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Schwangerschaftsabbrüche: Bewegt sich die Uniklinik? | Unbezahlte Werbung: Zwei Hütten fürs Ehrenamt | 6 Monate RUMS für 1 Euro: Jetzt abonnieren!

Guten Tag,
vergangenes Jahr hat das Gesundheitsamt gefragt, wie viele Frauenarztpraxen in Münster Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Von zwanzig befragten Praxen sagte nur eine einzige, dass sie ungewollt Schwangeren bei Abbrüchen helfe. Eine Liste der Bundesärztekammer führt ebenfalls nur eine Praxis in Hiltrup auf, bei der Frauen Schwangerschaften vorzeitig beenden können.
Ob es um dieselbe Praxis geht, wissen wir nicht. Aber so oder so zeigen die Ergebnisse klar: Die Versorgungslage für Frauen, die ungewollt schwanger sind, ist in Münster alles andere als ideal. Die Politik möchte das ändern, hier in der Stadt, aber auch im Bundestag. Gestern brachten 328 Abgeordnete einen Antrag ins Parlament ein, der Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Woche aus dem Strafgesetzbuch streichen soll. Mit dem Antrag ist die Hoffnung verbunden, dass die Entkriminalisierung auch das Hilfesystem verbessern wird.
Auf den ersten Blick erscheint das nachvollziehbar. Mehr als die Hälfte der befragten gynäkologischen Praxen in Münster geben in der Gesundheitsamt-Umfrage an, dass sie keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen, weil sie befürchten, der Ruf ihrer Praxis könnte darunter leiden. Dazu kommen finanzielle Bedenken: Schwangerschaftsabbrüche sind kostspielig und aufwendig, die Vergütung hingegen gering. Das macht das Angebot für viele Praxen unrentabel.
Der Bundestag-Antrag möchte daran drei entscheidende Punkte ändern:
- Bis zur 12. Woche sollen Schwangerschaftsabbrüche straffrei bleiben. Nach dieser Frist sollen Abbrüche nur noch in medizinischen Notfällen möglich sein.
- Bestehen bleiben soll auch die Beratungspflicht: Frauen, die ihre Schwangerschaft abbrechen wollen, müssen wie bisher ein Beratungsgespräch bei einer staatlich anerkannten Stelle wahrnehmen.
- Die Kosten sollen nicht mehr die Frauen tragen, sondern die gesetzlichen Krankenkassen.
Auf die mögliche Gesetzesänderung haben wir die Uniklinik Münster angesprochen. Die Uniklinik führt derzeit keine Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregelung durch – und steht dafür in der Kritik. In der Umfrage des Gesundheitsamts geben einige Praxen an, dass sie sich von der Klinik mehr Engagement in diesem Bereich wünschen. Auch rechtlich betrachtet hat die Uniklinik als öffentlich-rechtliches und landeseigenes Krankenhaus und Maximalversorger eine besondere Verantwortung.
Auf unsere Anfrage antwortet die Uniklinik ausweichend. Sollte sich die Gesetzeslage ändern, würde man das als demokratische Entscheidung natürlich respektieren, schreibt ein Sprecher. 2020 habe sich die Uniklinik entschlossen, auch Abbrüche nach der Beratungsregel vorzunehmen, und dieses Ziel strebe sie nach wie vor an.
Bloß hätten die Mitarbeiter:innen bisher von ihrem Weigerungsrecht Gebrauch gemacht, schreibt der Sprecher. Nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz kann niemand zur Mitwirkung an einem Abbruch gezwungen werden. Das stimmt. Nur was das konkret für ein Haus wie die Uniklinik bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander (RUMS-Brief).
Was die Uniklinik allerdings jetzt schon machen könnte: Sie könnte die Bereitschaft, an einem Schwangerschaftsabbruch mitzuwirken, zum Einstellungskriterium für Ärzt:innen und Pflegepersonal machen. Wir haben noch mal nachgefragt, wie die Uniklinik diese Frage handhabt – aber bisher noch keine Antwort bekommen. (sfo)
Machen Sie mit!

Bald ist Bundestagswahl. Was sind Ihre Themen und Ihre Fragen? Wir sammeln sie und sprechen darüber mit den Politiker:innen.
Das Projekt „Deine Stimme, deine Themen“ ist eine Kooperation zwischen RUMS und dem Netzwerk CORRECTIV.Lokal, das Recherchen und Dialog im Lokaljournalismus fördert. Auch in anderen Städten teilen Menschen ihre wichtigsten Themen. Alle Ergebnisse sind hier sichtbar.
Im RUMS-Brief am Dienstag hatten wir die Balthazar Bar in der Unbezahlten Werbung irrtümlich an der Bremer Straße verortet. Tatsächlich ist die Bar am Bremer Platz. Wir haben den Fehler korrigiert. (rhe)
+++ Die Stadt verbietet in diesem Jahr zu Silvester auf dem Domplatz und dem Prinzipalmarkt wieder das Böllern. (Stadt Münster)
+++ Die CDU-Fraktion lehnt die geplante Erhöhung der Parkhausgebühren in der Innenstadt ab und verweist auf negative Folgen für den Handel. (CDU-Ratsfraktion)
+++ Ab Sonntagabend, der vorletzten Woche der Geothermie-Untersuchungen, fahren die Vibrotrucks nachts durch Münsters Norden. (Stadtwerke Münster)
+++ Die Polizei warnt vor einer Betrugsmasche, bei der Menschen angesprochen und gebeten werden, Einkäufe zu bezahlen, zum Beispiel Windeln und Babynahrung, die aber dann später wieder umgetauscht werden, um an das Bargeld zu kommen. (Polizei Münster)
+++ Der Maxi-Turm in der Innenstadt bleibt erhalten, wird ab 2025 aber nur noch mittwochs und samstags öffnen. (Westfälische Nachrichten)
+++ In Münster wohnen nur gut zehn Prozent der Studierenden zu Hause – so wenige wie nirgendwo sonst in Nordrhein-Westfalen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Bürgerinitiative „Pro Gesamtschule Süd“ hat über tausend Unterschriften für eine Gesamtschule in Gremmendorf gesammelt und will diese am Mittwoch vor der Ratssitzung dem Oberbürgermeister übergeben. (Bürgerinitiative „Pro Gesamtschule Südost“ per E-Mail)
+++ Im Franziskus-Hospital erhalten Neugeborene seit Kurzem eine Impfung gegen das RS-Virus, die sie für ein halbes Jahr schützt und schwere Krankheitsverläufe deutlich verringert. (WDR)
+++ Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat in Münster in einer nicht-öffentlichen Versammlung, an der etwa 40 Menschen teilnahmen, angefangen, Strukturen für den Bundestagswahlkampf aufzubauen. (Westfälische Nachrichten)
Der gestrige Tag des Ehrenamts soll uns daran erinnern, wie wichtig bürgerschaftliches Engagement ist. Vielleicht haben Sie schon überlegt, wo Sie sich gerne einbringen möchten. Das ist ja ein beliebter Neujahrsvorsatz. Falls nicht, dann empfehlen wir Ihnen einen Ausflug auf den Weihnachtsmarkt: Auf dem alternativen Weihnachtsmarkt am Harsewinkelplatz gibt es zwei Hütten für das Ehrenamt. In den Hütten 10 und 11 (auf dem Marktplan können Sie den genauen Standort sehen) wechseln sich Menschen ganz unterschiedlicher ehrenamtlicher Organisationen und Initiativen damit ab, ihre Arbeit vorzustellen und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. So finden Sie beispielsweise an diesem Wochenende Vertreter:innen eines Vereins zur Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Lublin, ein Unternehmen, das Handyzubehör aus pflanzlichen Bestandteilen herstellt oder eine Organisation, die sich um blinde Pferde kümmert. Bis Weihnachten können Sie auf diese Weise noch 14 weitere Organisationen kennenlernen. Wer sonst noch in den Ehrenamts-Hütten zu finden sein wird, können Sie hier nachschauen.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
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Heute hat Annalena Zernott in den Kalender geschaut und ein paar schöne Tipps für Sie herausgesucht:
+++ Von heute bis Sonntag veranstaltet der LWL auf dem Erbdrostenhof dieses Jahr zum ersten Mal einen inklusiven Weihnachtsmarkt. Dort können Sie heute und morgen bis 21 Uhr und Sonntag bis 20 Uhr Produkte kaufen, die Menschen mit Behinderung, mit einer psychischen oder einer Suchterkrankung hergestellt haben. In diesem Artikel erfahren Sie ein paar Hintergründe zur Herstellung, hier finden Sie Hinweise zum Weihnachtsmarkt.
+++ Richtig gute Chöre sind ja gar nicht mal so leicht zu finden – der Münsteraner Kammerchor „legato m“ ist definitiv einer. Unter dem Titel „Caroling“ (laut Wörterbuch so etwas wie „Weihnachtslieder singend von Haus zu Haus ziehen“) präsentiert der Chor am Samstag um 19 Uhr sein diesjähriges Weihnachtsprogramm zum Mitsingen in der Erphokirche. Damit das mit dem Mitsingen für alle gut klappt, werden dafür Texte auf Deutsch zur Verfügung gestellt. Sonntag singt der Chor dann noch einmal um 15 Uhr in der St.-Josef-Kirche in Kinderhaus. Einlass ist jeweils 45 Minuten vorher, der Eintritt ist frei. Es wird voraussichtlich voll werden, kommen Sie in jedem Fall rechtzeitig.
+++ Am Sonntag wird um jeweils 15 Uhr, 16 Uhr und 17 Uhr im 2. Obergeschoss des Stadtmuseums das Kasperltheater „Die Prinzessin und der Schatz“ gezeigt. Interessant ist das insbesondere für Kinder ab 4 Jahren, der Eintritt kostet 5 Euro. Anschließend kann das Stadtmuseum erkundet werden, das kostet keinen zusätzlichen Eintritt. Hier finden Sie Hinweise zur Veranstaltung.
+++ Falls Sie kleine Kinder haben: Morgen um 15.30 Uhr gibt die Kinderlieder-Macherin Corinna Bilke bei Möbel Höffner in Nienberge ein kleines Konzert. Vor ein paar Tagen hat sie ein neues Weihnachtsalbum veröffentlicht. Hier können Sie reinhören.
+++ Vor gut zwei Wochen vergab Kulturstaatsministerin Claudia Roth den diesjährigen „Applaus“-Preis an die „Pension Schmidt“ für ihr herausragend kuratiertes Konzertprogramm. Wenn Sie sich selbst davon überzeugen möchten, ob das berechtigt war, haben Sie am Montag Gelegenheit dazu. Da spielt die Schweizer Künstlerin „To Athena“ laut eigener Aussage „Kammerpop zwischen den Welten“. Ob mit diesen Welten die Mischung aus Schweizerdeutsch und Popmusik gemeint ist oder ob noch mehr dahintersteckt, können Sie um 20 Uhr erleben. Hinweise zur Veranstaltung finden Sie hier, Karten für 14,30 Euro bekommen Sie hier. Das Video zum Stück „Angscht“ können Sie hier anschauen.
Was gibt’s diese Woche noch so?
Den Hass im Internet ausschalten – so lautet das Ziel von „So Done“. Das Start-up nutzt eine Software, um mit einer künstlichen Intelligenz strafrechtlich relevante Beleidigungen und Anfeindungen aus Shitstorms zu filtern. Franziska Brandmann, Bundesvorsitzende der „Jungen Liberalen“, hat das Unternehmen zusammen mit dem Anwalt Alexander Brockmeier und dem Datenwissenschaftler Marcel Schliebs gegründet. Im Februar kandidiert Brandmann bei der Bundestagswahl für die FDP im Wahlkreis Münster. Wir haben mit ihr über „So Done“, den Hass im Internet und ihre eigenen Erfahrungen mit Shitstorms gesprochen.
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Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes zweites Adventswochenende.
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
Mitarbeit: Ralf Heimann (rhe), Jan Große Nobis (jgn), Anna Niere (ani), Annalena Zernott (aze) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer
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PS
Wussten Sie, dass die Niederländer:innen gar kein Weihnachten feiern? Beziehungsweise: Manche Familien feiern Heiligabend schon, nur hat das Fest in der niederländischen Gesellschaft keinen großen Stellenwert. Als ich in den Niederlanden studiert habe, fand ich das befremdlich. So ein Jahresabschluss ohne Glitzer und Glamour, das wirkte auf mich recht trist. Denn nach dem Sinterklaasfeest, der niederländischen Variante des Nikolaus am 5. Dezember, ist schon wieder Feierabend mit der Besinnlichkeit. Dann bin ich aber auf einen anderen schönen Brauch gestoßen, der mich wirklich fasziniert: Seit 1999 laufen zwischen Weihnachten und Neujahr im niederländischen Radio nonstop die „Top 2.000“. In den Wochen vor der Ausstrahlung stimmen die Niederländer:innen direktdemokratisch über ihre Favoriten ab, um aus allen Lieblingslieder die ewige Bestenliste mit den 2.000 beliebtesten Songs zu erstellen. In den vergangenen 25 Ausgaben hat übrigens ein und derselbe weltberühmte Hit sage und schreibe 20 Mal gewonnen. Sie können ja mal raten, welcher das ist. Ich sage dazu nichts – verlinke Ihnen aber die Auflösung. Die Bestenliste aus 2023 finden Sie übrigens hier. Und wenn Sie mal richtig gute niederländischsprachige Musik hören wollen, hören Sie mal rein bei Eefje de Visser, Froukje, Sophie Straat, Merol, Goldband und De Jeugd van Tegenwoordig.
PPS
Wir bleiben noch kurz im Ausland und schauen nach Osten: Alexey Gusev setzt sich seit vielen Jahren für ein freies und demokratisches Russland ein. Dafür hat er in seinem Heimatland unter anderem Wahlkampf für Alexey Nawalny gemacht, heute promoviert er an der Uni Münster. Nikolas Ender hat im Juli für RUMS mit Alexey Gusev über sein nicht ungefährliches Engagement gesprochen. Auch bei „Radio Q“ ist ein Beitrag erschienen, für den Nikolas jetzt den NRW-Campusradiopreis in der Kategorie Wirtschaft und Politik bekommen hat. Herzlichen Glückwunsch, lieber Nikolas!


