Gasometer: Es wird ein Leuchtturm | Nahost-Konflikt: Positionierungsprobleme in Münster | Unbezahlte Werbung: Nordstern

Porträt von Sebastian Fobbe
Mit Sebastian Fobbe

Guten Tag,

die Gesellschaft UTB Projektmanagement schreibt am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung zum Gasometer: „Haben Sie schon mal von den sagenumwobenen Hängenden Gärten Babylons gehört?“ Zack, Fantasie angekurbelt. Malen Sie sich den Gasbehälter auch schon in den wärmsten Erdtönen aus, umgeben von prächtigster Pflanzenfülle?

Das Berliner Unternehmen hat also den Zuschlag erhalten. Sein Zukunftskonzept für das Industriedenkmal hat die Stadt überzeugt. Kurz zur Erinnerung: Im Januar hatten die Stadtwerke einen Investorenwettbewerb angestoßen, der über die Zukunft des ehemaligen Gasspeichers entscheiden sollte (RUMS-Brief). Nach dem widerwilligen Auszug des Sozialpalasts war nicht klar, wie es weitergehen sollte. Der Verein ist vorübergehend wieder eingezogen und nutzt den Ort regelmäßig, etwa für Veranstaltungen.

Was langfristig draus werden soll, steht nun aber fest: Stadtwerkesprecher Florian Adler schreibt uns heute, der Vorschlag von UTB sei die erste Wahl gewesen. Wie viele Bewerbungen eingegangen waren, erfahren wir nicht. Anfangs hatte es sogar Zweifel daran gegeben, ob überhaupt Bewerbungen kommen (RUMS-Brief). Denn der Umbau des Gasometers ist anspruchsvoll. Das Gerippe steht unter Denkmalschutz, es darf also nicht angetastet werden. Und überhaupt, insgesamt wird der Bau kostspielig. Anfang des Jahres sprach Florian Adler von einem zweistelligen Millionenbetrag, der mindestens für das Projekt fällig würde.

Das frisch gekürte Konzept zeigt mit allem, was es hat: Man will hoch hinaus. Gut 50 Meter nämlich. Auf vierzehn Stockwerken sollen Theaterräume, Büros, Praxen, eine Fahrradwerkstatt und eine Tagespflege entstehen. Darüber eine öffentliche Dachterrasse, in der Mitte ein Atrium, drumherum gut 80 Auto- und 500 Fahrradparkplätze.

Und weil es in diesem Kontext einfach so schön passt, streut die UTB in ihrem Datenblatt noch gleich den Begriff „Leuchtturmprojekt“ ein. Denn leuchten wird der aufgehübschte Gasspeicher in jedem Fall. „Für Münsteraner*innen und Besucher der Stadt strahlen Buchstaben-Installationen in Neon von der sanft sanierten Stahlfassade kunstvoll in die Nacht“, heißt es wunderbar lyrisch in der UTB-Pressemeldung. Auf der Visualisierung ist ein Schriftzug in Großbuchstaben zu sehen: GAZO, gleichlautend mit dem Namen des Projekts, das den Gasometer gerade nutzt und für seinen Erhalt als öffentlicher Kulturort kämpft.

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