde. Falls Sie das spannend finden, schließen Sie doch ein RUMS-Abo ab. Die ersten drei Monate lesen Sie uns zum halben Preis.

Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier

PS

Vielleicht geht es Ihnen ja wie mir und Sie hören lieber flexibel Podcasts als Nachrichten zur vollen Stunde und bevorzugen Ihre ganz persönliche Musikauswahl statt der Radioplaylist. Manchmal stößt man im Lokalradio aber auch auf ganz spannende Beiträge. Wenn Sie das mal ausprobieren möchten, versuchen Sie es doch Donnerstag und Freitag gegen 20 Uhr im Bürgerfunk bei Antenne Münster (Frequenz 95,4). Da wird „Tomorrow News“ ausgestrahlt – eine Sendung, die konstruktiven Journalismus als Werkzeug in einer Welt voller negativer Nachrichten und Herausforderungen thematisiert. Die Aufnahme ist im Rahmen der „Reise zum Ende vom Ende der Welt“ entstanden, als eine von vielen kleinen Live-Performances. Umgesetzt hat das Ganze das Stadtensemble Münster, und vielleicht hören Sie am Freitagabend ja sogar eine Stimme aus der RUMS-Redaktion in der Sendung. Falls Sie nicht zur passenden Uhrzeit vorm Radio hocken können: Den Zweiteiler gibt es ab Freitag auch in der Mediathek von NRWision.

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