Die Wohnspirale | Die Wahlprogramme | Torquato

Müns­ter, 29. April 2022

Guten Tag,

vor etwas mehr als einer Woche hat das Som­mer­se­mes­ter begon­nen, und nach zwei Coro­na-Jah­ren stellt sich in die­sem Jahr nicht mehr die Fra­ge, ob es sich wegen der Pan­de­mie über­haupt lohnt, in die Stadt zu zie­hen. Aller­dings steht der gro­ße Ansturm auf den Woh­nungs­markt noch bevor. Drei Vier­tel der Stu­die­ren­den fan­gen im Win­ter­se­mes­ter an. Und wer jetzt schon einen Blick auf die Woh­nungs­bör­sen wirft, der fin­det fol­gen­des Bild:

Ein möblier­tes Zim­mer im Kreuz­vier­tel an der Hoya­stra­ße: 700 Euro warm. Ein Zim­mer in der Innen­stadt: 35 Qua­drat­me­ter, 560 Euro plus 120 Euro Neben­kos­ten. Zwei-Zim­mer-Log­gia möbliert: 950 Euro kalt. Das sind Daten aus aktu­el­len Woh­nungs­an­zei­gen. Immer­hin sind über­haupt noch Woh­nun­gen frei. 

Die Leer­stands­quo­te in Müns­ter ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von 1,7 Pro­zent im Jahr 2009 auf 0,3 Pro­zent im Jahr 2020 gesun­ken. Der Lan­des­schnitt liegt bei 3 Pro­zent. Es gibt so gut wie kei­nen frei­en Wohn­raum in der Stadt. Allein das Stu­die­ren­den­werk ver­mie­tet 5.400 Zim­mer in 23 Wohn­an­la­gen. Doch die War­te­lis­ten sind lang. Min­des­tens 2.000 Namen ste­hen immer auf der Lis­te, manch­mal sei­en es 3.000, sagt Julia Schul­te. Sie ist beim Stu­die­ren­den­werk für die Wohn­raum­ver­mie­tung zuständig. 

Im Schnitt war­te­ten Stu­die­ren­de zwi­schen einem hal­ben und einem Jahr, „manch­mal lei­der sogar län­ger“, sagt Julia Schul­te. Und wenn jemand aus­zieht, bleibt das Zim­mer nicht lan­ge leer. Sogar in der Coro­na­zeit habe die Aus­las­tung durch­ge­hend bei 98 Pro­zent gele­gen. Das sei in Deutsch­land ein­zig­ar­tig und auch in Nord­rhein-West­fa­len unty­pisch, sagt Julia Schul­te. In ande­ren Städ­ten sei­en bis zu einem knap­pen Drit­tel der Zim­mer frei geworden. 

Proteste gegen höhere Kosten

Uwe War­da betreut die Woh­nungs­bör­se des All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den­aus­schus­ses, kurz AStA, der Uni Müns­ter. Er sieht zwar, dass das Ange­bot ein biss­chen steigt, aller­dings sei auch hier die Nach­fra­ge so groß, dass es kaum Bewe­gung gebe, sagt er. 

Die inter­na­tio­na­len Aus­tausch­pro­gram­me lau­fen wie­der an: Mitt­ler­wei­le gibt es ein paar Woh­nun­gen für sechs Mona­te. Doch das schma­le Ange­bot sor­ge immer wie­der für Frus­tra­ti­on, sagt War­da. Stu­die­ren­de kom­men aus dem Aus­land, den­ken, sie könn­ten sich kurz­fris­tig vor Ort um eine Woh­nung küm­mern – und scheitern. 

Mit­te Febru­ar kün­dig­te das Stu­die­ren­den­werk an, dass die Kos­ten stei­gen wer­den – um neun Pro­zent ab April, berich­te­te das Maga­zin Gras­wur­zel-Revo­lu­ti­on. Es schrieb von einer Miet­erhö­hung. Julia Schul­te sagt, das stim­me so nicht. In fünf Wohn­an­la­gen sei­en die Betriebs­kos­ten gestie­gen, zum Bei­spiel für den Müll. Das sei als Miet­erhö­hung miss­ver­stan­den wor­den. Oder die Warm­mie­te sei erhöht wor­den, weil die Abschlä­ge für die Ener­gie ange­ho­ben wur­den. Das bewah­re die Stu­die­ren­den vor hohen Nach­zah­lun­gen, doch, natür­lich, zunächst müss­ten sie mehr zah­len. Bei den Stu­die­ren­den kam vor allem das an: Sie muss­ten mehr zahlen. 

Sie rie­fen auf zu Pro­test­ak­tio­nen, zu Demons­tra­tio­nen gegen die höhe­ren Kos­ten. Doch am Pro­blem änder­te das nichts. 

Und das betrifft nicht nur die Stu­die­ren­den. Müns­ters Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe hat in die­ser Woche in einem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung gesagt: „Wür­di­ges und bezahl­ba­res Woh­nen ist nicht nur ein ganz hohes Gut für die ein­zel­nen Men­schen, son­dern auch für den Zusam­men­halt der Gesellschaft.“ 

Chris­ti­an Kra­jew­ski vom Insti­tut für Geo­gra­phie der Uni Müns­ter sagt: „Die Woh­nungs­fra­ge ist die neue sozi­al­po­li­ti­sche Fra­ge unse­rer Zeit.“ Stadt­for­scher Kra­jew­ski hat über die Trans­for­ma­ti­on von Innen­städ­ten pro­mo­viert. Er beschäf­tigt sich seit vie­len Jah­ren mit die­ser Ent­wick­lung. Und sei­ne ernüch­tern­de Erkennt­nis lau­tet: „Es gibt kei­ne schnel­len Lösungen.“ 

Lässt man ihn erklä­ren, was über­haupt in den ver­gan­ge­nen Jah­ren pas­siert ist, dann beginnt sei­ne Erzäh­lung in den 90er-Jah­ren, als die vor­herr­schen­de Über­zeu­gung lau­te­te: Der Markt wird das schon irgend­wie regeln. 

In die­ser Zeit flos­sen zum letz­ten Mal grö­ße­re Sum­men in den sozia­len Woh­nungs­bau. Deutsch­land war wie­der­ver­ei­nigt, der Kal­te Krieg zu Ende. Es gab eine Zuwan­de­rungs­wel­le aus dem Osten, aber ein Man­gel an ver­füg­ba­rem Wohn­raum, so dach­te man, wür­de in Zukunft kein gro­ßes Pro­blem mehr sein. 

Bestand wurde immer kleiner

Im Jahr 2006 ver­kauf­te das Land Nord­rhein-West­fa­len sei­ne lan­des­ei­ge­ne Woh­nungs­ge­sell­schaft LEG an einen pri­va­ten Fonds. Sozia­ler Woh­nungs­bau war nicht mehr so wich­tig, auch weil es so aus­sah, als wür­den die Städ­te in Zukunft eher schrumpfen. 

Im Jahr 2004 gab es in Müns­ter noch über 12.000 Sozi­al­woh­nun­gen – also Woh­nun­gen, in denen Men­schen eine redu­zier­te Mie­te zah­len, weil der Staat Geld dazu­gibt. Aber die För­de­rung ist zeit­lich begrenzt, irgend­wann läuft sie aus. Das pas­sier­te in den Jah­ren dar­auf immer wie­der. Sechs Jah­re spä­ter war die Zahl auf knapp 9.000 gesun­ken, drei wei­te­re Jah­re danach auf etwas mehr als 8.000 (Über­sicht auf Sei­te 38).

Beim sozia­len Wohn­raum hat­te man die För­de­rung anfangs über 40 Jah­re lau­fen las­sen, spä­ter teil­wei­se nur noch über 15. Und weil man nur wenig bau­te, also weni­ge neue Woh­nun­gen hin­zu kamen, wur­de der Bestand immer kleiner. 

Irgend­wann zeich­ne­te sich eine neue Ent­wick­lung ab: Städ­te, die wie­der wuch­sen. Müns­ter sei heu­te eine soge­nann­te Schwarm­stadt, sagt Kra­jew­ski. Das sind Orte, die jun­ge Men­schen anzie­hen, vor allem grö­ße­re Universitätsstädte. 

In Müns­ter ist es sogar gelun­gen, auf dem Woh­nungs­markt gegen­zu­steu­ern – mit einem Modell, das man aus Mün­chen impor­tiert und leicht ver­än­dert hat. Heu­te spricht man vom Müns­te­ra­ner Modell. 

Das Kon­zept trägt den kom­pli­zier­ten Namen Sozi­al­ge­rech­te Boden­nut­zung, kurz Sobomü. Es gibt der Stadt die Mög­lich­keit, in den Woh­nungs­markt ein­zu­grei­fen. Sie kann Fir­men oder Pri­vat­per­so­nen, die im Stadt­ge­biet Woh­nun­gen bau­en möch­ten, dazu ver­pflich­ten, zu einem bestimm­ten Anteil sozi­al geför­der­ten Wohn­raum zu schaf­fen. Daher wächst die Zahl der Sozi­al­woh­nun­gen seit eini­ger Zeit wie­der: zwi­schen 2016 und 2020 von knapp 7.600 auf über 8.200. Das Modell ist so erfolg­reich, dass ande­re Städ­te es über­neh­men. In Osna­brück steht die Ent­schei­dung bald an.

Städ­te wie Dort­mund oder Essen, die noch vor zehn Jah­ren schrumpf­ten, wer­den nun wie­der grö­ßer. Lan­ge hat­te der Staat so gut wie gar nicht steu­ernd in den Woh­nungs­markt ein­ge­grif­fen. „Die Fol­ge­wir­kun­gen von Ent­schei­dun­gen, die wir vor 30 oder 40 Jah­ren getrof­fen haben, fal­len uns jetzt vor die Füße“, sagt Chris­ti­an Krajewski.

Ein Zielkonflikt

In Müns­ter ist die Nach­fra­ge nach Wohn­raum in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so stark gestie­gen wie kaum anders­wo in Nord­rhein-West­fa­len. Und hier kom­men gleich meh­re­re Pro­ble­me zusammen. 

Das Woh­nen in der Stadt ist so teu­er gewor­den, dass vie­le Fami­li­en es sich nicht mehr leis­ten kön­nen. Sie zie­hen ins Umland. „Gre­ven hat schon vor 20 Jah­ren von den Weg­züg­lern pro­fi­tiert“, sagt Chris­ti­an Kra­jew­ski. Dort ist es güns­ti­ger, ein Ein­fa­mi­li­en­haus zu bau­en. Aller­dings muss auch dort Flä­che ver­sie­gelt wer­den, wenn ein neu­es Bau­ge­biet ent­steht. Dass Flä­chen ver­sie­gelt wer­den, pas­siert in Deutsch­land täg­lich – auf einer Flä­che in der Grö­ße von knapp 80 Fußballfeldern. 

Die Bun­des­re­gie­rung will den Flä­chen­ver­brauch bis 2030 auf etwa die Hälf­te ver­rin­gern. Die­ses Ziel ist schon Jah­re alt. Doch es ist nicht viel pas­siert, seit es beschlos­sen wur­de. Das liegt auch dar­an, dass die Kom­mu­nen dar­über ent­schei­den, wo gebaut wer­den darf. Und für sie hat es vor allem Vor­tei­le, wenn Men­schen sich ansiedeln. 

Ein wei­te­res Pro­blem ergibt sich dar­aus, dass Men­schen, die im Umland bau­en, oft wei­te Stre­cken zur Arbeit zurück­le­gen müs­sen . Vie­le fah­ren mit dem Auto. So ent­las­ten sie durch ihren Umzug den Woh­nungs­markt in der Stadt, belas­ten aller­dings die ohne­hin schon vol­len Stra­ßen. Chris­ti­an Kra­jew­ski spricht von einem Zielkonflikt. 

Aber geht das auch anders? Kra­jew­ski ist viel unter­wegs. Er schaut sich an, wie ande­re Städ­te die­se Pro­ble­me lösen. Und wenn es um die­se Fra­gen geht, kommt man immer wie­der auf Städ­te wie Wien, Ams­ter­dam oder Kopen­ha­gen. Die Fra­ge lau­tet: Ist es mög­lich, die Nach­fra­ge in eine ande­re Rich­tung zu len­ken? Oder wie Kra­jew­ski sagt: „Kann man Men­schen, die ursprüng­lich die Idee Eigen­heim hat­ten, etwas ande­res bie­ten, mit dem sie auch hap­py wären?“ Wien, Ams­ter­dam oder Kopen­ha­gen zei­gen, dass es geht. 

So gelangt man zum nächs­ten Fach­wort: Nach­ver­dich­tung. Wohn­for­men in der Stadt auf enge­rem Raum. Das kön­nen aus­ge­bau­te Dach­ge­schos­se sein, Neu­bau­ten mit mehr Woh­nun­gen am glei­chen Ort als vor­her. In Müns­ter ist das alte Schlacht­hof­ge­län­de an der Gar­ten­stra­ße ein Bei­spiel dafür. Der Nach­teil auch hier ist: Wo mehr Men­schen leben, gibt es mehr Ver­kehr, weni­ger Ruhe. Das führt zu Abwehr­re­ak­tio­nen, wenn in Wohn­ge­bie­ten neu­er Wohn­raum geschaf­fen wird. Ein Bei­spiel dafür ist in Müns­ter ein neu­es Bau­ge­biet am Mai­kot­ten­weg. Auch in der Aasee­stadt gab es die­se Dis­kus­sio­nen.

Handlungsspielraum für Kommunen

Von der Pla­nung bis zum Ein­zug ver­ge­hen oft Jah­re. Aber auf einem über­hitz­ten Woh­nungs­markt braucht es schnel­le Lösung. Die Prei­se stei­gen rasant. Knap­pes Bau­ma­te­ri­al, aus­ge­las­te­te Bau­un­ter­neh­men, zuletzt Preis­er­hö­hun­gen, die durch den Krieg in der Ukrai­ne zustan­de­ka­men, all das ver­stärkt die Pro­blem. Kann man dage­gen über­haupt etwas machen?

Mar­kus Lewe hat in die­ser Woche in dem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung erklärt, was sei­ner Mei­nung nach pas­sie­ren muss, um die Pro­ble­me in den Griff zu bekommen.

„Es muss wie­der eine Balan­ce her­ge­stellt wer­den, zwi­schen einer gemein­wohl­ori­en­tier­ten Nut­zung von Grund­stü­cken und einer, die sich am Markt ori­en­tiert“, sag­te Lewe. In ande­ren Wor­ten: Beim Woh­nen darf es nicht nur ums Geld gehen. Aber ist das realistisch? 

Lewe for­dert mehr Hand­lungs­spiel­raum für Kom­mu­nen. Vor­kaufs­rech­te für Städ­te und Gemein­den zum Bei­spiel. Wenn Grund­stü­cke frei wer­den, sol­len sie das ers­te Zugriffs­recht haben. Ein ande­rer Vor­schlag ist: Städ­te sol­len Boden­fonds ein­rich­ten, die ihnen genug finan­zi­el­len Spiel­raum geben sol­len, um selbst am Markt tätig zu werden. 

Eini­ge Mög­lich­kei­ten haben Kom­mu­nen schon heu­te. Sie kön­nen soge­nann­te Städ­te­bau­li­che Ent­wick­lungs­ge­bie­te aus­wei­sen. In die­sen Gebie­ten dür­fen sie die Grund­stü­cke kau­fen und fest­le­gen, was auf ihnen pas­siert. Doch das ist kom­pli­ziert und führt oft zu gro­ßen Protesten.

In Häger soll­te ein städ­te­bau­li­ches Ent­wick­lungs­ge­biet vor knapp 30 Jah­ren die Vor­aus­set­zung schaf­fen, um aus der klei­nen Sied­lung einen gro­ßen Stadt­teil zu machen. Doch das schei­ter­te an den Wider­stän­den der Bevöl­ke­rung. Häger blieb eine dörf­li­che Sied­lung. Zuletzt ging es an der Nie­ber­ding­stra­ße um ein ähn­li­ches Pro­blem. Auch dort soll ein Wohn­ge­biet ent­ste­hen. Doch was, wenn die Men­schen, denen die Grund­stück gehö­ren, nicht ver­kau­fen möch­ten? Zwingt die Stadt sie dann dazu? 

Eine ande­re Mög­lich­keit, den Woh­nungs­bau zu beschleu­ni­gen, ist, Men­schen dazu zu ver­pflich­ten, brach­lie­gen­de Grund­stü­cke zu bebau­en. In dem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung sprach Mar­kus Lewe von einer „Bau­ver­pflich­tung der Eigen­tü­mer, damit unbe­bau­te Grund­stü­cke zeit­nah genutzt werden“. 

All das klingt unge­wöhn­lich für einen Poli­ti­ker aus einer kon­ser­va­ti­ven Par­tei, in der das Eigen­tum einen hohen Wert hat. Es sind Kon­zep­te, die man eher der lin­ken poli­ti­schen Sphä­re zuord­nen wür­de. Wie ist das zu erklären?

„Es ist die pure Not“, sagt Chris­ti­an Kra­jew­ski. Jetzt gehe es dar­um, umzusteuern. 

Die Wahlprogramme

Wir haben uns die Wahl­pro­gramm der größ­ten demo­kra­ti­schen Par­tei­en ange­se­hen, damit Sie das nicht machen müss­ten. Die Auf­stel­lung ist nicht voll­stän­dig. Für den Fall, dass Sie selbst einen Blick in die Pro­gram­me wer­fen möch­ten, haben wir sie hin­ter den Par­tei­na­men verlinkt.

CDU

Das Kapi­tel Woh­nen im Wahl­pro­gramm der CDU beginnt mit dem Satz: „Jeder Mensch soll in unse­rem Land dort leben, wo er möch­te – egal, ob zur Mie­te oder im Eigen­tum.“ Die Par­tei möch­te gute Rah­men­be­din­gun­gen für alle schaf­fen, die bau­en wol­len. Wich­tig sei, dass nach­hal­tig und kli­ma­freund­lich gebaut wer­de. Ein ande­res Ziel ist öffent­lich geför­der­ter Miet­woh­nungs­bau. Die CDU möch­te öffent­lich geför­der­ten Wohn­raum sichern. 

Außer­dem möch­te die Par­tei mehr bau­en. Sie möch­te es leich­ter machen, Bau­land aus­zu­wei­sen. Gene­rell soll die Pla­nung schnel­ler gehen. Ein Ziel ist, Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren zu digi­ta­li­sie­ren. Und die CDU schreibt, man müs­se res­sour­cen­scho­nend mit Flä­chen umgehen. 

Ein wei­te­res Ziel ist, die Mie­ten zu sta­bi­li­sie­ren. Des­halb will die CDU die Mie­ter­schutz­ver­ord­nung wei­ter­ent­wi­ckeln. Die Par­tei möch­te es den Men­schen leich­ter machen, eine Woh­nung zu kau­fen. Sie will Bau­kin­der­geld wie­der ein­füh­ren und den Fokus auf die Sanie­rung von Häu­sern mit hohem Ener­gie­be­darf legen. 

Alles neu macht der Mai!

In unse­rem letz­ten RUMS-Brief am Diens­tag haben Ihnen unse­re Mit­grün­der Marc-Ste­­fan And­res und Götz Grom­mek unse­re neu­en For­ma­te bereits vor­ge­stellt. Es wird in Zukunft unter ande­rem Info­gra­fi­ken, Car­toons und Foto­re­por­ta­gen, Kurz­in­ter­views, eine Medi­en­schau und wei­te­re neue Rubri­ken wie „Kurz und Klein“, „Wie es wei­ter­ging“ und die „Ein-Satz-Zen­­tra­­le“ geben.

Ab sofort lie­fern wir Ihnen also neben unse­ren Ana­ly­sen auch mehr fürs Auge. Und nicht nur das: Wir haben unser Team ver­stärkt und set­zen mit unse­ren drei neu­en Kolumnist:innen neue The­men­schwer­punk­te (The­men, die die inter­na­tio­na­le Com­mu­ni­ty in Müns­ter bewe­gen, Selbst­be­stim­mung von Men­schen mit Behin­de­rung und mehr über die Kunst- und Kul­tur­sze­ne).

Um all das umset­zen zu kön­nen, ist es nötig, dass wir unse­re Prei­se erhö­hen. RUMS wird in Zukunft im Stan­­dard-Abo monat­lich 10 Euro kos­ten, Men­schen, die Arbeits­lo­sen­geld II bezie­hen oder stu­die­ren, wer­den 5 Euro zah­len. Die Abos wer­den zum 1. Mai auto­ma­tisch umge­stellt. Das Ide­a­­lis­­tisch-Abo (15 Euro) und das Groß­­zü­­gig-Abo (25 Euro) blei­ben im Preis bestehen.

Auch nach der Preis­er­hö­hung kön­nen Sie wei­ter­hin jeder­zeit zum nächs­ten Monat kün­di­gen – aber wir hof­fen natür­lich, dass Sie bei uns bleiben.

Uns wür­de sehr inter­es­sie­ren, was Sie von all dem hal­ten. Schrei­ben Sie uns ger­ne direkt eine E-Mail. Wir freu­en uns sehr, wenn Sie uns auch wei­ter­hin gewo­gen blei­ben, uns wei­ter­emp­feh­len und so mit uns einen neu­en loka­len Jour­na­lis­mus für Müns­ter mög­lich machen.

FDP

Die FDP möch­te, dass Men­schen die Chan­ce auf ein eige­nes Haus oder eine eige­ne Woh­nung haben. Sie will das Bau­en erleich­tern und beschleu­ni­gen und dabei laut Wahl­pro­gramm auf inno­va­ti­ve Lösun­gen set­zen, nicht auf Ver­bo­te. Zudem möch­te sie die Bau­neben­kos­ten sen­ken. Zum Bei­spiel dadurch, dass hohe Stan­dards gesenkt oder DIN-Nor­men über­dacht werden. 

Außer­dem möch­te die FDP mehr Mie­te zah­len­de Men­schen zu Eigen­tü­mern machen – auch Men­schen, die nicht viel Eigen­ka­pi­tal besit­zen (eigen­ka­pi­ta­ler­set­zen­de Dar­le­hen). Und sie möch­te neue Woh­nun­gen ziel­ge­nau­er fördern. 

Die Par­tei möch­te eine Offen­si­ve für mehr Bau­land. Unter ande­rem mit Katas­tern, die iden­ti­fi­zie­ren, wo sich Bau­lü­cken befin­den. Über­haupt soll kla­rer wer­den, wo es die Mög­lich­keit gibt, Wohn­raum zu schaf­fen, ohne dafür neue Flä­chen in Anspruch zu neh­men (Nach­ver­dich­tung). Das soll auch dadurch gesche­hen, dass Dächer aus­ge­baut werden. 

Eine ande­re Mög­lich­keit dazu sind nach den Vor­stel­lun­gen der FDP Hoch­häu­ser „nach höchs­ten und öko­lo­gi­schen und städ­te­bau­li­chen Stan­dards“ („Hoch­hin­aus­häu­ser”).

Auch das Bau­en selbst soll schnel­ler gehen. Die FDP möch­te, dass Bau­ge­neh­mi­gun­gen schnel­ler erteilt wer­den und alles digi­tal läuft. Eine Inno­va­ti­ons­klau­sel in der Lan­des­bau­ord­nung soll Geneh­mi­gun­gen unter bestimm­ten Bedin­gun­gen ver­ein­fa­chen. Dann wür­de gel­ten: Wenn eine Kom­mu­ne inner­halb eines bestimm­ten Zeit­raums nicht reagiert, ist die Geneh­mi­gung erteilt. 

Zudem möch­te die FDP Miet­schutz­be­stim­mun­gen wie die Miet­preis­brem­se, Kap­pungs­gren­zen (Begren­zung von Miet­erhö­hun­gen) und Kün­di­gungs­sperr­fris­ten „bedarfs­ge­recht wei­ter­ent­wi­ckeln“. Außer­dem möch­te sie Inves­ti­tio­nen in den sozia­len Woh­nungs­bau ver­bes­sern, zum Bei­spiel durch Pensionsfonds. 

Die Lin­ke kri­ti­siert in ihrem Wahl­pro­gramm, das gan­ze Sys­tem sei auf Neu­bau aus­ge­legt. Immer müs­se Neu­bau sub­ven­tio­niert wer­den, um tem­po­rär preis­ge­bun­de­nen Wohn­raum zu schaf­fen. Das sei nicht nach­hal­tig. Die Lin­ke will öffent­li­che Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaf­ten, ein lan­des­ei­ge­nes Woh­nungs­un­ter­neh­men. Sie will gemein­wohl­ori­en­tier­te Sied­lun­gen för­dern, eine Offen­si­ve für gemein­wohl­ori­en­tier­ten Woh­nungs­bau. Statt Bau­land an pri­va­te Per­so­nen oder Gesell­schaf­ten zu ver­kau­fen, sol­len die Kom­mu­nen sie über Erb­bau­ver­trä­ge ver­ge­ben, damit die Grund­stü­cke nach Ende der Ver­trä­ge wie­der an die Städ­te fallen. 

Die Par­tei will Mie­ten, die sich an den tat­säch­li­chen Kos­ten ori­en­tie­ren, ein Fünf-Mil­li­ar­den-Euro-Pro­gramm für Woh­nen, und die Lin­ke möch­te, dass die Wohn­ge­mein­nüt­zig­keit wie­der ein­ge­führt wird. Das wür­de bedeu­ten: Wer sozia­len Wohn­raum schafft, bekommt dafür steu­er­li­che Vor­tei­le. Und die Lin­ke möch­te ein­fa­che­re Förderprogramme. 

Außer­dem will die Par­tei preis­wer­ten Wohn­raum erhal­ten – und nicht abrei­ßen oder an glei­cher Stel­le neu bau­en. Sie will sich dafür ein­set­zen, dass Leer­stands­ka­tas­ter erstellt wer­den und leer ste­hen­de Häu­ser im Zwei­fel beschlag­nahmt wer­den. Die Par­tei möch­te den Sanie­rungs­stau been­den, aber gleich­zei­tig Luxus­sa­nie­run­gen ver­hin­dern (Gen­tri­fi­zie­rung). Sie will die Stra­ßen­bau­bei­trä­ge rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2022 abschaf­fen. Sie setzt sich ein für Milieu­schutz­sat­zun­gen, sie möch­te die Instand­set­zung reno­vie­rungs­fä­hi­ger Häu­ser vor­schrei­ben, und ver­hin­dern, dass Miet- in Eigen­tums­woh­nun­gen umge­wan­delt wer­den. Sie will einen bes­se­ren Mie­ter­schutz und eine Bun­des­rats­in­itia­ti­ve zur Ein­füh­rung von gede­ckel­ten Mieten. 

SPD

Die SPD möch­te „bezahl­ba­res Woh­nen für alle“. Sie setzt sich für den Bau neu­er Woh­nun­gen ein, damit Men­schen sich wie­der eine eige­ne Woh­nun­gen leis­ten könn­ten, so schreibt die Par­tei es. Und Men­schen soll­ten nicht mehr als 30 Pro­zent ihres Ein­kom­mens für die Mie­te ausgeben. 

Die SPD for­mu­liert ein kla­res Ziel: 100.000 Woh­nun­gen pro Jahr. Mehr Men­schen sol­len von För­der­pro­gram­men pro­fi­tie­ren. Und die Par­tei möch­te die Stra­ßen­bau­bei­trä­ge abschaf­fen. Ein Schlag­wort im Wahl­pro­gramm ist die gemein­wohl­ori­en­tier­te Boden­po­li­tik. Die Par­tei möch­te die Bau­kos­ten sen­ken und dazu soge­nann­te Boden­fonds ein­rich­ten, die Kom­mu­nen Spiel­raum geben, selbst Grund­stü­cke kau­fen zu kön­nen. Die SPD möch­te eine Grund­steu­er C für unbe­bau­te Grund­stü­cke ein­füh­ren, um gegen Spe­ku­lan­ten vor­zu­ge­hen. Lan­des­ei­ge­ne Grund­stü­cke sol­len vor allem für den Miet­woh­nungs­bau ver­wen­det werden. 

Die SPD will Wohn­raum ver­dich­ten, um nicht immer neue Flä­chen ver­sie­geln zu müs­sen. Dazu gehört auch der Aus­bau von Dach­ge­schos­sen. Die Par­tei will Brach­flä­chen in alt­in­dus­tri­ell gepräg­ten Regio­nen reak­ti­vie­ren, sie möch­te die Stadt-Umland-Bezie­hun­gen ver­bes­sern, Digi­ta­li­sie­rung und den Aus­bau von Bus und Bahn zur Stär­kung der Kom­mu­nen. Außer­dem möch­te die SPD auf Umbau set­zen statt auf Neubau. 

Im Wahl­pro­gramm der Grü­nen steht nicht der Neu­bau im Vor­der­grund. Die Par­tei möch­te alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mög­lich­kei­ten nut­zen, um Miet­preis­stei­ge­run­gen bei bestehen­den Woh­nun­gen zu ver­hin­dern. Und sie möch­te den Mie­ter­schutz stär­ken – also etwa die Miet­preis­brem­se oder die soge­nann­te Kap­pungs­gren­ze (Begren­zung von Miet­erhö­hun­gen) ausweiten. 

Auf ange­spann­ten Woh­nungs­märk­ten wol­len die Grü­nen ver­hin­dern, dass Miet- in Eigen­tums­woh­nun­gen umge­wan­delt wer­den. Sie will die För­der­mit­tel für den Bau von sozia­len und preis­wer­ten Woh­nun­gen erhö­hen, attrak­ti­ve Zins­be­din­gun­gen und Tilgungsnachlässe. 

Außer­dem wol­len die Grü­nen güns­ti­gen Wohn­raum durch Neu­bau und Umnut­zung schaf­fen. Flä­chen sol­len nicht mehr nach dem Höchst­ge­bot ver­ge­ben wer­den, son­dern nach sozia­len, inklu­si­ven, städ­te­bau­li­chen, öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Kri­te­ri­en. Bei der Ver­ga­be bau­rei­fer Flä­chen wol­len die Grü­nen kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten, gemein­wohl­ori­en­tier­te Woh­nungs­un­ter­neh­men und Genos­sen­schaf­ten bevor­zu­gen. Sie wol­len auch die Grün­dung von Genos­sen­schaf­ten und Gemein­schafts­pro­jek­te (Bau­grup­pen) för­dern. Die sozi­al­ge­rech­te Boden­nut­zung soll nach Vor­stel­lung der Grü­nen als Ziel in die Landesverfassung.

Die Par­tei will sich dafür ein­set­zen, dass Kom­mu­nen das Instru­ment der sozia­len Erhal­tungs­sat­zung schnel­ler, effek­ti­ver und rechts­si­cher ein­set­zen kön­nen. Dazu möch­ten die Grü­nen Quar­tie­re und Nach­bar­schaf­ten für alle Genera­tio­nen, in ver­schie­de­nen Wohn­for­men. Und die Par­tei möch­te einen lan­des­wei­ten Akti­ons­plan zur Bekämp­fung von Obdachlosigkeit. 

Die Par­tei Volt betont in ihrem Land­tags­wahl­pro­gramm, dass das Recht auf eine ange­mes­se­ne Unter­kunft ein inter­na­tio­nal aner­kann­tes Men­schen­recht sei. In Deutsch­land wür­den vie­le Men­schen seit Jah­ren in die­sem Recht verletzt. 

Wohn­ei­gen­tum mache kri­sen­si­cher. Ein Pro­blem, das den Erwerb von Eigen­tum erschwe­re, sei die Grund­er­werbs­steu­er in Höhe von 6,5 Pro­zent. Volt möch­te, dass die öffent­li­che Hand beim Bau nach dem Wie­ner Vor­bild in Vor­leis­tung tritt und Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser baut. Außer­dem will die Par­tei sich für den Aus­bau des sozia­len Woh­nungs­baus ein­set­zen – und für eine neue Wohn­ge­mein­nüt­zig­keit. Volt möch­te das Bau­recht um Gemein­wohl­be­lan­ge wie sozia­le und öko­lo­gi­sche Kri­te­ri­en erwei­tern. Und Volt setzt sich dafür ein, dass Kom­mu­nen Grund­stü­cke in Form von Erb­bau­rechts­ver­trä­gen vergeben. 

Außer­dem möch­te die Par­tei, dass die digi­ta­le Bau­ak­te eine grö­ße­re Rol­le spielt. Kom­mu­nen sol­len Boden­fonds ein­rich­ten. Volt setzt sich für Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser und inte­gra­ti­ves Woh­nen ein und für eine gemein­sa­me Initia­ti­ve, um Wohn­raum­po­ten­zia­le fest­zu­stel­len. Dazu möch­te die Par­tei etwas gegen den Miss­brauch von Wohn­raum unter­neh­men, also zum Bei­spiel gegen die Umwand­lung in Feri­en­woh­nun­gen. Und die Par­tei möch­te Milieu­schutz­ge­bie­te schaf­fen sowie, dass Men­schen nur die Hälf­te der Grund­er­werbs­steu­er zah­len müs­sen, wenn sie Woh­nun­gen selbst nutzen. 

Podiumsdiskussion am Donnerstag

Möch­ten Sie noch mehr über das The­ma erfah­ren? Dann kom­men Sie doch am Don­ners­tag ab 19 Uhr ins Paul-Ger­hardt-Haus. Dort ver­an­stal­tet die LEG-Mieter:innen-Initiative Müns­ter eine öffent­li­che Dis­kus­si­on mit Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten der Par­tei­en bei der Land­tags­wahl am 15. Mai. Der Titel der Ver­an­stal­tung lau­tet: „Desas­ter Woh­nen – Was kann das Land tun?“ 

Mit­dis­ku­tie­ren wer­den Bibia­ne Bena­dio (SPD), Robin Kor­te (Grü­ne), Maxi­mi­li­an Kem­ler (FDP), Lara Neu­mann (Volt) und der frü­he­re Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Huber­tus Zde­bel (Die Lin­ke). Die CDU-Land­tags­kan­di­da­tin Simo­ne Wend­land hat abge­sagt, weil ein Ver­tre­ter der Par­tei Die Lin­ke teil­nimmt. Die CDU hat­te im Vor­feld ange­kün­digt, zusam­men mit der Lin­ken an kei­ner Wahl­kampf­ver­an­stal­tung teilzunehmen. 

Eben­falls dabei sind Pia Dil­ling (DGB), Rebec­ca Schöler (AStA), Noma Hajar (Mie­ter/in­nen-Schutz­ver­ein), Wer­ner Szy­bal­ski (LEG-Mieter:innen-Initiative) und Wolf­gang Bens­berg (BuWo und MSGUA). Mode­rie­ren wer­de ich die Ver­an­stal­tung. Der Ein­tritt ist frei. 

Das Feed­back, die Kurz­mel­dun­gen und das Coro­na-Update hat Sebas­ti­an Fob­be heu­te zusammengestellt. 

Ihr Feedback

+++ Am Diens­tag haben Marc-Ste­fan And­res und Götz Grom­mek Ihnen einen gemein­sa­men Brief geschrie­ben und dar­in erklärt, wie es mit RUMS ab Mai wei­ter­geht. Wir wol­len Ihnen neue For­ma­te bie­ten und Sie damit bes­ser und umfas­sen­der infor­mie­ren. Zu die­ser Umstel­lung hat uns Ihre Mei­nung inter­es­siert und vie­le von Ihnen haben sich auch bei uns gemel­det. Dafür bedan­ken wir uns, Ihr Feed­back war über­wie­gend posi­tiv und motivierend.

+++ Die meis­ten von Ihnen fin­den unse­re aus­führ­li­chen Haupt­tex­te im Brief sehr inter­es­sant und lesen sie sehr ger­ne (auch wenn sie das eine oder ande­re Mal kür­zer sein könn­ten). Eini­ge von Ihnen wol­len sogar frei­wil­lig mehr für RUMS aus­ge­ben und uns mit einem Groß­zü­gig- oder Idea­lis­tisch-Abo unter­stüt­zen. Die E-Mail einer Lese­rin hat uns dabei beson­ders gefreut. Sie schreibt: „Ich bin in den letz­ten Jah­ren nach­rich­ten­mü­de gewor­den, kann vie­le For­ma­te nicht mehr hören, sehen, oder lesen – mit Aus­nah­me von RUMS. (…) In den RUMS-Brie­fen fin­det sich für mich oft der Fak­tor X, das, was mir Hoff­nung macht, dass sich die Pro­ble­me, mit denen wir als Gesell­schaft kon­fron­tiert sind, auch lösen las­sen.” Genau das bringt unse­ren Anspruch auf den Punkt: Wir wol­len Ihnen kon­struk­ti­ven Jour­na­lis­mus bie­ten, der die Lösun­gen in Müns­ter aufzeigt.

Sie haben aber auch Kri­tik geübt. Eini­ge von Ihnen waren damit nicht ein­ver­stan­den, dass wir erst recht kurz­fris­tig ange­kün­digt haben, dass RUMS teu­rer wird. Ein Leser schrieb uns: „Eine Preis­er­hö­hung von jetzt bis zur nächs­ten Woche? Das mag ich nicht. Also kün­di­ge ich – even­tu­ell bis ich mich von dem Schreck erholt habe.” Das kön­nen wir ver­ste­hen. Und wir hof­fen natür­lich, dass wir ver­lo­ren gegan­ge­ne Abonnent:innen mit unse­ren neu­en For­ma­ten zurück­ge­win­nen können.

In aller Kürze

+++ Trotz weit­rei­chen­der Sank­tio­nen gegen Russ­land geht der Krieg in der Ukrai­ne wei­ter. Als Reak­ti­on auf die wei­te­re Eska­la­ti­on hat der nie­der­län­di­sche Ener­gie­mi­nis­ter Rob Jet­ten von der links­li­be­ra­len Par­tei D66 ange­kün­digt, bis Ende des Jah­res kein Gas mehr aus Russ­land zu impor­tie­ren. Auch für den deut­schen Wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck ist der Gas­boy­kott kein Tabu mehr, obwohl die Bun­des­re­pu­blik im Moment rund die Hälf­te des ver­brauch­ten Gases aus Russ­land bezieht. Wel­che Fol­gen hät­te ein Lie­fer­stopp also, vor allem für Müns­ter? Ein sol­ches Sze­na­rio hat sich das Leib­niz-Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung in Hal­le an der Saa­le ange­schaut. Es hat berech­net, was ein sol­cher Gas­stopp für die ein­zel­nen Krei­se in Deutsch­land bedeu­ten wür­de. Müns­ter wür­de laut Stu­die 5,1 Pro­zent an Brut­to­wert­schöp­fung (alle Waren und Dienst­leis­tun­gen minus Vor­pro­duk­te) ein­bü­ßen und die Arbeits­lo­sig­keit wür­de um 5 Pro­zent stei­gen. Die Ver­lus­te wären also spür­bar, aber im Ver­gleich zu ande­ren Regio­nen in Deutsch­land noch mild. Den Süden wür­de ein Gas­boy­kott deut­lich emp­find­li­cher tref­fen und auch Auto­städ­te wie Wolfs­burg oder Ingol­stadt hät­ten mit deut­lich schmerz­haf­te­ren Ein­bu­ßen zu rech­nen. Die gesamt­deut­sche Wirt­schafts­leis­tung wür­de den Berech­nun­gen zufol­ge um 6 Pro­zent zurückgehen.

+++ Bekann­ter­ma­ßen will Müns­ter bis 2030 kli­ma­neu­tral wer­den, aller­dings lässt die Umset­zung – wir haben schon häu­fi­ger dar­über berich­tet (zum Bei­spiel im RUMS-Brief vom 14. April 2022) – noch vie­le Fra­gen offen. Einen Teil der Lösung soll jetzt ein soge­nann­ter Kli­ma­schutz­ver­trag brin­gen, den Müns­ter als eine von 100 aus­ge­wähl­ten Städ­te im Rah­men eines EU-För­der­pro­gramms erar­bei­ten wird. Der Ver­trag soll Ant­wor­ten fin­den, wie etwa der Ver­kehr, die Abfall­ent­sor­gung oder die Ener­gie in Müns­ter kli­ma­neu­tral wer­den und auch wie viel das alles kos­ten soll. Das Gan­ze arbei­tet nicht die Ver­wal­tung allein aus, son­dern auch Bürger:innen, Ver­bän­de, Wirt­schaft und For­schung sol­len sich am Kli­ma­schutz­ver­trag betei­li­gen. Ange­sto­ßen hat­te die Bewer­bung auf die EU-För­der­mit­tel der Kli­ma­bei­rat Müns­ter Ende letz­ten Jah­res. Er will den wei­te­ren Pro­zess nun kon­struk­tiv beglei­ten, wie Geschäfts­füh­re­rin Hel­ga Hend­ricks auf Anfra­ge mit­teilt, und auch wir wer­den das The­ma im Auge behalten.

+++ Die Land­tags­wahl am 15. Mai rückt immer näher und schon letz­te Woche haben wir Ihnen eini­ge Ange­bo­te vor­ge­stellt, die Ihnen die Wahl­ent­schei­dun­gen leich­ter machen wol­len. Auch unse­re Kolleg:innen vom Land­brief haben sich mit der Wahl beschäf­tigt und alle Wahl­pro­gram­me der im Düs­sel­dor­fer Land­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en durch­fors­tet. Gesucht haben sie nach Ant­wor­ten auf die Fra­gen, was die Par­tei­en mit Inter­net und Mobil­funk, der ärzt­li­chen Ver­sor­gung auf dem Land und dem Ver­kehr vor­ha­ben. Wenn auch Sie die­se The­men inter­es­sie­ren, kön­nen Sie den Brief von Gis­bert Strot­drees hier nachlesen.

+++ Was haben New York, Ams­ter­dam und Lon­don mit Welt­me­tro­po­len wie Osna­brück, Mann­heim oder Mainz gemein­sam? Rich­tig, sie alle haben eine:n Nachtbürgermeister:in. Die­se Per­son küm­mert sich um alles, was mit dem Nacht­le­ben zusam­men­hängt: Gas­tro­no­mie, Club­sze­ne, Kul­tur­schaf­fen­de und auch generv­te Leu­te aus der Nach­bar­schaft. Und jetzt soll auch Müns­ter eine:n Nachtbürgermeister:in bekom­men, die Stel­le bei der Stadt ist seit ges­tern aus­ge­schrie­ben. Bewer­ben sol­len sich Inter­es­sier­te mit einem eige­nen Pro­jekt­kon­zept. Schön dabei: Ganz im Sin­ne der Arbeits­tei­lung kann man sich auch zu zweit bewer­ben und das Amt als Duo ausüben.

+++ Und wo wir gera­de schon beim Fei­ern sind: Heu­te vor 50 Jah­ren fand in Müns­ter die ers­te Homo­se­xu­el­len-Demo in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land statt. Anläss­lich dazu fin­det ab 17 Uhr ein Fest­akt im Rat­haus statt, mit dabei sind nicht Vertreter:innen von quee­ren Ver­ei­nen der Stadt, son­dern auch NRW-Minis­ter­prä­si­dent Hen­drik Wüst. Das Jubi­lä­um wird live gestreamt, also kei­ne Sor­ge, wenn Sie nicht teil­neh­men kön­nen, denn nach­schau­en kön­nen Sie alles hier. Und wenn Sie mehr über die Anfän­ge und die Wir­kung des ers­ten quee­ren Pro­tests in Deutsch­land wis­sen wol­len, dann kön­nen wir Ihnen die­sen sehr aus­führ­li­chen Arti­kel auf Queer.de ans Herz legen.

+++ Zum Schluss noch zwei Mel­dun­gen in eige­ner Sache: Unser Pro­dukt­ma­na­ger Marc-Ste­fan And­res ist ein­ge­la­den zum dies­jäh­ri­gen Jour­na­lis­ten­tag des nie­der­säch­si­schen Jour­na­lis­ten­ver­bands in Han­no­ver. Dort wird er mit Ley­la Dogru­el, Juni­or­pro­fes­so­rin am Insti­tut für Publi­zis­tik der Uni­ver­si­tät Mainz, über die Fra­ge dis­ku­tie­ren, wie sich jour­na­lis­ti­sche Viel­falt im Loka­len stär­ken lässt. Aber damit noch nicht genug, denn par­al­lel fin­det noch eine zwei­te Ver­an­stal­tung statt, auf der RUMS reprä­sen­tiert ist. Unser Geschäfts­füh­rer Götz Grom­mek betei­ligt sich beim taz lab an einer Podi­ums­dis­kus­si­on zum The­ma Digi­tal Divi­de. Gemeint ist mit dem Begriff die Fra­ge, wie Medi­en im Zeit­al­ter des Inter­nets wirt­schaft­lich blei­ben kön­nen. Mit von der Par­tie sind Ili­ja Matus­ko von der taz und Sebas­ti­an Esser, der Grün­der von Kraut­re­por­ter. Sie sehen also: RUMS ist kei­nes­wegs nur auf Müns­ter beschränkt, son­dern strahlt auch über die Stadt­gren­zen hinaus.

Unbezahlte Werbung

Wenn Sie noch ein schö­nes Geschenk suchen, wahl­wei­se für jemand ande­ren oder Sie selbst, dann schau­en Sie doch mal bei Tor­qua­to rein. Das hüb­sche Geschäft am Alten Fisch­markt ver­kauft lau­ter Sachen, die man nicht drin­gend braucht, aber doch gern hät­te. Eine schö­ne Sei­fe zum Bei­spiel, aus­ge­fal­le­ne Fein­kost, Küchen­uten­si­li­en oder tol­les Kin­der­spiel­zeug. Und falls Sie in den nächs­ten Tagen nicht in der Stadt sind: Einen Online­shop gibt es auch. 

Corona-Update

+++ Die Stadt mel­det heu­te zwar nur 624 neue Anste­ckun­gen mit dem Coro­na­vi­rus, aber die Inzi­denz bleibt wei­ter schwin­del­erre­gend hoch: Im Schnitt hat das Robert-Koch-Insti­tut 1.202 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Einwohner:innen in den letz­ten sie­ben Tagen in Müns­ter regis­triert. 62 Infi­zier­te lie­gen im Kran­ken­haus, acht auf der Inten­siv­sta­ti­on. Zwei Coronapatient:innen müs­sen beatmet wer­den. Im Lau­fe der Woche ist außer­dem der 200. Mensch in Müns­ter im Zusam­men­hang mit Covid-19 gestorben.

+++ Nach 115 Sit­zun­gen hat der Kri­sen­stab der Stadt am Mitt­woch zum (vor­erst oder hof­fent­lich) letz­ten Mal getagt. Der Vor­sit­zen­de Wolf­gang Heu­er zieht in der dazu­ge­hö­ri­gen Pres­se­mit­tei­lung ein gemisch­tes Fazit: „Die Pan­de­mie ist erkenn­bar nicht zu Ende. Da aber die Zahl der Inten­siv­pa­ti­en­ten auf einem über­schau­ba­ren Niveau ver­harrt und die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten der Stadt nur noch in gerin­gem Umfang gege­ben sind, wird die Pan­de­mie zukünf­tig wie­der in den regu­lä­ren Struk­tu­ren der Stadt­ver­wal­tung bear­bei­tet wer­den”. Die Münsteraner:innen hät­ten alles in allem die Coro­na­schutz­maß­nah­men unter­stützt und auch die Impf­quo­te lie­ge mit weit über 90 Pro­zent sehr hoch. Und für den Fall, dass sich die Lage wie­der ver­schär­fe, kön­ne der Kri­sen­stab schnell ein­be­ru­fen wer­den, ver­si­chert Heuer.

+++ Schau­en wir zum Schluss noch in den Rest der Repu­blik: Seit dem Ende der Oster­fe­ri­en in Nord­rhein-West­fa­len müs­sen sich Kin­der und Jugend­li­che in der Schu­le nicht mehr ver­pflich­tend tes­ten. Das NRW-Schul­mi­nis­te­ri­um irri­tier­te im Lau­fe der Woche damit, die unge­nutz­ten Tests wie­der ein­sam­meln zu wol­len, ruder­te aber wie­der zurück. Und wie die Tages­schau berich­tet, will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach die Iso­la­ti­ons­pflicht für Coro­na-Infi­zier­te ver­kür­zen: Sie sol­len sich schon nach fünf Tagen frei­tes­ten können.

Nach der Flucht

Ende März hat­te Johan­ne Burk­hardt für RUMS mit dem Müns­te­ra­ner And­re Gro­ten gespro­chen. Er hat zusam­men mit sei­ner Frau in Kyjiw gelebt und muss­te zu Beginn des Kriegs flüch­ten. Hier erzäh­len wir ab sofort ein­mal in der Woche, wie es für die bei­den nach ihrer Flucht weiterging. 

Knapp zwei Mona­te nach ihrer Flucht vor dem Krieg haben And­re und Mari­ia Gro­ten am Wochen­en­de zum ers­ten Mal wie­der gefei­ert. Sie waren auf der Hoch­zeit eines Schul­freunds von And­re, auf Schloss Bul­dern, mit­ten im Müns­ter­land. Es war ein schö­ner Abend, sagt And­re Gro­ten. Aber es war auch ein gro­ßer Kon­trast zu der Welt, in der Mari­ia Gro­tens Fami­lie lebt, mit der sie täg­lich tele­fo­niert. Und der Abend erin­ner­te And­re Gro­ten an sei­ne ers­te Zeit in der Ukrai­ne, als er in Run­den saß, die plötz­lich ins Rus­si­sche wech­sel­ten und er nichts mehr ver­stand. Auf der Hoch­zeit spra­chen vie­le kein Eng­lisch, Marii­as Deutsch ist noch brü­chig. „Das ist kein gutes Gefühl, das ver­steh ich schon“, sagt And­re Gro­ten. Es war auch kein guter Ort und auch kei­ne gute Gele­gen­heit, um über den Krieg zu spre­chen. Das woll­ten sie auch nicht. Zwi­schen­durch sind sie spa­zie­ren gegan­gen. Es war anders als eine Hoch­zeit in der Ukrai­ne. „Bei uns sit­zen die Leu­te auf dem Hin­tern, essen, und wenn der Alko­hol­pe­gel steigt, tan­zen sie. In der Ukrai­ne tan­zen die Leu­te sofort“, sagt And­re Gro­ten. Aber immer­hin ergab sich nicht das Schuld­ge­fühl, das sie befürch­tet hat­ten. Auch die Fami­lie in der Ukrai­ne lebt im Krieg einen halb­wegs nor­ma­len All­tag. An die­sem Wochen­en­de wol­len And­re und Mari­ia Gro­ten zum ers­ten Mal etwas machen, was sie schon lan­ge nicht mehr gemacht haben: gar nichts. 

Drinnen und Draußen

Eva Strehlke hat heu­te für Sie ein paar Emp­feh­lun­gen herausgesucht. 

+++ Kin­der und Jugend­li­che sind auf Müns­ters Stra­ßen beson­ders gefähr­det. Um dar­auf auf­merk­sam zu machen, ver­an­stal­tet das Bünd­nis „Kidi­cal Mass Müns­ter“ mor­gen um 14 Uhr eine Fahr­rad­de­mo. Deren Mit-Initia­tor Ste­fan Blu­me ver­öf­fent­licht hier auf Twit­ter regel­mä­ßig sehens­wer­te Bestands­auf­nah­men des Radverkehrs. 

+++ Im Herbst 2020 eröff­ne­te trotz Coro­na­pan­de­mie ein neu­er Nacht­club an der Hafen­stra­ße (dort, wo frü­her das Amp war): Puls. Die WDR Lokal­zeit berich­te­te über den muti­gen Schritt. Damals durf­te man nur am Tisch tan­zen, jetzt wie­der über­all, zum Bei­spiel beim heu­ti­gen Nacht­schwär­men mit Charity-Charakter.

+++ Am nächs­ten Frei­tag (6. Mai) fin­det bei RUMS eine klei­ne Pre­mie­re statt: das ers­te Kon­zert in unse­ren Räu­men. Spie­len wer­den die Band Asth­ma Choir aus Ber­lin und Excham­pi­on aus Müns­ter. Los geht’s um 20 Uhr, es gilt 3G. Ein­tritt: 10 Euro.

+++ Im Mai ändert sich nicht nur vie­les bei RUMS, auch das Stadt­ra­deln geht wie­der los. Auch wir neh­men dar­an teil, wenn Sie mögen, kön­nen Sie sich unse­rer Grup­pe ger­ne noch anschlie­ßen. Davon ein­mal abge­se­hen kön­nen Sie am 1. Mai nicht nur das Stadt­ra­deln, son­dern auch die Schwimm­bad­sai­son eröff­nen (was ja ange­sichts der Tem­pe­ra­tu­ren noch recht opti­mis­tisch ist). Ab 11 Uhr star­tet der ADFC eine Rad­tour vom Hafen­platz zum Frei­bad Coburg. Anmel­den brau­chen Sie sich zur Akti­on „Mit dem Rad ins Bad” nicht, Teil­nah­me und Ein­tritt ins Frei­bad sind kostenlos.

Am Diens­tag schrei­ben Con­stan­ze Busch und ich Ihnen zusam­men. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochenende. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Fob­be, Eva Strehlke


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PS

Wir schrei­ben Ihnen ja nun schon drei Mal in der Woche, aber wenn Sie nicht genug Post bekom­men kön­nen, und wenn Sie ger­ne Post­kar­ten mögen, dann schi­cken Sie eine E-Mail mit Ihrer Post­adres­se an: muensterland@stadt-land-text.de. Ant­wor­ten wird Ihnen dann Neï­tah Janz­ing, die seit Anfang März im Müns­ter­land Regio­nal­schrei­be­rin ist. Sie gestal­tet die Post­kar­ten selbst und ver­sieht sie mit eini­gen Wor­ten an Sie. Jede Kar­te ist ein Uni­kat. Und Neï­tah Janz­ing schreibt Ihnen auf Deutsch, aber auf Wunsch auch gern auf Fran­zö­sisch oder auf Englisch.