Frohes Schwitzen | Rat gibt rotes Licht für den Kreisel

Portrait Raphael Balke neu
von Raphael Balke

Guten Tag,

dieses Wochenende ist für mich und meine Wohnung eine Zäsur. Es wird heiß und damit beginnt die Phase des Jahres, in der ich hin- und hergerissen bin: Auf der einen Seite ist das Wetter am Pfingstwochenende wunderschön, auf der anderen Seite fühlt sich meine Dachgeschosswohnung dann an wie Asphalt in der prallen Sonne. Damit ich künftig abends nicht wie ein Frosch auf dem Sofa sitze, verdunkle ich meine Wohnung nun tagsüber immer.

Bis zu 30 Grad soll es laut Deutschem Wetterdienst am Wochenende geben. Und durch den freien Pfingstmontag können wir das Wetter sogar noch einen Tag länger genießen. Passend dazu öffnen am Sonntag die Freibäder Stapelskotten und Hiltrup. Da können Sie sich täglich bis 20 Uhr abkühlen. Das Freibad Coburg hat bereits seit 1. Mai geöffnet. Dazu ein kleiner Tipp der Stadtverwaltung: Kaufen Sie Ihr Ticket online, um Warteschlangen zu vermeiden – besonders an diesem Wochenende.

Viele Menschen wird es an diesen Tagen auch an den Dortmund-Ems-Kanal ziehen. Dort duldet die Stadt das Baden zwar, allerdings auf eigene Gefahr. Passen Sie also auf die Schiffe, rostigen Räder und alles, was sonst so im Kanal rumschwimmt, auf. Vorsicht allerdings: Im Aasee ist das Baden wirklich verboten. Wenn Sie wen sehen, der trotzdem reinspringt, machen Sie es bitte nicht nach.

Und wenn Sie bei dem Wetter lieber raus in die Natur möchten, hat der WDR eine Liste mit Naturbädern im Münsterland zusammengestellt. Vielleicht lohnt es sich, einen Besuch dort mit einer Fahrradtour und einer Kugel Eis zu verbinden?

Übrigens: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, bei Hitze tagsüber alle ein bis zwei Stunden ein Glas Wasser zu trinken – auch wenn man noch nicht durstig ist. Alkoholhaltige Kaltgetränke zählen nicht! (rba)

Wie es weiterging

…mit dem Karnevalsmotto

Nach unserem Aufruf für neue Karnevalsmottos kamen weitere E-Mails mit Alternativvorschlägen für die verunglückte erste Variante („Benzin im Blut. Freude am Gas“). Ulrich Klose schlägt vor: „Schwer wie Öl, leicht wie Gas – Münster brennt. Das macht uns Spaß!“ Fabian Andor empfiehlt: „Freude am Feiern – Nicht am Verbrennen“. Jörg Adler formuliert es etwas grundsätzlicher: „Ohne Diesel, ohne Gas – Münsters Karneval macht Spaß.“ Stefan Blume schickt gleich mehrere „verbrennungsgetriebene“ Varianten hinterher: „Pils im Glas. Umsatz auf dem Beifahrersitz“, „Herzschlag mit 16 Ventilen, Jahreswagen im Portfolio“ und „Shell V-Power – Doping für unseren Karneval“. Inzwischen hat der künftige Karnevalsprinz selbst reagiert oder ist, wie er selbst sagen würde, auf die Bremse getreten. Sein neues Motto hat etwas weniger Oktan und lautet laut „Antenne Münster“: „Benzin im Blut – Karneval im Herzen“. (rhe)

Wie es weiterging

…mit dem Krankenpfleger und der Überdosis Morphin

Nachdem ein ehemaliger Krankenpfleger aus Münster wegen fahrlässiger Körperverletzung, Urkundenfälschung und Verabreichung von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 6.300 Euro verurteilt wurde, hat seine Partnerin eine Spendenaktion gestartet. Mit dem Geld sollen neben der Geldstrafe auch die Anwalts- und Gerichtskosten bezahlt werden. Bis heute Mittag sind rund 2.500 Euro zusammengekommen. Ziel sind 10.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann versuchten Totschlag vorgeworfen, der ehemalige Krankenpfleger sagte, er habe nur die starken Schmerzen eines Patienten lindern wollen. (ani)

Wie es weiterging

…mit der Hayek-Gesellschaft

Das Netzwerk Plurale Ökonomik kritisiert die geplante Verleihung der Hayek-Medaille an die Wirtschaftsweise Veronika Grimm scharf. Im RUMS-Brief am Dienstag hatten wir über die Hayek-Tage in Münster berichtet, bei denen Grimm ausgezeichnet werden soll. Das Netzwerk wirft ihr vor, mit der Annahme der Medaille eine Gesellschaft aufzuwerten, die sich durch Figuren wie Stefan Homburg oder den argentinischen Präsidenten Javier Milei zunehmend wissenschaftlich diskreditiert habe. Die Vorgänge rund um die Hayek-Gesellschaft seien ein Beleg dafür, dass die Wirtschaftswissenschaften pluraler und gesellschaftlich stärker verankert werden müssten. (rhe)

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Einladung zur zweiten RUMS-Revue

Foto, auf dem die RUMS-Redaktion auf der Bühne des Wolfgang Borchert Theaters zu sehen ist.

Am Montag, 6. Juli um 18:30 Uhr werden Anna Niere, Raphael Balke und Ralf Heimann wieder auf der Bühne des Wolfgang Borchert Theaters zu sehen sein. Gemeinsam mit Ihnen blicken sie auf das zurück, was in Münster so los war. Es wird wieder journalistisch, unterhaltsam und musikalisch – mit Gesprächen, Gästen und Geschichten. Ein Abend über die Stadt, die Leute und Lokaljournalismus.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Wolfgang Borchert Theater statt. Tickets (25 Euro) gibt es ab jetzt im Ticketshop des Theaters. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Kurz und Klein

+++ Die DRK-Kita „Schatzkiste“ in Münster-Gremmendorf bekommt zum Beginn des kommenden Jahres einen neuen Träger, teilt das DRK mit. Für die 52 Kinder und ihre Familien soll die Betreuung ebenso gesichert bleiben wie die Arbeitsplätze der rund 20 Mitarbeitenden. Die Stadt Münster sucht derzeit im Rahmen eines Auswahlverfahrens einen neuen Betreiber für die Einrichtung, die seit 2013 vom DRK geführt wird. Es ist bereits die zweite DRK-Kita, die die Organisation abgibt. Im November hatte das DRK bereits bei einer Kita in Gievenbeck einen Trägerwechsel angekündigt (RUMS-Brief). Der Schritt kommt vor dem Hintergrund der angespannten Lage vieler freier Kita-Träger in Münster, über die RUMS bereits ausführlich berichtet hatte. Das DRK galt dabei früh als besonders unter Druck: Der Verband hatte nicht nur gemeinsam mit anderen Trägern vor Finanzierungslücken und möglichen Schließungen gewarnt, sondern zog sich später auch aus geplanten oder defizitären Einrichtungen zurück. Der Trägerwechsel fällt zudem in eine Zeit, in der die Stadt ihre Erwartungen für den Bedarf an Kita- und Grundschulplätzen deutlich nach unten korrigiert. Grundlage ist die neue kleinräumige Bevölkerungsprognose, die die Verwaltung gerade vorgestellt hat. Kritik daran kommt unter anderem von der Ratsgruppe aus „Die Partei“ und ÖDP. Sie kritisieren in einer Pressemitteilung falsche Prognosen bei der Bedarfsplanung. (ani/rhe)

+++ Am Schulzentrum Wolbeck hat ein Austritt von Reizgas einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst. Insgesamt 87 Schüler und Schülerinnen wurden untersucht, elf mussten leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht werden, so die Stadt. Betroffen war das Gebäude der Realschule mit 120 Personen. Die Polizei ermittelt jetzt zur Ursache. Die meisten Schüler konnten etwas früher ins lange Wochenende starten, kurze Zeit später war ohnehin Schulschluss. (ani)

+++ Nach Kritik von Eltern und Schulen hat die Rathauskoalition ihre geplanten Kürzungen bei der Taxibeförderung zu städtischen Förderschulen teilweise zurückgenommen. Wie die Stadtelternschaft Münster mitteilt, sind in Einzelfällen nun doch wieder Rückfahrten möglich. Zwischenzeitlich stand die komplette Streichung der freiwilligen Leistung im Raum. Gleichzeitig warnt die Stadtelternschaft vor den Folgen weiterer Einschränkungen: Eltern könnten sich künftig gegen eine Förderschule entscheiden, wenn der Schulweg organisatorisch kaum noch zu bewältigen sei. Leidtragende seien am Ende die betroffenen Kinder. (ani)

+++ Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat am Donnerstag seine Verwaltungsspitze umgebaut und Patrick Bürger zum neuen Ersten Landesrat und Dezernenten für Personal und Finanzen gewählt. Der Erste Landesrat ist hinter dem LWL-Direktor der wichtigste Verwaltungsposten des Kommunalverbands. Die Neubesetzung ist politisch umstritten, weil dafür die bisherige grüne Kämmerin Birgit Neyer ihre Zuständigkeiten und den Rang als Erste Landesrätin verliert. Die Grünen werfen CDU und SPD in einer Pressemitteilung vor, aus machtpolitischen Gründen eine teure Doppelstruktur geschaffen und eine erfahrene Verwaltungschefin ohne sachliche Notwendigkeit entmachtet zu haben. Wir hatten im Februar im RUMS-Brief (hier und hier) über den Machtkampf berichtet. (rhe)

Einladung

Der Preußen-Talk mit Carsten Schulte – jetzt noch Tickets sichern!

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Der SC Preußen Münster schaut auf ein paar fast rauschhafte Jahre zurück. Nun wird er wieder in die 3. Liga zurückkehren.

Im Sommer 2026 wird sich also einiges ändern beim SC Preußen Münster. Und genau darüber möchte RUMS mit denen sprechen, die diese Veränderungen gestalten und umsetzen. Unsere Gäste: Ole Kittner, Noemi Hutter und Dietrich Schulze-Marmeling. RUMS-Kolumnist Carsten Schulte moderiert den Abend.

Wie sieht er aus, der neue SC Preußen für 2026/2027? Welche Ideen oder Pläne gibt es mit Blick auf den Einstieg in den Frauenfußball? Und was sagt jemand, der mit feinem Gespür für den SC Preußen von außen auf die Entwicklungen des Vereins blickt? Darüber und über vieles mehr werden wir am Mittwoch, 10. Juni, um 19:06 Uhr im ATLANTIC Hotel (Engelsaal) sprechen.

Tickets gibt’s über den Link auf unsere Veranstaltungsseite. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Rotes Licht für den Kreisel

Aus dem Ziegenkreisel wird eine Ampelkreuzung. Die Ratsdebatte zeigte einen grundlegenden Konflikt. Für die einen geht es um Sicherheit im Verkehr, für die anderen um die politische Verteilung des Straßenraums.

  • Der Umbau des Ziegenkreisels zur Ampelkreuzung steht exemplarisch für einen größeren politischen Konflikt: Es geht nicht nur um Verkehrssicherheit, sondern auch darum, wie Straßenraum verteilt und Verkehr künftig gestaltet werden soll.
  • Fachgutachten und Unfallkommission sehen die Ampel als sicherste Lösung. Kritiker:innen bezweifeln jedoch die zugrunde liegenden Verkehrsprognosen und werfen der Stadt vor, Autoverkehr als unvermeidbar darzustellen statt politisch zu steuern.
  • Die Debatte zeigte außerdem Streit über Transparenz und politische Verantwortung: Parteien, Verwaltung und Bürger:innen bewerten dieselben Gutachten unterschiedlich – und selbst innerhalb der Ratskoalition gab es keine gemeinsame Haltung zum Umbau.

Der Kreisverkehr an der Von-Esmarch-Straße wird umgebaut. Stattdessen soll dort bald eine Ampelkreuzung den Verkehr regeln und ihn sicherer machen. An dem Kreisverkehr passieren viele Unfälle, künftig sollen Rad- besser vor Autofahrern geschützt werden. Klingt eigentlich ganz einfach.

Aus der Frage, wie der Kreisverkehr umgebaut werden soll, hat sich in den vergangenen Monaten aber nicht nur ein Streit innerhalb der Rathauskoalition, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Verwaltung (RUMS-Brief) und eine Bewegung jenseits der Politik entwickelt: Die Interessengemeinschaft Fahrradstadt überreichte dem Oberbürgermeister vor der Ratssitzung über 3.500 Unterschriften von Menschen, die gegen den Umbau des Kreisverkehrs zur Ampel sind.

Die Debatte um den Kreisel im Rat zeigt, dass es nicht nur um Verkehrsführung geht, sondern auch darum, welche Informationen öffentlich verfügbar sind oder sein sollten und wie Dinge politisch bewertet werden.

Die Situation ist kompliziert, deshalb ein kurzer Rückblick: Der Kreisverkehr macht seit über 20 Jahren Probleme. Aber zuletzt war sehr klar, dass sich hier schnell etwas ändern muss.

Die Stadt engagierte das renommierte Gutachterbüro Brilon, Bondzio und Weiser, das nicht als besonders konservativ oder autofreundlich gilt. Wenn man die Website des Büros öffnet, schaut man auf einen Kreisverkehr. Und zunächst empfahl das Büro der Stadt, den Kreisverkehr wegen der vielen Unfälle zu modernisieren.

Kurzfristig brachte die Stadt neue Markierungen und Rüttelstreifen an. Bevor der Kreisverkehr abschließend modernisiert werden konnte, gab es neue Verkehrsprognosen der Stadt. Das Ergebnis: Der geplante Kreisel reiche für den zukünftigen Straßenverkehr nicht aus, hieß es damals. So kam es zu einer Kehrtwende.

Unter anderem dreht sich der Streit darum: Wird sich hier künftig tatsächlich so viel Verkehr ergeben, dass es ohne Ampel nicht geht? Und hat man es nicht auch selbst in der Hand, wie viele Autos hier langfahren?

Verwaltung änderte ihren Kurs

Volt kritisierte in einer gemeinsamen Mitteilung des Ratsbündnisses, dass die zugrunde liegenden Verkehrsprognosen noch vor dem Masterplan Mobilität 2035+ entstanden seien und stark von dessen Zielen abwichen. Der Tenor: Die Prognose sei schon kurz darauf überholt gewesen.

Die Verwaltung änderte ihren Kurs und legte 2024 einen Bericht vor. Jetzt war der Plan, den Kreisverkehr zu einer Ampelkreuzung umzubauen.

Das Urteil der Unfallkommission schien eindeutig. Sie hatte entschieden, die Ampeln seien ,„unabdingbar“. Als Grundlage diente ein vertrauliches neues Gutachten. Der Bau sollte in diesem Jahr beginnen. Doch auch dazu kam es nicht.

Schon damals bemängelten Volt und die Grünen, dass kaum nachvollziehbar sei, wie die Unfallkommission zu ihrer Entscheidung gekommen war.Und ob es nicht doch noch andere Möglichkeiten gebe. Als einzige Lösung blieb: ein weiteres Gutachten.

Das dritte Gutachten bewertete drei Varianten: einen modernisierten Kreisverkehr mit Vorfahrt für Radfahrer und Fußgänger, einen Umbau, bei dem Radfahrer auf die Straße eingefädelt werden, sowie eine Ampelkreuzung. Laut Gutachten wäre die Ampel am sichersten, der modernisierte Kreisverkehr dagegen die beste Lösung für den Radverkehr. Die Variante mit eingefädelten Radfahrern schnitt am schlechtesten ab.

In der Politik führte das zu sehr unterschiedlichen Bewertungen, auch innerhalb des Ratsbündnisses. Die SPD verwies auf das Gutachten, Grüne und Volt bezweifelten die Verkehrsprognose, beziehungsweise: Sie sind der Meinung, dass eine Stadt sich nicht nach dem Verkehr richten muss, als wäre er gottgegeben.

Und wenn die Stadt bestimmte Verkehrsmittel bevorzugt oder, die andere Lesart, Privilegien abbaut, wird eine Entscheidung über einen Kreisverkehr politisch.

In der letzten Verkehrsausschusssitzung zeichnete sich dann eine Lösung ab. Grüne und Volt enthielten sich und gaben so den Weg für die Ampelkreuzung frei, ohne selbst dafür stimmen zu müssen.

Entscheidung nach sechs Jahren

Das ist die Vorgeschichte der Ratssitzung am Mittwoch. Dort sollte nach über sechs Jahren endlich eine Entscheidung fallen. Die zwei maßgeblichen Aspekte der Debatte waren die Sicherheit und die Verkehrsprognose. In einem der beiden sind sich alle Parteien einig. Im anderen nicht.

„Dass in Sachen Sicherheit etwas passieren muss, das ist für Volt unstrittig“, sagte Volt-Ratsherr Sven Konopka. Grünen-Fraktionssprecherin Andrea Blome ergänzte: „Was wir Grüne nicht wollen, ist ein Stillstand an diesem Kreisverkehr, denn der aktuelle Zustand dort ist schlecht.“

Grundsätzlich war man sich also einig. Deutlich stärker wurde nicht über das Ob, sondern das Wie diskutiert. Und hier zeigt sich ein zentraler Punkt der politischen Debatte: Wie bewertet man das aktuelle Gutachten? In dieser Frage gibt es zwei Lager.

Die eine Seite argumentiert, das Gutachten und die Beschlüsse der Unfallkommission seien eindeutig. CDU-Fraktionschef Stefan Weber verwies auf ein starkes fachliches Signal. „Dann ist das kein beiläufiger Hinweis. Und das sollte man an so einer Stelle ernst nehmen.“

SPD-Ratsherr Christian Lüer erklärte, für die Partei sei es nicht vorstellbar, sich gegen die Empfehlungen der Gutachter und der Verwaltung zu stellen. Deutlicher griff Claudia Grönefeld von der FDP die Koalition an. Das Rathausbündnis habe die Autorität von Polizei, Ordnungsbehörden, Unfallkommission und Verkehrsgutachter infrage gestellt. Der Rat trage die Verantwortung für die Sicherheit. „Deshalb sind wir gut beraten, auf die Experten, die das hauptberuflich einschätzen, zu hören.“

Das ist die eine Sicht: Wir hören auf die Gutachter, die Faktenlage ist klar. Oder wie Stefan Weber (CDU) sagte: „Wir sollten hier ein bisschen sachlicher auf diese Debatte schauen.“ Sachlicher, das bedeutet in dieser Debatte also: Der Sicherheitsaspekt überragt alles andere.

“Wer Straßen sät, wird Autos ernten”

Die andere Sicht befasst sich mit den Fragen dahinter, zum Beispiel mit der, wie sicher die Verkehrsprognose der Stadt ist? Und mit der Frage, wie man Verkehrspolitik politisch gestalten möchten?

Im Gutachten heißt es, dass im Gebiet rund um den Ziegenkreisel zukünftig morgens mit etwa 28 und nachmittags mit 25 Prozent mehr Verkehrsaufkommen zu rechnen sei.

Lara Bösche von den Linken kritisierte, die Verwaltung schiebe das Sicherheitsargument vor, um den Prozess als technische Frage abzuhandeln.

Die Verkehrsprognose werde als Naturgewalt behandelt, während Klimaschutz, Flächenversiegelung oder Kosten ausgeblendet würden. „Verkehrsprognosen, auf deren Basis Infrastruktur ausgelegt wird, sind sich selbst erfüllende Prophezeiungen“, so Bösche. Wer Straßen säe, werde Autos ernten.

Andrea Blome stimmte zu: Es gebe noch das erste Gutachten von 2019 mit einem anderen Ergebnis. Die Grünen seien weiterhin für einen modernisierten Kreisverkehr. Dass man hier eine Ampel für notwendig halte, gehe auf die Prognosezahlen zurück. Sven Konopka mahnte, dass die Stadtgesellschaft sich deutlich positioniert habe und verwies auf eine Petition mit – Stand Freitagnachmittag – 3.800 Unterschriften gegen die geplante Ampel.

Im Kern ging es also auch darum, welchen Stellenwert die Empfehlungen der Unfallkommission und der Gutachter haben: Sind sie eine Vorgabe, von der der Rat kaum noch abweichen kann? Oder Empfehlungen, aus denen man politisch auch andere Schlüsse ziehen könnte?

Und es ging um die Frage, wie transparent und nachvollziehbar Entscheidungen der Stadtverwaltung und beratender Gremien sein müssen. Sven Konopka sagte, ein Verweis auf das aktuelle Gutachten beantworte offene Fragen nicht. Nach der fertigen Ampelplanung habe Volt Informationen einfordern müssen, weil nicht alles direkt öffentlich verfügbar gewesen sei.

Auch die CDU stimmte zu, die Öffentlichkeitsarbeit müsse verstärkt werden. „Viele Menschen sind zu uns gekommen und wussten nicht genau Bescheid“, sagte Walter von Göwels, der verkehrspolitische Sprecher der CDU. Er ergänzte: „Es mag unangenehm sein, darüber zu diskutieren, aber es ist verdammt nochmal sehr notwendig.“

Sebastian Nahrwold von der Linken kritisierte die Verwaltung dafür, dass der ursprünglich geplante verbesserte Kreisverkehr nicht längst umgesetzt sei. Seine Schlussfolgerung: Die Verwaltung wollte, dass mehr Autoverkehr ermöglicht wird.

Brandmauer verhindert Mehrheit

Bei der abschließenden Abstimmung enthielten sich Grüne und Volt, wie schon im Verkehrsausschuss. Für sie wirkte es wie eine Lose-Lose-Situation. Sie konnten sich mit ihren Vorstellungen nicht durchsetzen und wurden für das Manöver dennoch kritisiert.

Die Koalition beweise, dass Verkehrswende und Klimaschutz nur leere Worthülsen seien, hieß es von den Linken. Die grüne Fraktion sei rückgratlos, „wie wir es sonst nur von Sozialdemokratinnen kennen“. Mit ihrer Enthaltung sorgten die Grünen für eine Mehrheit für die Ampel. „Also haben Sie jetzt für die Ampel gestimmt?“, fragte Michael Krapp von der ÖDP.

Die AfD kritisierte, dass die Grünen lieber der Ampelkreuzung zustimmten als zusammen mit ihr dagegen. Mit den Stimmen der AfD hätte der Kreisverkehr im Rat eine Mehrheit gehabt. Doch hier wirkt die Brandmauer. Die AfD, so die einhellige Meinung, soll keine Mehrheitsbeschafferin sein.

Volt und Grüne machten den Weg frei. Die SPD betonte nachdrücklich, dass es hier um einen Einzelfall gehe, man aber grundsätzlich für eine progressive und pragmatische Verkehrspolitik stehe. Die Linke kritisierte, die SPD zeige einmal mehr, dass sie eine Autopartei sei.

Michael Krapp von der ÖDP urteilte: „Wenn wir schon bei so einem ja doch überschaubaren Thema […] erleben müssen, dass die Koalition sich nicht einig ist, stellt sich für mich zumindest die bange Frage, was wir in Zukunft von dieser Koalition zu erwarten haben.“

Dass es übrigens auch innerhalb der Parteien unterschiedliche Meinungen zum Ziegenkreisel gibt, verdeutlichte ein kleines Detail während der Abstimmung. Oberbürgermeister und Chef der Verwaltung Tilman Fuchs stimmte – anders als der Rest seiner Partei – für die Ampelkreuzung. (rba)

Meldungen aus dem Rat

+++ Eine neue „Task Force Müll“ soll künftig gezielt gegen illegale Müllablagerungen in Münster vorgehen. Die Gruppe, bestehend aus Mitarbeitenden der städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe, des Ordnungsdiensts und des Umweltamts, soll zunächst in Kinderhaus patrouillieren. Nach Angaben der Stadt werden momentan über den Mängelmelder täglich durchschnittlich sieben illegale Müllablagerungen gemeldet – etwa Matratzen, Sperrmüll oder kaputte Elektrogeräte. Dagegen soll stärker vorgegangen werden. Zusätzlich sollen zwei Stellen, die bislang Bioabfälle kontrollieren, testweise für Einsätze an sogenannten „Müll-Hotspots“ genutzt werden. In Zukunft sollen auch weitere Quartiere stärker überprüft werden. (ani)

+++ Der Rat hält an den Plänen fest, 24 Bäume am Schulzentrum Wolbeck umzupflanzen statt zu fällen. CDU, FDP und Bezirksbürgermeister Peter Bensmann kritisierten die hohen Kosten und zweifelten daran, dass die rund 40 Jahre alten Bäume überhaupt anwachsen. Grüne, Volt und Teile der Koalition verteidigten die Maßnahme dagegen als Beitrag zu Klimaresilienz. Der Rat bestätigte damit den bisherigen Plan für den Erweiterungsbau des Schulzentrums, der ab 2027 entstehen soll. Kostenpunkt: 400.000 Euro. (ani)

+++ Die Kommunale Wärmeplanung ist beschlossen. Was drin steht, lesen Sie in diesem RUMS-Brief und wie ein Experte den Plan der Stadt einschätzt, lesen Sie hier. (ani)

+++ Der Rat der Stadt Münster hat den Doppelhaushalt für 2026 und 2027 erneut verabschiedet und damit eine frühere Entscheidung bestätigt. Die neue Abstimmung war nötig geworden, weil die Stadt bei der ersten Beschlussfassung einen Formfehler gemacht hatte – am Zahlenwerk änderte sich dadurch jedoch nichts: Der Haushalt umfasst 2026 rund 1,73 Milliarden Euro und 2027 rund 1,75 Milliarden Euro. (ani)

+++ Der verkaufsoffene Sonntag anlässlich des NRW-Tages am 30. August ist ebenfalls beschlossen worden. Von 13 bis 18 Uhr dürfen Geschäfte in ausgewählten Straßen der Altstadt einmalig sonntags öffnen. (ani)

Satz der Sitzung

„Da beißt die Katze der Maus keinen Faden ab. Ich glaube so rum, oder? Lassen wir das. Ungefähr so schräg das Bild, wie die Baumverpflanzung am Ende werden wird.“

— FDP-Ratsherr Jörg Berens während der Debatte über die umstrittene Verpflanzung von 24 Bäumen am Schulzentrum Wolbeck. Berens kritisierte vor allem die hohen Kosten.

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Kolumne von Christoph Tiemann am 21.05.2026

40 Millionen auf der Richter-Skala | Der Kultur-Brief von Christoph Tiemann

Guten Tag, das Börde-Berufskolleg in Soest ist ein hübsch-hässlicher Betonbau aus den späten 70er Jahren. Den zur Eröffnung des Gebäudes vor 46 Jahren ausgeschriebenen Wettbewerb „Kunst am Bau“ gewann der in Dresden geborene, aber inzwischen in Köln lebende Maler Gerhard Richter. Der […]

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Klima-Update

+++ Die Agri-Solaranlage in Amelsbüren versorgt seit kurzem die Batteriefabrik. Im Herbst vergangenen Jahres wurde mit dem Bau begonnen (RUMS-Brief), passend zu den sonnigen Sommertagen konnte die Anlage fertiggestellt werden. Das Prinzip: Auf dem Boden wird Getreide und Co. angebaut, oben wird Sonne gesammelt. Für die Batteriefabrik soll die Anlage jährlich rund sechs Gigawattstunden Strom produzieren, wie die Stadtwerke schreiben. (ani)

+++ Für Sonntag rufen mehrere Münsteraner Klima- und Umweltgruppen zu einer Fahrraddemo gegen fossile Gaspolitik auf. Los geht es um 16:30 Uhr am Hamannplatz in Coerde. Anschließend fahren die Teilnehmenden durch die Innenstadt bis zum Hafenplatz, wo eine Abschlusskundgebung geplant ist. Die Initiativen protestieren gegen den Ausbau von Gaskraftwerken und Flüssiggas-Terminals und fordern stattdessen mehr erneuerbare Energien. (ani)

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Korrekturen

+++ Im RUMS-Veranstaltungsnewsletter am Mittwoch stand irrtümlich, der Edeltrödel im Heimatmuseum Kinderhaus finde am Sonntag statt. Tatsächlich ist die Veranstaltung am Samstag, von 15 bis 18 Uhr. Wir haben das korrigiert.

Personalabteilung

+++ Christina Kappenberg, 39 Jahre alt und promovierte Volkswirtin, übernimmt die Leitung des Schulamts der Stadtverwaltung und wird damit Nachfolgerin von Klaus Ehling, der Ende September in den Ruhestand geht. Das hat der Rat am Mittwoch beschlossen. Kappenberg arbeitet seit 2015 für die Stadtverwaltung und ist zurzeit als Referentin im Dezernat für Bildung, Jugend, Familie und Sport unter anderem für den Ausbau des Preußenstadions verantwortlich.

+++ Winfried Nachtwei wurde von den Grünen zu seinem 80. Geburtstag mit der Silbernen Sonnenblume für sein Lebenswerk geehrt. Nachtwei gehört zu den Gründungsmitgliedern der Münsteraner Grünen und war von 1994 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags. Dort wirkte er unter anderem als sicherheits- und abrüstungspolitischer Sprecher seiner Fraktion sowie als stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

+++ Friederike Müller hat eine neue Projektstelle im Bistum Münster übernommen, die sich mit den Verletzungserfahrungen queerer Menschen in der katholischen Kirche beschäftigt. Müller war zuvor am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster tätig. Im Rahmen eines zunächst auf ein Jahr angelegten Projekts sollen queere Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Erfahrungen offen zu schildern. Langfristig soll das Thema in die reguläre Arbeit des Bistums übergehen.

+++ Claudia Schwarz, Vorstandsvorsitzende der kirchlichen Stiftung „socioMovens. Giving Europe a Soul“, erhält den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 in der Kategorie Jugend. Er wird am 1. Oktober im Rathaus übergeben. „socioMovens“ organisiert internationale Begegnungen und soziale Projektwochen für Jugendliche aus Mittel- und Osteuropa, die sich unter anderem mit Armut, Flucht und gesellschaftlicher Teilhabe beschäftigen.

Ein-Satz-Zentrale

+++ Nach RUMS-Recherche: Die Linke in Münster wirft dem Immobilienkonzern ZBI schwere Missstände in Wohnungen vor. (Die Linke)

+++ Nach Pfingstmontag verschiebt sich die Tonnenabfuhr in Münster jeweils um einen Tag nach hinten. (Stadt Münster)

+++ Der vierte Castor-Transport des Jahres ist in der Nacht ohne größere Zwischenfälle in Ahaus angekommen. (WDR, Polizei Münster)

+++ Die Online-Terminbuchung der Stadtverwaltung funktioniert an Pfingstsonntag und Pfingstmontag nicht. (Stadt Münster)

+++ Ein Start-up aus Münster bietet jetzt einen Abholservice für Altglas aus Privathaushalten und Firmen an. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ab dem 1. Juli wird das Trinkwasser in Münster für viele Haushalte spürbar teurer. (Stadtwerke Münster)

+++ Auf der Hammer Straße wird ab Mittwoch nachts stadteinwärts eine Spur auf Höhe der Geiststraße gesperrt. (Stadt Münster)

+++ Das Picasso-Museum hat überraschend eine Christo-Grafik aus New York geschenkt bekommen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Am Aasee hat die Stadtverwaltung eine neue Grillaschetonne aus Edelstahl aufgestellt. (Stadt Münster)

+++ Die Rainer Scholze-Stiftung bezahlt jetzt die komplette Sanierung des Lamberti-Brunnens in der Innenstadt. (Stadt Münster)

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Raphael Balke

Mitarbeit: Ralf Heimann (rhe), Anna Niere (ani), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer

PS

Wir hatten es schon vor einigen Woche geschrieben: RUMS ist für den taz-Panterpreis nominiert. Ausgezeichnet werden Projekte, die unabhängigen Journalismus stärken und gesellschaftliche Debatten anstoßen. Wir finden: Das passt ziemlich gut zu uns. Warum genau, hat meine Kollegin Anna Niere jetzt in einem Video erklärt. Auch die anderen Nominierten stellen ihre spannenden Projekte genauer vor, einen Überblick dazu gibt es hier. Die öffentliche Abstimmung über den Publikumspreis läuft vom 8. bis 27. Juni – und wir freuen uns riesig, dabei zu sein. An die Abstimmung erinnern wir Sie bis dahin bestimmt nochmal.

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