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Porträt von Constanze Busch
von Constanze Busch

Münster, 4. Februar 2022

wussten Sie, dass heute gut doppelt so viele Menschen auf der Erde leben wie vor 50 Jahren? Im Jahr 1970 waren es etwa 3,7 Milliarden Menschen, 2020 schon knapp 7,8 Milliarden. Die Wissenschaftlerin und Autorin Maja Göpel schreibt darüber in ihrem Buch „Unsere Welt neu denken“, in dem es darum geht, wie eine gute Zukunft aussehen könnte. Göpel nennt den heutigen Zustand die „volle Welt“. Der Planet muss knapp 8 Milliarden (und in Zukunft noch mehr) Menschen Platz, Nahrung und saubere Luft bieten. Dazu müssen Ressourcen klug verteilt und genutzt werden, besser als bisher. Wie das geht, wird die große Frage der nächsten Jahrzehnte sein.

Um zu zeigen, wie dringlich diese Herausforderung ist, beschreibt Maja Göpel das Bild Earthrise (auf Deutsch: Erdaufgang). Die Besatzung der Apollo 8 hat es im Jahr 1968 aufgenommen. Es ist das erste Foto der Erde, das jemals vom Weltall aus gemacht wurde. Und das erste Bild der Geschichte, das die ganze Erdkugel zeigt. Die Botschaft, die Maja Göpel vermitteln möchte, ist natürlich recht plakativ, aber eben auch wahr: Es ist nur der eine Planet da, und er ist endlich.

Die große Frage im Kleinen

Wenn wir von dieser Außensicht auf die Welt nun gedanklich nach Europa, Deutschland, NRW und schließlich nach Münster hineinzoomen, stoßen wir auf dieselbe große Frage: Wie können sich all die Menschen den begrenzten Platz bestmöglich teilen? Die Stadtbevölkerung ist von 100.000 Einwohner:innen im Jahr 1915 auf heute gut 313.000 gewachsen. Ganz direkt lassen sich diese Zahlen zwar nicht vergleichen, weil Münster in der Zwischenzeit auch einige Umlandgemeinden mitsamt ihren seinerzeit 65.000 Einwohner:innen zugeschlagen wurden. Aber die Richtung wird deutlich. Und die Stadtbevölkerung wird voraussichtlich weiter wachsen, so lauten jedenfalls die Prognosen.

Wo also sollen die Menschen wohnen, ihre Autos hinstellen (oder eben nicht) und sich in der Freizeit im Grünen erholen? Wo soll Platz für die Landwirtschaft bleiben, wo für halbwegs ungestörte Natur? Wir hatten am Beispiel des geplanten und dann doch abgewählten Baugebiets Zur Vogelstange in Hiltrup schon mal gezeigt, wie schwierig die Abwägung zwischen den verschiedenen Raumbedarfen sein kann. Und solche Fragen werden sich immer wieder stellen.

Gestritten wird später

Damit die zeitintensive Debatte nicht jedes Mal wieder ganz von vorne beginnt, soll nun ein Flächenkonzept her. Es soll in einem sogenannten Werkstattverfahren erarbeitet werden, an dem sich neben der Politik auch Bürger:innen beteiligen sollen. Der Rat wird das nächste Woche aller Voraussicht nach beschließen und 100.000 Euro für die fachkundige Betreuung und Moderation dieses Verfahrens freigeben.

Im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz am Dienstag haben die Fraktionen den Vorschlag schon mit großer Mehrheit durchgewinkt. Das wird wohl auch nächste Woche so passieren. Aber bisher geht es ja nur um das „Ob“. Alle sind sich einig, dass es ein Konzept geben soll. Beim „Wie“ wird es ans Eingemachte gehen.

Eine neue Spielerin mischt das Feld auf

Einer von vielen kniffligen Punkten steht mit im Titel der Beschlussvorlage: „Konzept für eine integrierte Entwicklung von Siedlungs- und Freiflächen und Standorten für erneuerbare Energien“. In den nächsten Jahren wird nämlich nicht mehr allein zwischen Wohn- und Grünflächen abzuwägen sein. Immer häufiger wird eine dritte Konkurrentin dazukommen: Es wird auch zunehmend Platz für erneuerbare Energien benötigt, vor allem große Flächen für Solaranlagen, die Strom erzeugen (Photovoltaik) oder Sonnenenergie in Wärme umwandeln (Solarthermie).

Wo solche Anlagen entstehen und wie sie sich mit der Landwirtschaft vereinbaren lassen könnten, lesen Sie mit unserem kostenlosen Probeabo im RUMS-Brief für unsere Abonnent:innen.

In aller Kürze

+++ Eines der zentralen Ergebnisse einer Videokonferenz mit Oberbürgermeister Markus Lewe zum Musik-Campus am Mittwoch ist: Wenn der Rat erst im April eine Entscheidung trifft, wird das Projekt daran auch nicht scheitern. Lewe hatte vorher zu verstehen gegeben, eine Entscheidung in der Ratssitzung am 9. Februar sei wichtig, damit die Landesregierung noch vor der Landtagswahl im Mai einen Kabinettsbeschluss fassen könne. Das wird nun aber wohl nicht passieren, wie das Rathausbündnis schon angekündigt hatte. Zu der Videokonferenz hatte Lewe die Fraktionsspitzen und Kulturfachleute der Parteien eingeladen. Auch Johannes Wessels nahm teil, der heute wiedergewählte Rektor der Uni Münster. Er sagte in der Videokonferenz, er werde nach der Wahl mit der neuen Landesregierung über den Musik-Campus sprechen. Das berichteten die Westfälischen Nachrichten gestern. Markus Lewe machte in der Konferenz detailliertere Angaben zu den privaten Spenden, die das Projekt möglich machen sollen. Es gebe Menschen in Münster, die bereit seien, zehn Millionen Euro beizutragen, sagte er. Der Betrag sei unter der Hand auch vorher schon genannt worden, so sagte man uns, nun aber erstmals öffentlich. Teilnehmende beschrieben die Atmosphäre als konstruktiv – anders als am Montag vergangener Woche, als das Rathausbündnis Lewe erklärte, dass in der Ratssitzung am 9. Februar keine Entscheidung fallen werde, weil zu viele Fragen noch offen seien. Der neue Plan ist: Am 6. April soll eine Entscheidung fallen. Ganz sicher scheint aber auch das noch nicht.

Wir hatten am Dienstag ausführlich über den Musik-Campus geschrieben. Zu dem Brief haben wir etliche Rückmeldungen bekommen und viele Leser:innen haben ihn auf unserer Website kommentiert. Deshalb haben wir den Text nun kostenlos freigeschaltet, Sie finden ihn hier. Wenn Sie Menschen kennen, die das Thema interessiert, leiten Sie den Link gerne weiter.

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann wieder. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzliche Grüße

Constanze Busch

PS

Zum Schluss habe ich hier noch eine sehr schöne Neuigkeit für Sie: Unsere Redaktion hat Verstärkung bekommen. Sebastian Fobbe hat bei uns angefangen und sich gleich in die ersten Recherchen gestürzt, von denen Sie dann bald lesen werden. Er lebt seit 2018 in Münster und hat hier schon für Perspective Daily und das Straßenmagazin „draußen!“ geschrieben. Zuletzt hat er für eine Agentur in Osnabrück zwei Magazine betreut. Wir freuen uns sehr, herzlich willkommen!

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