Danke! 50.000 haben wir schon, 100.000 brauchen wir noch | Ab 750 Euro beteiligen | Rückblick auf Veranstaltung mit David Schraven

Porträt von Marc-Stefan Andres und Götz Grommek
von Marc-Stefan Andres und Götz Grommek

Guten Tag,

mit unserer Kampagne, die wir vor zwei Wochen gestartet haben, wollen wir 150.000 Euro erzielen, um unseren Lokaljournalismus für Münster weiterentwickeln zu können. 50.000 Euro davon haben wir schon erreicht. Vielen Dank allen, die sich schon beteiligt haben.

Die große Resonanz zeigt uns: Viele Menschen teilen unsere Überzeugung, dass eine Stadt wie Münster eine starke journalistische Stimme braucht. Am vergangenen Dienstagabend kamen wir darüber mit vielen von Ihnen ins Gespräch. Rund 50 Gäste kamen zu unserer besonderen Veranstaltung in den Theatertreff, um mehr über unsere Beteiligungskampagne zu erfahren. Zunächst stellte unser Geschäftsführer Götz Grommek die Idee hinter der Kampagne vor: Warum wir neue Wege der Finanzierung gehen, wie die Beteiligung funktioniert und welche Perspektiven wir für RUMS in den kommenden Jahren haben. Das alles können Sie auch hier noch einmal nachlesen.

Im Anschluss sprach unser Redaktionsleiter Ralf Heimann mit David Schraven, dem Gründer von CORRECTIV. Es wurde ein Abend über Journalismus, über Recherche – und darüber, warum die Suche nach der Wahrheit oft viel komplizierter ist, als sie von außen aussieht. Heute möchten wir Ihnen erzählen, warum guter Journalismus so aufwändig ist – und warum er sich nicht nebenbei produzieren lässt.

Was am Anfang einer Recherche steht

David Schraven erzählte, dass sein Impuls, einer Geschichte nachzugehen, meistens daraus entstehe, dass er sich über etwas ärgere. Wenn ihm etwas nicht plausibel erscheine oder ihm Ungerechtigkeit begegne, beginne er zu recherchieren. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte um den Bottroper Apotheker Peter Stadtmann, der in Bottrop eine schillernde Figur war. Er hatte sich eine riesige Villa gebaut, inszenierte sich als großzügiger Wohltäter. Später stellte sich heraus, dass genau dieser Mann krebskranken Menschen Infusionsbeutel für rund 9.000 Euro verkaufte, in denen statt teurer Krebsmedikamente oft lediglich eine Kochsalzlösung enthalten war.

Um seinen Gewinn zu maximieren, fehlten die eigentlichen Wirkstoffe. David Schraven schilderte eindrucksvoll, wie zunächst fast alle davon ausgingen, Stadtmann sitze wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Genau dieser Widerspruch ließ ihn nicht los. Er begann zu recherchieren, sprach mit vielen Menschen, überprüfte Hinweise und setzte Schritt für Schritt ein Puzzle zusammen, bis das wahre Ausmaß des Skandals sichtbar wurde.

Zeit ist der eigentliche Wert journalistischer Arbeit

Ralf Heimann griff den Gedanken anschließend auf. Er erklärte, was guten Journalismus aus seiner Sicht ausmacht. Journalismus bedeutet eben nicht, Pressestellen anzuschreiben und deren Antworten zu veröffentlichen. Journalismus bedeutet, Antworten selbst zu finden, Menschen zu treffen, Dokumente zu lesen, Zahlen zu überprüfen, Zusammenhänge zu verstehen und Widersprüche aufzudecken. Das dauert oft Tage, manchmal Wochen oder sogar Monate. Genau diese Zeit ist der eigentliche Wert journalistischer Arbeit – und zugleich ihr größter Kostenfaktor.

Anschließend erzählte David Schraven noch eine zweite Geschichte darüber, wie Recherche funktioniert. Bei der Recherche zu einem Missbrauchsverdacht in einer Kirche stieß er auf einen Priester, der von Joseph Ratzinger nach Bayern versetzt worden war. Auf einem der Dokumente, die er dafür untersuchte, fiel ihm eine Registernummer auf. Aus diesem zunächst unscheinbaren Detail entstand der Verdacht, dass es ein zentrales Archiv geben müsse. Dieser kleine Hinweis entwickelte sich schließlich zu einer internationalen Recherche über Missbrauchsakten im Vatikan und zu Hinweisen darauf, dass der Vatikan an der Vertuschung von Missbrauchsfällen mitgewirkt haben könnte. Allein diese Recherche kostete am Ende rund 700.000 Euro.

Ganz so teuer sind die RUMS-Recherchen nicht, aber auch unsere Redaktion arbeitet manchmal über Tage und Wochen an Storys, zum Beispiel zu Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, zu Machtstrukturen in der Kirche oder zu explodierenden Wohnkosten in Seniorenresidenzen. Wenn wir also über unsere Finanzierung sprechen, reden wir nicht in erster Linie über Technik oder Büros. Wir sprechen über Menschen.

Beteiligungskampagne Kostenanteile

Aktuell investieren wir unsere Einnahmen von rund 400.000 Euro zu rund 80 Prozent in unsere festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – in unsere Redaktion, in Autorinnen und Autoren und die Menschen, die im Marketing und in der Organisation jeden Tag dafür sorgen, dass RUMS inzwischen fast täglich erscheint, dass wir Veranstaltungen umsetzen können – kurz: dass wir guten Lokaljournalismus für Münster machen können.

Die verbleibenden 20 Prozent geben wir für die Infrastruktur und sonstige Kosten aus: also Software, Zahlungsabwicklung, Steuerberatung, die Rückzahlung von Darlehen, Miete und Versicherungen.

Beteiligungskampagne Umsatzanteile

Mit anderen Worten: Wer sich an RUMS beteiligt, finanziert vor allem Zeit. Zeit zum Recherchieren, zum Nachfragen, zum Schreiben. Zeit, die nötig ist, um Geschichten gründlich zu erzählen und nicht nur schnell zu veröffentlichen.

Weil die Frage auch bei der Veranstaltung auftauchte: Neben den Abonnements und den deutlich geringeren Erlösen durch Veranstaltungen und Werbung gibt es im Grunde keine Möglichkeiten, Lokaljournalismus zu finanzieren.

Die Hoffnung vieler neuer Lokalmedien lag seit Jahren darin, Journalismus als gemeinnützige Tätigkeit anzuerkennen, um zum Beispiel Spenden von Stiftungen oder Privatpersonen nutzen zu können. Genauso lang stand diese Idee auch in den Koalitionsvereinbarungen der jeweiligen Bundesregierungen. Passiert ist seither nichts.

Für Medien wie RUMS bedeutet das: Wir können nicht darauf warten, dass irgendwann politische Lösungen entstehen. Wir müssen unsere Zukunft selbst sichern – gemeinsam mit denjenigen, die unseren Journalismus lesen und für wichtig halten.

Werden Sie Teil von RUMS

Wenn Sie unsere Kampagne bisher nur beobachtet haben, würden wir uns freuen, wenn Sie jetzt den nächsten Schritt gehen. Wie genau das funktioniert, können Sie hier nachlesen. Unterstützen Sie uns dabei, noch mehr investigative Recherchen, mehr Veranstaltungen und Diskussionsformate, Medienkompetenzseminare für Schülerinnen und Schüler, einen Veranstaltungskalender für Münster und neue journalistische Formate umzusetzen und auszubauen. Übrigens: Wenn Sie noch Fragen haben, stehen wir jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung, schreiben Sie uns gerne.

Mit Ihrer Beteiligung investieren Sie nicht nur in ein Medienunternehmen. Sie investieren vor allem in Menschen, die jeden Tag unabhängigen Journalismus für Münster möglich machen. Und damit investieren Sie in eine demokratische Öffentlichkeit und in eine starke Stimme für Ihre Stadt.

Herzliche Grüße
Götz Grommek & Marc-Stefan Andres