Gasometer: Es wird ein Leuchtturm | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 24. Oktober 2023

die Gesellschaft UTB Projektmanagement schreibt am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung zum Gasometer: „Haben Sie schon mal von den sagenumwobenen Hängenden Gärten Babylons gehört?“ Zack, Fantasie angekurbelt. Malen Sie sich den Gasbehälter auch schon in den wärmsten Erdtönen aus, umgeben von prächtigster Pflanzenfülle?

Das Berliner Unternehmen hat also den Zuschlag erhalten. Sein Zukunftskonzept für das Industriedenkmal hat die Stadt überzeugt. Kurz zur Erinnerung: Im Januar hatten die Stadtwerke einen Investorenwettbewerb angestoßen, der über die Zukunft des ehemaligen Gasspeichers entscheiden sollte (RUMS-Brief). Nach dem widerwilligen Auszug des Sozialpalasts war nicht klar, wie es weitergehen sollte. Der Verein ist vorübergehend wieder eingezogen und nutzt den Ort regelmäßig, etwa für Veranstaltungen.

Was langfristig draus werden soll, steht nun aber fest: Stadtwerkesprecher Florian Adler schreibt uns heute, der Vorschlag von UTB sei die erste Wahl gewesen. Wie viele Bewerbungen eingegangen waren, erfahren wir nicht. Anfangs hatte es sogar Zweifel daran gegeben, ob überhaupt Bewerbungen kommen (RUMS-Brief). Denn der Umbau des Gasometers ist anspruchsvoll. Das Gerippe steht unter Denkmalschutz, es darf also nicht angetastet werden. Und überhaupt, insgesamt wird der Bau kostspielig. Anfang des Jahres sprach Florian Adler von einem zweistelligen Millionenbetrag, der mindestens für das Projekt fällig würde.

Das frisch gekürte Konzept zeigt mit allem, was es hat: Man will hoch hinaus. Gut 50 Meter nämlich. Auf vierzehn Stockwerken sollen Theaterräume, Büros, Praxen, eine Fahrradwerkstatt und eine Tagespflege entstehen. Darüber eine öffentliche Dachterrasse, in der Mitte ein Atrium, drumherum gut 80 Auto- und 500 Fahrradparkplätze.

Und weil es in diesem Kontext einfach so schön passt, streut die UTB in ihrem Datenblatt noch gleich den Begriff „Leuchtturmprojekt“ ein. Denn leuchten wird der aufgehübschte Gasspeicher in jedem Fall. „Für Münsteraner*innen und Besucher der Stadt strahlen Buchstaben-Installationen in Neon von der sanft sanierten Stahlfassade kunstvoll in die Nacht“, heißt es wunderbar lyrisch in der UTB-Pressemeldung. Auf der Visualisierung ist ein Schriftzug in Großbuchstaben zu sehen: GAZO, gleichlautend mit dem Namen des Projekts, das den Gasometer gerade nutzt und für seinen Erhalt als öffentlicher Kulturort kämpft.

Ach so, Wohnungen wird es dort natürlich auch geben. 125 sind geplant, die Hälfte davon sozialgefördert. Laut Geschäftsführer Thomas Bestgen lebe eine gute Nachbarschaft schließlich „von einer ehrlichen Diversität“, weswegen man Angebote für alle Einkommensklassen schaffen wolle. Dazu kommen eben auch öffentliche Räume: „Sie integrieren bestehende Initiativen und laden ausdrücklich zu maximaler Partizipation der gewachsenen Gazo-Kultur ein“, schreibt der Projektentwickler.

Und natürlich: Nachhaltig soll der Neubau auch werden. Ein Wasserbecken am Boden soll für die Klimatisierung sorgen. Die Geschosse werden aus heimischem Holz gebaut. Dach und Fassaden werden begrünt, und sich erneuernde Energien sollen eine Rolle spielen (wie genau, steht nicht im Entwurf). Überzeugt hat die Jury auch ein Mobilitätskonzept. Wir haben bei der Stadt nachgefragt, was genau das heißt, aber heute noch keine Antwort darauf bekommen. Was wir wissen: Es ist fahrradzentriert, Fußgänger:innen und Radfahrer:innen werden vom Autoverkehr getrennt und es gibt E-Mobilitäts- und Sharingkonzepte.

Offiziell ist damit eine Frage geklärt: Der Gasometer wird kein Ort für alternative Kultur in Münster bleiben. Ende des Jahres soll der Kauf abgewickelt werden, schreibt uns Florian Adler von den Stadtwerken. Doch solange wird der Gasometer mit Sicherheit noch für Gesprächsstoff sorgen, spätestens am 6. November. Da findet ab 18 Uhr im Eventport am Dek 67.2 eine offene Infoveranstaltung zum Projekt statt. (sfo/sst)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Am Mittwoch wird wegen Leitungsarbeiten für rund 650 Gebäude im Gebiet zwischen Coesfelder Kreuz und Auenviertel die Fernwärmeversorgung unterbrochen. (Stadtnetze Münster)

+++ Am Zentrum Nord werden an der Unterführung am Bahnhof die Fahrbahnmarkierungen erneuert. (Stadt Münster)

+++ Die Stadtwerke rüsten die Nachtkennzeichnung an ihren Windrädern um, damit weniger Lichtemissionen entstehen. (Alles Münster)

+++ Wegen Lieferproblemen wird die Neugestaltung des südlichen Teils des Bremer Platzes länger dauern als geplant, voraussichtlich bis Ostern 2024. (Westfälische Nachrichten)

+++ Mit einem Jahr Verspätung hat das Wohnprojekt Grevener Straße 31 Jubiläum gefeiert, das früher mal eine Hausbesetzung war. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Christoph Hoppenheit fordert einen Shuttle-Bus, der das UKM auf direktem Wege und im 30-Minuten-Takt mit dem Hauptbahnhof verbindet. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Schulausbau dauert, denn beim Hittorf-Gymnasium fehlt eine Baugenehmigung, für die beiden Gymnasien in Wolbeck und Hiltrup heißt es, dass der Umbau erst 2028 fertig werde. (Westfälische Nachrichten)

+++ Das medizinische Team vom Clemenshospital hat in einer Übung das Szenario einer Gasexplosion mit zehn Verletzten simuliert. (Clemenshospital)

+++ Der Europaabgeordnete Markus Pieper (Lotte, Tecklenburger Land) ist von der münsterländischen CDU erneut als Kandidat für die Europawahl im nächsten Jahr nominiert worden. (CDU Münster)

+++ Die Grünen in Münster wenden sich gegen die Asylrechtsverschärfung der Ampel in Berlin. (Grüne Münster).

+++ Ein digitales Angebot soll Informationen zu den Lebensläufen aller in der Bischofsgruft dort beerdigten Bischöfe geben und dabei auf ihre Rollen im Umgang mit sexuellem Missbrauch eingehen. (Kirche und Leben)

+++ Am frühen Samstagmorgen haben bislang unbekannte Täter sowohl Hakenkreuze als auch Pentagramm-Symbole an die Fensterscheibe eines Restaurants an der Bremer Straße geschmiert. (Polizei Münster)

+++ Klima-Aktivist:innen weiten ihren Protest gegen die geplanten Baumfällungen am Dortmund-Ems-Kanal (RUMS-Brief) aus, das Camp am Kanal wird für zwei weitere Wochen von der Polizei geduldet. (WDR)

Unbezahlte Werbung

Ein gemütliches Hostel im Kreuzviertel ist der Nordstern. Es gibt 60 Betten in Ein- bis Dreibett-Zimmern. Sie können aber auch vorbeikommen, wenn Sie keinen Schlafplatz suchen. Der Duft, der aus der Küche des angeschlossenen Restaurants strömt, verrät bereits den Klassiker der Speisekarte: Brathähnchen. Ganze Generationen von Studierenden haben hier ihre nächtliche Stärkung verschlungen, denn die „Hähnchenschmiede“ hat bis 3 Uhr geöffnet. Wer kein Hähnchen-Fan ist, findet auf der Karte weitere westfälische Hausmannskost. Dazu bietet der über 115 Jahre alte Nordsterntresen eine große Auswahl an Frischgezapftem. Der Nordstern ist werktags ab 16 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr geöffnet. (dte)

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Deike Terhorst hat heute in den Terminkalender geschaut und kann Ihnen diese Veranstaltungen empfehlen:

+++ Zum Auftakt der Vorlesungsreihe „Medizin und Musik“ der Medizinischen Fakultät hält Musiktherapeut Philipp Steinke heute Abend um 18 Uhr einen Vortrag über seine Arbeit in der Palliativmedizin der Uniklinik. Simona Boroni Grazioli, Pianistin und Kardiologin, wird den Abend musikalisch begleiten. Stattfinden wird die Veranstaltung im Hörsaal der Psychiatrischen Klinik am Albert-Schweitzer-Campus, Gebäude A9, 2. Obergeschoss. Der Eintritt ist frei.

+++ Das Specops veranstaltet heute Abend einen englischen Stand-Up-Comedy-Abend mit Amateur-Comedians und feiert damit Münsters internationale Vielfalt. Start ist um 20 Uhr, der Eintritt ist frei.

+++ Morgen Abend um 19 Uhr berichtet der österreichische Reisefotograf Pascal Violo in der Friedenskapelle am Willy-Brandt-Weg von seinen acht Reisen durch Nepal, Bhutan, Ladakh und Tibet, die ihn bis ins Himalaya führten. Der Eintritt kostet 20,50 Euro, ermäßigt 17,50 Euro.

+++ Vielleicht erinnern Sie sich: Im April 2022 hat Ralf Heimann einen RUMS-Brief über ein sehr interessantes Buch geschrieben. Es geht um Anton Eickhoff, dem ehemaligen Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten und sein politisches Agieren im Nationalsozialismus. Am Donnerstagabend ist der Autor des Buches, Michael Bieber, zu Gast im Stadtarchiv. Dort wird er über seine Forschungsergebnisse berichten. Wenn Sie vor Ort dabei sein wollen, können Sie sich per Mail oder unter 0251-492 47 01 anmelden. Das Stadtarchiv überträgt die Veranstaltung aber auch im Livestream.

+++ Die Stadtbücherei lädt am Freitag um 18 Uhr zu einer Lesung von Dinçer Güçyeter ein. Der Autor trägt aus seinem Roman „Unser Deutschlandmärchen“ vor, in dem er von der Herausforderung erzählt, als Gastarbeiter:in ein neues Leben zu beginnen. Der Eintritt kostet 10 Euro, Karten sind im Vorverkauf in der Stadtbücherei erhältlich. Es gibt keine Abendkasse.

+++ Zum Schluss: Hinten im Teilchen und Beschleuniger an der Wolbecker Straße gibt es seit neuestem einen kleinen Bereich, in dem lokale Künstler:innen und Privatpersonen in Regalplätzen ihre Produkte verkaufen. Der Minishop berechnet keine monatlichen Mieten und bietet somit die Gelegenheit, risikofrei auszuprobieren, wie die eigenen Sachen ankommen. Von Schmuck, T-Shirts, Zeichnungen und Postkarten, über Wein und selbstgemachten Gin bis hin zu Seife und Getöpfertem ist hier alles vertreten.

Und sonst?

Nach dem Terroranschlag in Israel begann in Münster eine Debatte, in der es aus einer Perspektive um die Frage geht: Wie nah stehen linke Gruppen aus Münster antisemitischen Terroristen? Aus der anderen Perspektive geht es um eine andere Frage. Sie lautet: Warum fragt ihr uns das? Der Vorwurf ist: Rassismus. Unglücklicherweise gerät in dieser Debatte einiges durcheinander. Es geht um Missverständnisse und falsche Schlüsse. Ralf Heimann hat versucht, das alles zu entwirren.

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Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Svenja Stühmeier (sst), Jan Große Nobis (jgn), Imke Noetzel (ino), Ralf Heimann (rhe)

Lektorat: Maria Schubarth

PS

Zum Schluss heute noch eine gute Nachricht. Jonas Mayer von der Reportageschule Reutlingen hatte für RUMS eine Reportage über David Büchler und Sarah Hoffmanns geschrieben, die sich den Traum vom eigenen Bauernhof erfüllt hatten, der aber nun durch einen Erbstreit wieder zu platzen drohte. Sie brauchen Geld, 150.000 Euro. Gestern kam die Nachricht: Das Geld ist zusammen. Das ist allerdings erst der erste Schritt. Mittelfristig müssen die beiden über Genossenschaftsanteile den gesamten Kaufpreis von 660.000 Euro zusammenbekommen. Wer jetzt plötzlich den Wunsch verspürt, Anteile zu kaufen, findet die Kontaktdaten hier. (rhe)

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